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Handball-Bundesliga

TVieles wird neu beim BSV: Anika Hampel will ihre Lockerheit behalten

Durchsetzungskraft: Anika Hampel war mit neun Treffern einmal mehr die beste BSV-Torschützin.

Durchsetzungskraft: Anika Hampel war mit neun Treffern einmal mehr die beste BSV-Torschützin. Foto: Iso Jürgens

Im letzten Heimspiel des BSV demonstriert Anika Hampel, warum sie die Spielerin der Saison ist. Nun verliert sie ihre langjährige Weggefährtin - wird ihren Weg aber weiter machen.

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Von Jan Bröhan
Dienstag, 26.05.2026, 14:00 Uhr

Buxtehude. Anika Hampel hat schon vor dem letzten Heimspiel der Saison ein Lächeln im Gesicht. Sie geht mit Spielfreude in das Duell mit Frisch Auf Göppingen. Sie beweist Siegeswillen und ist mit neun Treffern beim 32:30-Sieg auch einmal mehr beste Torschützin des Buxtehuder SV.

Ihre Siebenmeter verwandelt die 22-jährige Spielmacherin ansatzlos, sie tankt sich am Kreis durch oder erkennt die Situation aus dem Rückraum. Zudem fällt sie durch einige feine Torvorlagen auf. Ihr Lächeln und die geballte Faust nach gelungenen BSV-Aktionen begleiten das gesamte Spielgeschehen. Ihr ist der Spaß an diesem besonderen Tag anzusehen.

Anika Hampel verkörperte im letzten Heimspiel noch einmal Spielfreude pur.

Anika Hampel verkörperte im letzten Heimspiel noch einmal Spielfreude pur. Foto: Iso Jürgens

Hat sie gewusst, was noch kommt? Nein. Sie hatte vielleicht eine Ahnung. „Man kann seine eigene Leistung ja einschätzen“, sagt Hampel, „und man hat mal so Andeutungen gehört, dass man auch als Spielerin der Saison gehandelt wird.“

Die Auszeichnung sei schön und freue sie, sagt sie. Das Wichtigste für sie sei aber, dass sie selbst mit ihren Leistungen zufrieden ist. Im letzten Heimspiel einer schwierigen, aber letztlich versöhnlichen Saison konnte Hampel das sein.

Die Wahl zur Spielerin der Saison: Claas Schmedtje (TAGEBLATT), Lin Lück (3.), Anika Hampel (1.), Jolina Huhnstock (2.) und Matthias Weiß (Sparkasse Harburg-Buxtehude; von links).

Die Wahl zur Spielerin der Saison: Claas Schmedtje (TAGEBLATT), Lin Lück (3.), Anika Hampel (1.), Jolina Huhnstock (2.) und Matthias Weiß (Sparkasse Harburg-Buxtehude; von links). Foto: Iso Jürgens

Nach dem gesicherten Klassenerhalt konnte der BSV „befreit aufspielen“, so Hampel, und auch als es mal enger wurde, habe sie in dem Spiel nie das Gefühl gehabt, dass der BSV verlieren könnte.

An schwieriger Saison gewachsen

Anika Hampel kam 2024 zum BSV. Die erste Saison war nach großem Umbruch schon durchwachsen. In dieser Saison verzweifelte der BSV an einer Niederlagenserie. Der seit 2008 fest im Sattel sitzende Erfolgstrainer Dirk Leun musste überraschend Platz machen.

„Abschiede sind nie leicht“, sagt Hampel, sie habe von Leun viel gelernt. Ihr Motto: Aus Situationen immer das Beste machen. Mit Nicolaj Andersson kam ein Interimstrainer bis zum Ende der Saison, dessen Spielidee Hampel „entgegen kam“, wie sie sagt. „Ich habe den neuen Input von Nico angenommen.“

Der von Trainer Nicolaj Andersson geforderte Spielstil kommt Anika Hampel entgegen.

Der von Trainer Nicolaj Andersson geforderte Spielstil kommt Anika Hampel entgegen. Foto: Iso Jürgens

Andersson setzte auf technisch versierten Handball mit schnellem Passspiel. „Ich konnte meine Stärken einbringen“, so Hampel. Sie habe einen Schritt nach vorne gemacht, was ihr Zweikampfverhalten betrifft. Auch ihre Übersicht sei in dieser Saison besser geworden: „Ich kann meine Nebenleute und die Außenpositionen besser in Szene setzen.“

In der Winterpause habe der BSV gut gearbeitet, so Hampel, das habe sich letztlich auch ausgezahlt. Spätestens in den Play-offs hat der BSV sein Potenzial gezeigt.

Nach der Saison wird vieles neu

Beim BSV steht nach der Saison ein erneuter Umbruch an, auf viele Abgänge folgen viele Zugänge sowie der neue Trainer Jonas Schlender. Für Anika Hampel, die noch zwei Jahre Vertrag hat, bedeutet dies privat wie sportlich einen tiefen Einschnitt.

Ihre WG-Partnerin Jolina Huhnstock wechselt zum Thüringer HC. Drei Jahre lang spielten sie zusammen für Bad Wildungen und lebten auch dort zusammen, es folgten die zwei gemeinsamen BSV-Saisons. „Ich werde sie vermissen, wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen und sind richtig gute Freundinnen.“

Die beiden ergänzen sich auf dem Platz und privat

Anika Hampel ist sehr strukturiert und folgt einem festen Tagesablauf, wie sie erzählt. Jolina Huhnstock sei da ganz anders, sie gehe jeden Tag locker an und schaut, was da komme. „Da hat sie mich dann auch mal runtergeholt“, sagt Hampel.

„Jolina sagt immer, ein sechstes oder siebtes Jahr hätten wir auch noch geschafft“, erzählt Hampel. Dass ihre Freundin aber nach Thüringen - sie stammt aus Bad Langensalza - wechselt, ist für Hampel natürlich nachvollziehbar.

Auf dem Spielfeld, so Hampel, habe ihre langjährige Weggefährtin und Kreisläuferin oft gewusst „was ich machen werde, bevor ich es gewusst habe“. Sie lacht.

Ihre neue WG-Mitbewohnerin wird zur kommenden Saison Neuzugang Ruslana Litvinov von der HSG Blomberg-Lippe. „Wir haben schon geguckt, ob es zwischenmenschlich passt“, sagt Hampel, sie lasse ja nicht einfach jeden so rein.

Sie freut sich auf das Runterkommen

Ein Auswärtsspiel steht noch an, am Sonntag beim BSV Sachsen Zwickau. Mit einem Sieg würde Buxtehude die Saison noch auf dem siebten Tabellenplatz abschließen.

„Ich freue mich auf die kurze Pause dann und will entspannen“, sagt Hampel. Sie kommt aus dem Raum bei Frankfurt am Main. Zuhause will sie alte Freunde treffen und die Zeit mit der Familie genießen. Einfach runterkommen.

Vielleicht zeichnet sie auch ein, zwei Porträts. Das mache sie „sehr gern“, das Malen sei ein Ausgleich für sie, so Hampel.

Hampel will ihren Weg weiter machen

In die kommende Saison geht sie mit „Vorfreude“, sie mache sich aber natürlich auch schon Gedanken darüber, wie es werden könne nach dem erneuten Umbruch und mit neuem Trainerteam.

Ihre Freundin Huhnstock schaffte beim BSV den Sprung in die Nationalmannschaft. Die Spielerin der Saison danach befragt, sagt Hampel: „Ich würde lügen, wenn ich keine Ziele hätte, größtmögliche.“

Sie habe mit ihren 22 Jahren aber schon gelernt, dass man vieles nicht beeinflussen kann, wie man beurteilt wird. „Ich will mir meine Lockerheit bewahren und Schritt für Schritt machen.“ Jedes Training sei dafür das Fundament.

Zum 27. Mal wurde eine Spielerin ausgezeichnet

Nach dem letzten Bundesliga-Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen in der Halle Nord überreichte Claas Schmedtje, Geschäftsführer vom TAGEBLATT, Hampel den Pokal. Die Wahl zur Spielerin der Saison, seit 2000, fand wie immer in Kooperation mit der Sparkasse Harburg-Buxtehude und dem TAGEBLATT statt. Die 22-jährige Rückraumspielerin gewann die Wahl mit deutlichem Vorsprung. 41,1 Prozent aller Stimmen von Fans und Jury entfielen auf die mit Abstand beste Torschützin im Team. Die Spielmacherin erzielte 142 Treffer in 25 Spielen, ein Auswärtsspiel kommt noch hinzu.

In der vergangenen Saison lag der damalige Neuzugang mit 14 Prozent schon auf Platz 3 - hinter Levke Kretschmann (25 Prozent) und Maj Nielsen (15 Prozent). Mehr als 500 Fans gaben ihre Stimme ab. Platz 2 bei der Wahl 2025/26 belegte Kreisläuferin Jolina Huhnstock, die im Dezember mit der deutschen Nationalmannschaft Vize-Weltmeisterin wurde, mit 13,9 Prozent. Auf Platz 3 landete Lin Lück mit 11,2 Prozent der Stimmen von Fans und Jury.

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