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Meinung

TVon „totaler Blödsinn“ bis „ich bin begeistert“: Leser diskutieren Bahnhofstraße

Zwei junge Männer auf einem Moped fahren verbotenerweise entgegen der vorgeschriebenen Richtung in die Bahnhofstraße. Foto: Sulzyc

Zwei junge Männer auf einem Moped fahren verbotenerweise entgegen der vorgeschriebenen Richtung in die Bahnhofstraße. Foto: Sulzyc Foto: Sulzyc

Einbahnstraße für Autos, 20 km/h Höchstgeschwindigkeit, Radfahrer auf die Straße: völliger Quatsch oder längst überfällig? Das sagen die Leser zum Verkehrsversuch Bahnhofstraße in Buxtehude.

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Von Anke Settekorn
19.08.2026, 06:20 Uhr

Buxtehude. Seit Montag gelten in der Buxtehuder Bahnhofstraße neue Regeln: Die Bahnhofstraße wird zur Einbahnstraße für Autos, bleibt aber für Radfahrer, E-Scooter und Busse in beide Richtungen offen. Die Höchstgeschwindigkeit sinkt auf Tempo 20. Radfahrer und E-Scooter nutzen die Fahrbahn. Bei seinem Besuch vor Ort erlebte TAGEBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc „Wildwest in der Einbahnstraße“.

Die neue Verkehrsführung in der Bahnhofstraße in Buxtehude verwirrt viele - und wird auf TAGEBLATT.de und in den sozialen Medien rege diskutiert. Wir haben die Kommentare der TAGEBLATT-Leser hier zusammengefasst:

„Ohne gegenseitige Rücksichtnahme bringt das nichts“

„Die Idee ist auf dem Gehweg eigentlich angenehm, weil man als Fußgänger seine Ruhe vor E-Scootern und Fahrrädern hat“, schreibt Jacky Neumann uns bei Facebook. Fußgänger, Kinder und ältere Menschen bräuchten einen Raum, in dem sie sich sicher bewegen können. Doch in der Umsetzung sieht sie Probleme: „Autofahrer versuchen, sich an den Radfahrern vorbeizuquetschen, obwohl gar kein Platz dafür da ist.“ Ohne gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer sei der Versuch hinfällig.

Ähnlich sieht es auch Marc Heitmann: „„Ansonsten sollten sich vielleicht einfach mal alle an die geltenden Regeln halten statt rumzumeckern, dann wäre an dem Versuch auch nichts gefährlich.“

„Plötzlich fuhr ich verkehrt in die Einbahnstraße“

Bernadeta Schenk hat die neue Verkehrsführung erst mal einen Schrecken eingejagt: „Ich bin über die Kreuzung aus der Innenstadt, ganz wie ich es gewohnt bin seit Jahrzehnten - und war plötzlich verkehrt herum in der Einbahnstraße!“ Doch sie kann dem Versuch auch Positives abgewinnen: „Ich finde die neue Verkehrsführung ungewohnt, aber nicht schlimm. So ist für die Fußgänger Ruhe.“

Ronald Wölk ist Fan der neuen Regelung. „Endlich mal vernünftig auf der Straße Rad fahren. Die Gefährlichkeit überquerender Fußgänger ist genommen“, schreibt er via Facebook.

Ein Kritiker wurde bekehrt

Mit Karsten Vilehr wurde nur wenige Tage nach der Einführung der neuen Verkehrsregeln ein Kritiker des Versuchs bekehrt - er schreibt uns: „Jetzt bin ich begeistert von der Umsetzung. Es ist endlich ein entspanntes Radfahren möglich.“ Unklar ist aus seiner Sicht noch die Vorfahrtregelung an der Rathaus-Kreuzung in Richtung Innenstadt: „Wer hat Vorfahrt? Die Abbieger-Kfz oder der geradeaus fahrende Radfahrer?“ Anderen Kritikern des Verkehrsversuches hält er entgegen: „Der Versuch reduziert die Fahrgeräusche für die Anwohner, reduziert die Feinstaubbelastung für alle Nutzer und Bewohner und erhöht wesentlich die Verkehrssicherheit für alle.“

„Überflüssige Schilderwald-Vorschriften“

Torsten Fricke kommentiert auf TAGEBLATT.de: „Bekloppt sind doch weniger die Verkehrsteilnehmer, die ausschließlich - möglichst zügig - von A nach B kommen und ihr Fahrzeug auch noch ortsnah abstellen wollen (auch Straßenverkehr genannt), als überflüssige Schilderwald-Vorschriften.“ Er befürchtet eine „weitere Erosion der Rechtstreue“, da die Akzeptanz fehle.

Auch TAGEBLATT-Leser Christian Ückert sieht in der Beschilderung ein Problem: „Es könnte vielleicht auch helfen, wenn die Stadt Buxtehude die Verkehrszeichen korrekt anordnen und aufstellen würde.“

„Man sollte nicht allzu sehr an seinem Leben hängen“

„Es ist für mich als Fahrradfahrerin nicht akzeptabel, auf der Straße fahren zu müssen“, macht Jana Heinrich deutlich. Der bisherige Fuß-/Radweg in der Bahnhofstraße sei breit genug, damit Fußgänger und Radfahrer genug Platz haben. Sie weist auf den parallel verlaufenden Wander-/Radweg hin - „ohne Autos und ohne Kreuzungen“. Die Nutzung des Ottensener Weges als Radfahrer sei ebenfalls ein Glücksspiel: „Man sollte nicht allzu sehr an seinem Leben hängen, wenn man da auf der Straße fährt.“ Von einer radfahrerfreundlichen Stadt sei Buxtehude weit entfernt.

Auch Mareike Mey hält die neue Regelung nicht für gelungen: „Ich finde diese Verkehrsführung für Kinder, auch über zehn Jahre, viel zu gefährlich. Mein Sohn ist letztes Jahr erst angefahren worden, den Anruf brauche ich kein zweites Mal“, schreibt sie via Facebook.

„Reine Geldverschwendung“

Etliche Kommentatoren halten den Verkehrsversuch für eine Geldverschwendung. So auch Stefan Klein: „Die Verkehrsführung in der Bahnhofstraße hat doch über all die Jahrzehnte funktioniert. Wo war überhaupt das Problem, dass die Stadtverwaltung sich jetzt krampfhaft etwas Neues ausdenken musste?“, schreibt er auf TAGEBLATT.de. Tobias Both ist ähnlicher Ansicht: „Ist meiner Meinung nach völlig unnötig und Geldverschwendung, dieser Verkehrsversuch. Hätte man alles so lassen können.“ Ute Claus hält die neue Verkehrsführung ebenfalls für unsinnig: „absolut überflüssig und viel zu teuer!“

„Hier wurde naive Ideologie den sachlichen Argumenten vorgezogen“, ist Marco Lübke überzeugt. Auch er hält den Verkehrsversuch für eine Verschwendung von Steuergeldern. „Dazu kommt, dass nicht nur die Bahnhofstraße betroffen ist. Das Chaos in der Brüningstraße ist doch vorprogrammiert“, kommentiert Marco Lübke via Facebook. Er hat auch eine Alternative zum Verkehrsversuch parat: „Warum regelt man nicht konsequent, dass man, vom Bahnhof kommend, nur auf dem rechten Radweg runterfährt und auf der anderen Seite hochfährt? Dazu gerne noch Tempo 20, mit Temposchwellen, ein paar Zebrastreifen ... zack ... fertig!“

Anna Lena sieht in der neuen Regelung keine Verbesserung, teilt sie via Facebook mit: „Ständig heißt es angeblicher Geldmangel, aber für eine neue Verkehrsinsel hat es mal wieder gelangt? Vielleicht mal um wirklich wichtige Dinge kümmern?“

„Die armen Busfahrer“

Die Gedanken von Simone Ader und Jonas Nien gelten vor allem denen, die beruflich die neue Einbahnstraße befahren müssen: „Die armen Busfahrer“, schreibt Simone Ader. „Nur gefährlicher gemacht für alle, gerade für Busse“, kritisiert Jonas Nien.

„Nicht sehr professionell gemacht“

„Das Chaos dürfte weniger mit schlechter Auffassungsgabe als mit der Macht der Gewohnheit zu tun haben“, schreibt Karin Kroll. Sie vermutet, dass viele gar nicht mitbekommen haben, dass der Versuch startet. „Nicht jeder informiert sich auf den Seiten der Stadt. Eigentlich hätte man alle Bürger vorher informieren müssen, nicht über Schilder oder online, sondern per Flyer“, ist sie überzeugt. „Das war nicht sehr professionell gemacht.“

„Nur Chaos“ beobachtet Svenja Spruth in der neuen Einbahnstraße. „Die Autos fahren in beide Richtungen, Fahrräder fahren überall - Straße und Radwege. Die Rollerfahrer fahren wie sie wollen. Die Busse überholen munter. Kaum einer fährt 20“, berichtet sie.

Bahnhofstraße zur Fußgängerzone machen

Eine neue Idee bringt Martina Trampenau ins Spiel: „Man hätte die Bahnhofstraße zur Fußgängerzone machen sollen, damit auch wieder einladende Geschäfte/Restaurants oder Cafes ansässig werden könnten“.

„Was der Bauer nicht kennt...“

Sönke Matthies rät, erst mal abzuwarten. „Typisch. Es wird immer über neue Sachen rumgelästert“, schreibt er bei Facebook. „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“

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