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Dauerläufer am Kalkberg

Vom Glück, Karl-May zu spielen: Joshy Peters in Bad Segeberg

Peters ist seit fast 40 Jahren immer wieder bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg dabei.

Peters ist seit fast 40 Jahren immer wieder bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg dabei. Foto: Markus Scholz/dpa

Gänsehaut, Pannen und ein Müsli-Ritual: Joshy Peters verrät, warum die Karl-May-Spiele für ihn mehr sind als bloß Theater – und was hinter den Kulissen wirklich verbindet.

Von Sönke Möhl, dpa Donnerstag, 18.06.2026, 06:05 Uhr

Bad Segeberg. Fast 40 Jahre nach dem ersten Auftritt am Kalkberg in Bad Segeberg haben die Karl-May-Spiele für Joshy Peters nichts an Faszination verloren. Vom Neuling Old Shatterhand 1987 über Old Surehand und Schurkenrollen als Ölprinz, Santer und Roulin bis zu Häuptlingen hat der heute 68-Jährige in bisher 32 verschiedenen Aufführungen alles im sandigen Rund der Kalkberg-Arena gespielt.

„Das ist meine Liebe, es gibt nichts Schöneres für mich, als hier zu sein“, sagt Peters, der einem bundesweiten Publikum durch die Krimiserie „Nord bei Nordwest“ bekannt ist. Der gebürtige Hamburger spielt bei den auf Fehmarn angesiedelten Fällen den Kriminaltechniker Puttkammer.

Joshy Peters hat schon viele Rollen in Bad Segeberg gespielt, hier 2023 war er Winnetous Vater Intschu-tschuna.

Joshy Peters hat schon viele Rollen in Bad Segeberg gespielt, hier 2023 war er Winnetous Vater Intschu-tschuna. Foto: Markus Scholz/dpa

Nachdem sich Schauspielerkollege Harald Wieczorek in der vergangenen Saison nach fast fünf Jahrzehnten vom Publikum in Bad Segeberg verabschiedet hat, blickt Peters auf die längste Karl-May-Erfahrung im Ensemble zurück. „Es hat eine ganz starke Entwicklung gegeben“, sagt er zu den Inszenierungen. Das betreffe etwa die Qualität der Stücke, die Umsetzung, Pyrotechnik und Licht.

Leuchtende Kinderaugen

„Es lässt nicht nach“, beschreibt Peters das Gefühl der Gänsehaut, „wenn man unten steht und in die Menschenmassen blickt und das was man zurückbekommt an Emotionalität“. Es sei fantastisch, am Ende einer Aufführung die Hände der Kinder zu schütteln und ihnen in die Augen zu blicken. „Die haben dieses Abenteuer gelebt, die sind glücklich und das macht einen selbst glücklich.“

Dieses Glück der Kinder erleben zu dürfen, sei einzigartig, sagt der dreifache Vater. „Es ist jedes Mal, wenn die Abendvorstellung und Feuerwerk ist und die Menschen ihre Handys nehmen und sich zur Musik bewegen, dass ich Gänsehaut habe und ein Tränchen läuft vor Glück.“ Es lasse nicht nach. „Das ist unfassbar, das kann ich auch gar nicht beschreiben. Das ist jedes Jahr wieder aufs Neue.“

Karl-May-Familie 

Das Team der Karl-May-Spiele von den Schauspielern über die Büromitarbeiter bis zu den Helfern hinter der Bühne empfindet Peters als eine Familie. Daher sei der Probenbeginn Ende Mai immer ein großes Glück. Sein Ritual sei, sich zuerst ein Müsli mit Erdbeeren zuzubereiten, es in der Sonne zu genießen. „Hach, ich bin wieder da“, sagt er, „das kann man gar nicht beschreiben.“

Dass er inzwischen nicht mehr zu den jungen Schauspielern zählt, ist für Peters kein Thema. Die von ihm verkörperten Figuren seien allerdings nicht mehr in die ganz spektakulären Kampfszenen verwickelt. In diesem Jahr spielt er Häuptling Eiserner Pfeil, den alkoholkranken Maricopa-Häuptling, der Böses verbreitet und spät im Stück doch noch eine für die Karl-May-Stücke typischer Erkenntnis gewinnt.

Mit Sport halte er sich fit, je zwei- bis dreimal in der Woche Laufen und Fitnessstudio, daran habe sich nichts geändert, betont der 68-Jährige. Alles sei noch im grünen Bereich. „Man merkt, dass es anstrengend ist“, beschreibt Peters aber das Spielen, Reiten, Kämpfen und Laufen in der Arena. Besonders bei Hitze in einem schweren Lederkostüm.

„Augen auf beim Kutschenkauf“

In 32 Sommern hat Peters natürlich auch eine Reihe von Pannen erlebt. „Es ist immer schön, wenn man sie in Humor verpacken kann.“ Vor ein paar Jahren etwa habe er bei der Premiere in einer Kutsche gesessen, bei der sich während der Fahrt ein Rad löste. „Dann bin ich ausgestiegen und habe gesagt, Augen auf beim Kutschenkauf.“ Dem Publikums hat es gefallen.

Er hat noch viel Lust auf die Karl-May-Spiele: Schauspieler Joshy Peters.

Er hat noch viel Lust auf die Karl-May-Spiele: Schauspieler Joshy Peters. Foto: Markus Scholz/dpa

Ein anderes Mal stürzte ein Schauspielkollege neben ihm über den Kopf des Pferdes in den Sand und rappelte sich mühsam wieder auf. Als improvisierter Dialog folgte: „Na, hast du was gefunden?“ - „Ja, einen Dollar“. Das Gelächter war groß. „Das macht den Reiz aus, dass Sachen passieren, die nicht vorhersehbar sind“, sagt Peters. „Da sind Menschen auf der Bühne, die im Publikum lachen, die auf der Bühne lachen, das verbindet und ist schön.“

Das Lampenfieber vor der Generalprobe und der Premiere sei nach wie vor vorhanden, trotz aller Routine, sagt er. Auch darauf möchte Peters nicht so bald verzichten. Daher sollen auf die 33. Saison weitere folgen, und es soll auch in den nächsten Jahren die markante Stimme des erfahrenen Westmanns in der Kalkbergarena zu hören sein - ob als Freund oder Feind von Winnetous.

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