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TWenn Fahrgäste die Regeln vergessen: Alltag einer Busfahrerin

Gunda Busch fährt seit sechs Jahren Bus und liebt den Umgang mit den Kindern. Auf kleinere Provokationen reagiert sie gelassen. „Manchmal singt der ganze Bus und sofort herrscht wieder gute Laune“, sagt sie.

Gunda Busch fährt seit sechs Jahren Bus und liebt den Umgang mit den Kindern. Auf kleinere Provokationen reagiert sie gelassen. „Manchmal singt der ganze Bus und sofort herrscht wieder gute Laune“, sagt sie. Foto: Hahn

Busfahren ist stressig. Insbesondere für die Fahrenden. Was eine Busfahrerin, die in der Region unterwegs ist, auf ihren Touren erlebt.

Von Monika Hahn Montag, 06.10.2025, 05:50 Uhr

Rotenburg. Für ein Bremervörder Busunternehmen fährt Gunda Busch seit sechs Jahren auf verschiedenen Buslinien. Darunter fallen morgendliche Touren zu Selsingens Schulen, und auch in Gnarrenburg und Bremervörde (Kreis Rotenburg) steuert sie die großen Fahrzeuge. „Insbesondere nach den Sommerferien scheinen viele Schüler die Verhaltensregeln im Bus vergessen zu haben“, hat sie beobachtet. Von dem Fall aus Gifhorn, bei dem ein Busfahrer die ganze Klasse im Bus eingesperrt haben soll, hat sie natürlich gehört. Das Verhalten des Busfahrers kommentiert sie knapp mit: „Sowas geht gar nicht.“

Um einen Eindruck von ihrem Alltag mit der Schülerbeförderung zu erhalten, fahren wir eine Tour in Bremervörde mit, weil es Busch zufolge da häufig unruhig sei. Mit „unruhig“ meint sie die Lautstärke und das Umherlaufen der Kinder während der Fahrt.

Herausforderungen der täglichen Fahrt

Die Fahrt ab und bis zum Schulzentrum wird knapp 50 Minuten dauern. Nur während der Hälfte der Zeit werden Schüler im Bus sein, bis die Linie den Punkt der Umkehr in einem von Bremervördes nördlichen Ortsteilen erreicht hat. Sofort fällt die hohe Frequenz auf, in der die Busfahrerin in ihren großen Rückspiegel schaut, um die Fahrgäste im Blick zu haben. Nach dem langen Schultag plappern diese lautstark durcheinander.

Sowas muss ich mir gefallen lassen.

Busfahrerin Gunda Busch über provokantes Dauerdrücken des Haltewunsch-Knopfes.

Die erste Probe für die Konzentrationsfähigkeit der Lenkerin. Während der kurzen Fahrt wird sie viermal jeweils unterschiedliche Kinder bitten, sich wieder hinzusetzen. An den Haltestellen muss sie vorhersehen, wohin die Kinder laufen; einmal quert ein Junge nach dem Aussteigen seitlich knapp vor dem Bus die Straße.

Insgesamt, so der Eindruck, verläuft diese Fahrt ruhig, und doch ist am Verhalten der Fahrerin gut zu erkennen, wie hoch konzentriert sie sein muss und wie viel mehr es zu beachten gibt, als beim Fahren eines Pkw: Stehende Fahrgäste können leicht stürzen, zumal das Fahrzeug auf den holperigen Dorfstraßen ordentlich schaukelt. Kommt ein landwirtschaftliches Fahrzeug entgegen, wird es schnell sehr eng, ungeduldige Autofahrer überholen und permanent ertönt das akustische Signal für den Haltewunsch und bereits bevor das Fahrzeug zum Stehen kommt, stehen die Kinder ungeduldig auf.

Gelassenheit als Schlüssel zur Resilienz

Als der Bus auf dem Rückweg leer ist, bleibt kurz Zeit, ins Gespräch zu gehen. „Bei uns hier sind die Jugendlichen tatsächlich die ruhigeren Fahrgäste. Die wollen schnell nach Hause“, sagt Busch lachend. Anstrengend seien die größeren Grundschüler, die mit ihrem Schabernack nicht unbedingt ein gutes Vorbild für die Busneulinge seien. Das permanente Drücken der Haltewunsch-Knöpfe sieht Busch gelassen: „Das muss ich mir gefallen lassen. Dann halte ich an der Haltestelle an und dann geht die Fahrt weiter. Ich erkläre den Kindern immer, dass sie dann alle später zu Hause sind.“

Überlastungspotenzial im Beruf

Extremfälle, wie der aus Gifhorn, verdeutlichen, wie hoch das Überlastungspotenzial in dem Beruf ist, und sicherlich betrifft dies nicht ausnahmslos den Schülerverkehr. „Wir treffen uns jeden Morgen in der Firma und besprechen uns“, sagt Busch über den wertvollen, kollegialen Austausch. Für Unbelehrbare hat sie die Möglichkeit, ein Busverbot zu erwirken. In ihrem Gebiet gehe es insgesamt friedlich zu, kleinere Provokationen müsse man hinnehmen, um sie nicht zu eskalieren.

Wer bringt den Kindern die Verhaltensregeln bei? Gunda Busch meint: „Das ist auch eine Sache des Elternhauses.“ In Gemeinden wie Selsingen oder Tarmstedt sorgen die Schulen durch die Ausbildung der ehrenamtlichen Buslotsen für mehr Sicherheit.

„Früher gab es mal die sogenannte Busschule. Eltern und zukünftige Erstklässler wurden an einem echten Bus von einem Busfahrer über korrektes Verhalten aufgeklärt“, erinnert sie sich. Seitdem die öffentliche Förderung dafür eingestellt worden sei, gebe es die Busschule in der Region nicht mehr.

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