Zähl Pixel
Jugend-Sinfonie-Orchester

TVon der Liebe zum Cello: Wenn die Musikklasse das Feuer entfacht

Vom Chorgesang zum Orchester: Die Wahl der Musikklasse hat die angehende Abiturientin Pauline Büttner erst vom Singen zum Cello und schließlich ins Buxtehuder Jugend-Sinfonie-Orchester gebracht.

Vom Chorgesang zum Orchester: Die Wahl der Musikklasse hat die angehende Abiturientin Pauline Büttner erst vom Singen zum Cello und schließlich ins Buxtehuder Jugend-Sinfonie-Orchester gebracht. Foto: Weselmann

Sie sind wichtig für die Ensembles im Kreis Stade: die Musikklassen an den weiterführenden Schulen. Dank ihnen gibt es in Buxtehude jedes Jahr ganz besondere Konzerte.

author
Von Fenna Weselmann
Freitag, 23.01.2026, 15:00 Uhr

Buxtehude. Die Idee kam einst aus Nordamerika herübergeschwappt. Inzwischen sind Musikklassen in der hiesigen Region fest verankert. Deren Ausrichtung ist durchaus unterschiedlich. Das gilt auch für Buxtehude.

Am Gymnasium Süd haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in einer Bläserklasse zu starten. Initiiert wurde das Angebot von Lehrer Hinnerk Otten. „Das Konzept kannte ich aus dem Referendariat“, erzählt der 49-Jährige. Motiviert ist es durch einen einfachen Gedanken: mehr Praxis in den Musikunterricht zu bringen.

Aufnahmeprüfung oder Vorerfahrung sind nicht notwendig

Die Bläserklassen sind bewusst auf Breitenförderung angelegt. Eine Aufnahmeprüfung oder Vorerfahrung sind nicht erforderlich. Idee ist, dass alle Kinder im Klassenverband ein neues Instrument lernen und zusammen spielen. Zusätzlich erhalten sie Instrumentalunterricht in Kleingruppen durch eine Lehrkraft der Kreisjugendmusikschule Stade.

Lehrer Hinnerk Otten hat die Bläserklassen am Gymnasium Süd ins Leben gerufen. Zusammen mit Andreas Désor von der Halepaghen-Schule bildet er das Dirigenten-Duo des Buxtehuder Jugend-Sinfonie-Orchesters.

Lehrer Hinnerk Otten hat die Bläserklassen am Gymnasium Süd ins Leben gerufen. Zusammen mit Andreas Désor von der Halepaghen-Schule bildet er das Dirigenten-Duo des Buxtehuder Jugend-Sinfonie-Orchesters. Foto: Weselmann

Der Fokus auf die Bläser hat einen praktischen Vorteil: Es lässt sich problemlos ein Klassenorchester bilden. Hinzu kommen vergleichsweise schnelle Lernerfolge. Denn es geht nicht nur um das gemeinsame Musizieren im Unterricht - von Anfang an stehen Auftritte auf dem Plan.

Schulische Angebote fördern den Musiknachwuchs

Die musikalische Bildung über das Elternhaus erlebt Hinnerk Otten heute anders als zu Beginn seiner Lehrtätigkeit. „Früher hat hier und da schon jemand Geige, Cello, Trompete oder Saxofon gespielt, heute sind es oft nur ein oder zwei pro Klasse mit Klavierunterricht“, so Ottens Erfahrung.

Umso mehr Bedeutung bekommen schulische Angebote als Baustein der Nachwuchsförderung. Bei manchem wird die Bläserklasse zur Initialzündung. Aus dieser Schülerschaft erwächst ein Pool an jungen Musikern, der die regionalen Orchesterformationen speist.

„Die Einrichtung von Musik-, Chor- und Instrumentalklassen in den letzten 20 Jahren ist die große Erfolgsgeschichte der niedersächsischen Schulmusik. Sie hat unzählige Schülerinnen und Schüler an das aktive Musizieren herangeführt und damit auch wertvolle Nachwuchsgewinnung für die Musikkultur und insbesondere für die Amateurmusik ermöglicht“, erklärt Dr. Martin Weber, niedersächsischer Landesvorsitzender des Verbands Deutscher Schulmusiker.

Zwei Buxtehuder Lehrer leiten das Jugend-Sinfonie-Orchester

Wer nach zwei Jahren Bläserklasse in der Orchester-AG weitermacht, ist bald bereit für weitergehende Formationen wie die Schul-Bigband oder das Buxtehuder Jugend-Sinfonie-Orchester (JSO). Bei letzterem ist Hinnerk Otten ebenfalls aktiv. Seit 2022 unterstützt er seinen Lehrer-Kollegen von der Halepaghen-Schule, Andreas Désor, als zweiter musikalischer Leiter.

Andreas Désor ist Dirigent des Butehuder Jugend-Sinfonie-Orchesters, bei dem er schon als Jugendlicher mitwirkte.

Andreas Désor ist Dirigent des Butehuder Jugend-Sinfonie-Orchesters, bei dem er schon als Jugendlicher mitwirkte. Foto: JSO Buxtehude

Das JSO wurde 1985 von Christian Klett als Schulorchester gegründet. Die jährlichen Konzerte sind ein beliebtes Kulturereignis in der Stadt. Für das Ensemble bilden die Musikklassen der Region - von Neu Wulmstorf bis Stade - einen wichtigen Einstiegspunkt. Ein Beispiel dafür ist die angehende HPS-Abiturientin Pauline Büttner.

Pauline Büttner: „Ich wollte unbedingt ins Orchester“

Die Jorkerin startet in der 5. Klasse mit dem Schwerpunkt Gesang. Doch als sie in der kombinierten Chor- und Streicherklasse das Instrument der Freundin ausprobiert, gehört ihre Leidenschaft fortan dem Cello. „Der Klang hat mir sofort gefallen“, sagt die 19-Jährige. So nimmt sie zusätzlich Unterricht und besucht die Streicher-AG, um vom „Concertino Piccolino“ schließlich ins JSO zu wechseln.

Für Pauline Büttner sind die Proben mit dem Jugend-Sinfonie-Orchster ein guter Ausgleich zum Lernen für die Abiturprüfungen.

Für Pauline Büttner sind die Proben mit dem Jugend-Sinfonie-Orchster ein guter Ausgleich zum Lernen für die Abiturprüfungen. Foto: Weselmann

„Ich wollte unbedingt ins Orchester“, erzählt die junge Cellistin. Es geht um das Gemeinschaftsgefühl. „Zusammen zu spielen macht einfach viel mehr Spaß als allein.“ Schon ihr Vater hat als Jugendlicher im JSO gespielt und ist hier nun als Vereinsvorsitzender engagiert. Trotzdem hätte sie ohne die Musikklasse nie zum Cello und JSO gefunden, sagt sie.

Obwohl die Abiprüfungen vor der Tür stehen, nimmt sie sich Zeit für das Orchester. „Die Musik ist ein guter Ausgleich“, sagt Pauline Büttner. Belohnung sind die Bühnenauftritte. „Da sieht man, wofür man gearbeitet hat.“

Winterkonzerte und Tag der offenen Tür geben Einblick

Bei den Winterkonzerten freut sie sich besonders auf „Don Juan“. Bei der Ballettsuite von Christoph Willibald Gluck haben die Cellisten nämlich ordentlich was zu tun.

Diesen Freitag und Sonnabend, 23. und 24. Januar, spielt das JSO auf der HPS-Bühne. Es gibt noch wenige Karten, erhältlich unter www.jso-b.de und über das Kulturbüro. Einblick in die Musikklassen bietet der Tag der offenen Tür für die neuen Fünftklässler am 13. Februar um 15 Uhr an der HPS und am 25. Februar um 15.30 Uhr am Gymnasium Süd.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel