TWas eine Auszeit im Asseler Moor mit Sarah Schröder machte
Sarah Schröder gestaltet die Druckplatten entweder in der heimischen Küche oder auf dem Dachboden ihrer Eltern. Foto: Wertgen
Erschöpft von Großstadt und Karriere kehrte sie zum Bauernhof zurück. Was als Auszeit begann, wurde zur Entdeckung: Sarah Schröder fand im Linolschnitt ihre Erfüllung, die sie in Drochtersen lebt.
Stade. Neun Monate stand Sarah Schröder jeden Tag mit der Mistgabel im Stall des Bauernhofs ihrer Eltern und fütterte die Tiere. Die Rastlosigkeit der Großstadt und die vielen Kilometer im Außendienst - das alles hatte sie hinter sich gelassen.
Schröder hatte sich gesagt: „Jetzt stelle ich ein Stoppschild für mich auf und gehe nach Hause.“ Die bewusste Rückkehr zum elterlichen Bauernhof im Asseler Moor wurde zum Wendepunkt.
Heute, mehr als zehn Jahre später, ist die 40-Jährige als „Frau Schröder druckt“ fester Bestandteil der Kunstszene im Kreis Stade.
Aus dem Moor in die Großstadt und zurück
Aufgewachsen auf dem elterlichen Hof, zog es Schröder als junge Frau zunächst in die Welt hinaus. Mit zwanzig verließ sie das Elternhaus, lebte in Stade, später in Bremen und Hannover, stieg beruflich schnell auf.
Doch die Großstadt erfüllte langfristig ihre Erwartungen nicht. Das Sabbatical, die Auszeit, auf dem Bauernhof war ihre Antwort darauf - eine Zeit, in der sie „wieder zu sich selbst fand und erkannte, wo ich verwurzelt bin“, wie sie sagt. Das flache Land, die Natur, die bodenständige Dörflichkeit - all das lernte Schröder neu zu schätzen.
Heute wohnt sie seit sechs Jahren neben einem Kirchturm in Stade - der perfekte Kompromiss. „Stade gehört ja zum Speckgürtel um Hamburg, das passt gut zu mir“, sagt sie. Weder zu ländlich, noch zu städtisch. Und immer nah an ihrer Heimat. „Ich finde es immer super, wenn ich nach Kehdingen komme und jemand schnackt Platt.“

Die selbst erstellten Druckplatten kann Schröder immer wieder nutzen. Foto: Wertgen
Entdeckung der Druckkunst in Buxtehude
Während der Auszeit fand Sarah Schröder zur Druckkunst. Inspiriert von der Buxtehuder Künstlerin Britta Lange besuchte sie deren Atelier und war sofort fasziniert: „Die Druckkunst ist wirklich handwerklich. Ich hatte was in der Hand. Ich musste dafür arbeiten, was ich erstelle und kreiere“, erklärt sie.
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Besonders der Linolschnitt hat es ihr angetan - dabei werden Motive spiegelverkehrt in Linoleumplatten geschnitten und anschließend auf Papier gedruckt. Seitdem ist sie, wie sie sagt, „absolut wahnsinnig versessen auf Druckkunst“.
Die Arbeit an einer Druckplatte dauert zehn bis zwölf Stunden. Am Stück arbeitet Schröder mindestens sechs Stunden - entweder zu Hause in der Küche oder auf dem Dachboden der Eltern.
Während des Schneidens fallen ihr Lebenssituationen ein, Momente, die zum jeweiligen Motiv beigetragen haben. Der spektakulärste Augenblick ist der erste Abzug: „Das Papier von der Platte nehmen, hochhalten und genau schauen, was mit dem Motiv passiert ist. Wie nahe kommt es meiner Vorstellung im Kopf?“
Nach stundenlanger Arbeit sei sie „definitiv erschöpft, aber es ist auch eine Erfüllung“. Es sei wie eine neue Fußspur, die sie für sich selbst erschaffen habe.
Regionale Verwurzelung in jedem Druck
Papier bezeichnet sie als „Grundnahrungsmittel“ ihrer Kunst. Einen besonderen regionalen Bezug haben ihre Drucke auf alten Land- und Seekarten. Diese bekam Schröder geschenkt - von Menschen, die sagten: „Du scheinst ein kreativer Mensch zu sein, vielleicht kannst du damit etwas anfangen.“
„Da sind wirklich Seefahrten eingezeichnet, die Karten wurden in den 50er-Jahren benutzt“, erklärt sie. Dass die Seeleute tatsächlich mit den Seekarten auf dem Meer navigierten, fasziniert sie.
„Wenn ich hier von der Region Land- und Seekarten in die Hand kriege, ist das für mich ein absoluter Traum.“ Auf diese historischen Papiere druckt sie ihre Motive und verbindet so Vergangenheit und Gegenwart der norddeutschen Küstenlandschaft.
Zwischen Beruf und Leidenschaft
Derzeit stellt Schröder im Rathaus Stade und im Bürgeramt Drochtersen aus. In der „Artothek“ können sich regionale Künstler präsentieren. Dort, wo vorher eine weiße Wand war, hängen jetzt Gemälde. „Künstler und Bürger profitieren davon“, so Kulturmanager Marko Hohmeister.
Nach zwei Monaten wechselt die Ausstellung. Von April bis Mai präsentiert Elisabeth Holzhausen aus Drochtersen ihre Gemälde.

Dass sich Künstler im Rathaus zeigen können und die Wände nicht mehr so kahl sind, ist für Drochtersen eine Win-Win-Situation. Foto: Wertgen
Für die Stader Ausstellung „Meine Tochter“ begab sich Schröder auf Neuland: großformatige Drucke auf Stoff statt auf Papier. Ihre Motive erzählen von Heimat und Erinnerung: Tapetenmuster von der Oma, Pommes als Hommage an die heimische Kartoffel und Kassetten.
Diese nennt sie ein „Monument meiner Kindheit“, weil Medien über diesen Träger ganz anders wahrgenommen wurden als heute über das Handy.
Kultur-Pop-up im März
Hauptberuflich arbeitet Sarah Schröder im Einzelhandel. Die Kunst bleibt bewusst ihre Leidenschaft, nicht ihr Broterwerb. „Ich will Freude daran behalten. Deswegen will ich‘s nicht hauptberuflich machen“, erklärt sie ihre Entscheidung. Diese finanzielle Unabhängigkeit erlaubt ihr künstlerische Freiheit.
Parallel bietet sie regelmäßig Workshops in Stade an, die zwei bis drei Stunden dauern. Dort kommen Jung und Alt, Kunstbegeisterte und komplette Anfänger zusammen. Vom 3. bis 31. März ist sie im Kultur-Pop-up in der Stader Innenstadt (Hökerstraße 33) präsent, darunter mit Workshops für Erwachsene und Kinder.
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