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TVon der Steinzeit bis heute: Karte über historische Stätten im Kreis Stade

Gemeinschaftswerk: Das Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen präsentiert mit Landschaftsverband und VGH-Stiftung die Regionalkarten zur Geschichte und Landeskunde.

Gemeinschaftswerk: Das Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen präsentiert mit Landschaftsverband und VGH-Stiftung die Regionalkarten zur Geschichte und Landeskunde. Foto: Vasel

2,5 Millionen Jahre haben Historiker und Kartographen in sechs Karten mit Begleitband verpackt. Jetzt liegt die Regionalkarte zur Geschichte vor. Ein erster Blick ins Werk.

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Von Björn Vasel
Dienstag, 06.01.2026, 17:32 Uhr

Landkreis. Es ist eine Einladung zu einer Zeitreise, von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Gemeinsam haben Dr. Niels Petersen und Professor Dr. Norbert Fischer ein beeindruckendes Werk vorgelegt. Die „Regionalkarte zur Geschichte und Landeskunde für das Elbe-Weser-Dreieck (Nord)“ lokalisiert „alle historischen Orte unserer Region“, unterstrich Dr. Hans-Eckhard Dannenberg vom Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden.

Bereits in der Corona-Zeit hatte sich das Team aus Historikern und Kartographen an das Werk gemacht. Die sechs Kartenblätter lokalisieren die erhaltenen und untergegangenen Überreste und Stätten, die die Geschichte dieses Raumes maßgeblich geprägt haben.

Keine Schatzkarte aus Sorge vor „Raubgräbern“

Es handelt sich allerdings nicht um eine Schatzkarte, sagte Professor Dr. Arnd Reitemeier vom Institut für Historische Landesforschung an der Georg-August-Universität in Göttingen. Der Fachmann für niedersächsische Landesgeschichte betonte im Niedersächsischen Landesarchiv in Stade mit Blick auf die von einigen Archäologen im Vorfeld geäußerten Sorgen: „Wir wollen keine Raubgräber.“ Mit einem Maßstab von 1:50.000 seien die Karten nicht so punktgenau.

Blick auf den Bereich südlich von Stade.

Blick auf den Bereich südlich von Stade. Foto: Vasel

In einem umfangreichen, 256 Seiten starken Begleitband werden die Schauplätze in Text und Bild erläutert. Die zwölf Autoren stellen in den 18 Kapiteln die naturräumliche Gliederung, die Ur- und Frühgeschichte, die politische und territoriale Entwicklung der Region sowie die ländlichen und die städtischen Siedlungen, Rittergüter, Kirchen und Friedhöfe, Deichlinien, Wasserbau- und maritime Anlagen der Region und vieles mehr vor.

Wenn das Reaktorgebäude des Atomkraftwerks in Stade im Jahr 2026 abgebrochen ist, wird dieses - ähnlich wie die Rittergüter, Werften und Ziegeleien im Alten Land - als Symbol auf der Karte weiter existieren.

Kein vergleichbares Kartenwerk auf dem Markt

Eine vergleichbare Publikation „gibt es in dieser Form in Deutschland nicht“, betonte Reitemeier. Letztlich sei die Regionalkarte „eine visuelle Verdichtung von Wissen“. Das Kartenwerk, erstellt mit dem Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, und der Begleitband erschließen die Geschichte von der Altsteinzeit bis zur Industrialisierung der breiten Öffentlichkeit.

Weitere Projekte, von einem Digitalen kulturhistorischen Atlas für Niedersachsen in 2026 und eine App, sind in der Pipeline. Dann könnten Karten-Ebenen, wie Mittelalter und Neuzeit, übereinander gelegt werden, um Entwicklungen in der Kulturregion deutlich zu machen. In einigen Jahren soll die Regionalkarte für den Süden des Elbe-Weser-Dreiecks folgen.

Auch die Geschichte der Altländer Ziegeleien wird beleuchtet

Im Begleitband wird unter anderem die Geschichte der Ziegeleien im Alten Land und in Kehdingen beleuchtet. Seit dem 18. Jahrhundert schufteten lippische Wanderarbeiter in den Ziegelwerken an Elbe und Oste. Der Große Stadtbrand von Hamburg hatte 1842 einen Bauboom ausgelöst. Im Jahr 1881 existierten allein 32 im Amt Jork. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es 160 Steinbrennereien an der Niederelbe, so Mit-Autorin Heike Schlichting.

Landwirte traten als Nebenerwerbsfabrikanten auf. Ab den 1920er Jahren ging es bergab, Beton und Kalksandstein traten ihren Siegeszug an. Übrig blieb die 1842 gegründete Ziegelei Rusch - mit ihrem im Jahr 1982 unter Denkmalschutz gestellten historischen Ringofen.

Die von der VGH-Stiftung und vom Landschaftsverband geförderte Regionalkarte inklusive Begleitband zur Geschichte und Landeskunde für das Elbe-Weser-Dreieck (Nord) kostet 25 Euro (ISBN 978-3-941-177-369).

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