TWas die Milliarden-Fusion des Chemiekonzerns Olin für Stade bedeutet
Der Chemie-Park Stade in der Nacht: Auch Olin mit mehr als 400 Mitarbeitern gehört dazu - und heißt demnächst OlinHuntsman. Foto: Martin Elsen
Olin und Huntsman: Wenn zwei Global Player der Chemie eine Fusion ankündigen, sorgt das weltweit für Aufregung. An den Börsen, aber auch bei Mitarbeitern - zum Beispiel in Stade.
Stade. Huntsman mit zuletzt 6,8 Milliarden und Olin mit zuletzt 5,7 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz wollen fusionieren. Die beiden US-Chemiekonzerne teilten vergangene Woche mit, dass die Transaktion bis Mitte 2027 abgeschlossen werden soll. Der neue Großkonzern soll OlinHuntsman heißen.
Gleichzeitig die Presse und die Mitarbeiter informiert
„Wir Mitarbeiter wurden davon an dem Tag informiert, als die Pressemitteilung hinausging“, berichtet Jonas von Holt, der Betriebsratsvorsitzende der 417 Mitarbeiter von Olin Stade.
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Die beiden US-Chemiekonzerne teilten mit: „Die Transaktion wird voraussichtlich einen erheblichen Mehrwert für die Aktionäre beider Unternehmen schaffen, wobei insgesamt identifizierte Kostensynergien und Integrationsvorteile in Höhe von mehr als 400 Millionen US-Dollar erwartet werden.“ Das alles soll größtenteils innerhalb von 24 Monaten passieren. Peter Huntsman wird Vorsitzender des Verwaltungsrats, neuer Geschäftsführer soll der aktuelle Olin-Geschäftsführer Ken Lane werden.
Betriebsrat Jonas von Holt: „Schwer einzuschätzen“
„Für uns ist schwer einzuschätzen, was das konkret für Stade und für die Arbeitsplätze vor Ort bedeutet. Wir müssen abwarten“, sagt Jonas von Holt. Klar sei, dass Huntsman und Olin verschiedene Produktionsportfolios haben, die sich ergänzen. Eine Zusammenlegung mit einem anderen Standort biete sich nicht an.

Olin-Betriebsrat Jonas von Holt. Foto: Anping Richter
Huntsman produziert schwerpunktmäßig chemische Produkte für industrielle Anwendungen, besonders Polyurethane, aber auch zukunftsträchtige Materialien für Bereiche wie Bau, Automobil, Luftfahrt und Beschichtungen. Zu Olin gehört mit Winchester ein bekannter Munitionsproduzent. Ansonsten stellt Olin aber vor allem Chlor-Alkali und Vinyl sowie Epoxidharz her. Letzteres ist der Schwerpunkt der Produktion in Stade.
Wirtschaftsförderer Stephan Engel: „Eher positiv“
Der neue Konzern hat einen erwarteten Jahresumsatz von etwa 12,5 Milliarden Dollar. Er soll von einer breiteren Aufstellung und erweiterten Optionen im Chlorbereich profitieren. Auch Stephan Engel von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Stade blickt gespannt auf die Entwicklungen in naher Zukunft.
„Mit Olin und Huntsman zusammen wird es in Europa mehr Produktionseinheiten geben“, sagt er. Huntsman könne Produkte aus Stade in einigen seiner Produkte weiterverarbeiten.

Stephan Engel, Projektkoordinator Standortentwicklung bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Stade. Foto: Richter
Das bedeute eine Verlängerung der Wertschöpfungskette: Steinsalz aus Ohrensen wird bei Dow zu Chlor, das Chlor verwendet Olin für sein Epoxidharz und Huntsman (dann OlinHuntsman) veredelt dieses weiter. „Meiner Einschätzung nach hat die Fusion deshalb Potenzial für eine eher positive Entwicklung“, sagt Stephan Engel.
Darauf dürften auch die Mitarbeiter der Firma in Stade hoffen. Die Chemieunternehmen vor Ort sind in den letzten Jahren ohnehin in schwerer See. Wie berichtet, hatten Dow und Olin in Stade ihre Produktion angesichts der hohen Energiekosten, die der Iran-Krieg noch verstärkt hat, in letzter Zeit gedrosselt.
Anmerkung der Redaktion: Der Bitte um ein direktes Statement zur Fusion und ihren Auswirkungen für den Standort Stade ist die Firma Olin bis Mittwochabend nicht nachgekommen.
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