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TWenn der Platz gefroren ist: D/A-Trainer Ioannou improvisiert mit Tae Bo

Mal was anderes als Fußball, aber nicht weniger schweißtreibend: D/A-Stürmer Haris Hyseni macht Schattenboxen beim Tae Bo.

Mal was anderes als Fußball, aber nicht weniger schweißtreibend: D/A-Stürmer Haris Hyseni macht Schattenboxen beim Tae Bo. Foto: Berlin

Der Rasen ist knüppelhart. Keine Chance auf Fußball. Wie kann die Mannschaft trainieren? D/A-Coach Oliver Ioannou und Kreisliga-Trainer Rainer Rambow improvisieren.

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Von Daniel Berlin
Mittwoch, 28.01.2026, 17:50 Uhr

Drochtersen. D/A-Trainer Oliver Ioannou schaut auf seine Wetter-App im Handy. Der Blick ist jeden Tag obligatorisch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das Thermometer zeigt gegen Mittag zwei Grad plus. Der eisige Wind lässt die Temperaturen noch frostiger erscheinen.

Vor dem täglichen Training am Abend geht Ioannou auf den Kunstrasenplatz neben dem Kehdinger Stadion. Er schaut skeptisch und fühlt den knüppelharten Boden selbst durch die Sohlen der Fußballschuhe.

Der Platz ist gefroren. Normales Training unmöglich. Ioannou und sein Trainerteam erstellten zwar einen Trainingsplan für die Wintervorbereitung. Aber der ist bei diesen Bedingungen obsolet. „Die Bedingungen spielen eine große Rolle. Wir müssen uns nach Alternativen umschauen“, sagt Ioannou.

D/A ab 22. Februar wieder im Kampf um den Aufstieg

Der Regionalligist SV Drochtersen/Assel war Mitte Januar in die Vorbereitung auf den Rest der Saison eingestiegen. Seither bestimmt das Wetter den fußballerischen Trainingsalltag. Zwei Testspiele, gegen den Hamburger Oberligisten Vorwärts Wacker und den Regionalligisten Greifswalder FC, fielen bereits den Witterungsbedingungen zum Opfer.

Am 22. Februar soll D/A beim HSC Hannover eigentlich wieder in die Saison einsteigen. 13 Spiele hat der aktuelle Tabellendritte, der um den Aufstieg in die 3. Liga mitspielt, noch auf der Uhr.

An diesem Abend Ende Januar kommt Sven van Haren in die sogenannte „D/Arena“ nach Drochtersen, die ehemalige Tennishalle, die der Verein zu einem kleinen Fußball- und Fitnesstempel ausgebaut hat.

Die infrastrukturelle Lage im Dorf und die finanzielle Kraft des Vereins erleichtern die Improvisation beim Winter-Training. „Obwohl fußballerische Inhalte kaum möglich sind. Das hat wenig zu tun mit dem Spiel auf dem Großfeld“, sagt Oliver Ioannou.

Heute gibt es Tae Bo: Schattenboxen mit Aerobic

Sven van Haren stellt eine Lautsprecherbox auf den Kunstrasen der „D/Arena“ und spielt laut die Musik aus seinem Handy. Statt Fußball gibt es heute Tae Bo. Tae Bo führt Elemente aus verschiedenen Kampfsportarten mit Aerobic zusammen. Van Haren macht energisch vor, die D/A-Fußballer machen nach. Im Takt. Mit dem Gefühl für den Rhythmus der Gruppe. Nach wenigen Minuten fließt der Schweiß.

Tae Bo bei D/A: Sven van Haren macht vor, die Mannschaft um Torwart Patrick Siefkes macht nach.

Tae Bo bei D/A: Sven van Haren macht vor, die Mannschaft um Torwart Patrick Siefkes macht nach. Foto: Berlin

„Das ist anstrengend“, sagt Oliver Ioannou beim Zuschauen. Tae Bo formt zudem das Team. „Hauptsächlich müssen wir unseren Körper fit machen und auch mental frisch werden“, sagt der Trainer. Dennoch sehnt Ioannou den Tag herbei, an dem draußen auf dem Platz endlich der Ball wieder rollt. Tücken hat im Winter aber auch das.

Das Abwägen des Verletzungsrisikos steht über allem. „Selbst wenn wir draußen etwas auf dem Platz machen können, darf es nichts mit langen Stehpausen sein“, sagt Ioannou. Im Sommer sind Unterbrechungen für taktische Ansagen kein Problem. Im Winter schon. „Im Winter tun 30 Sekunden Stehen nicht gut“, sagt der Trainer. Schwitzen, Stehen, Schwitzen, Stehen. Das ist Gift für den Organismus.

Das sagt der Mediziner über Sport im Winter

Der Stader Kardiologe und Sportmediziner Dr. Stephan Brune beschäftigt sich von Berufs wegen mit der Problematik. Er hat Tipps für die Athleten, die im Freien trainieren.

Dr. Stephan Brune.

Dr. Stephan Brune. Foto: Fehlbus

  • Keine Baumwollkleidung tragen, besser Multifunktionskleidung.
  • Mütze und Handschuhe anziehen. Vor allem über den Kopf geht viel Wärme verloren. Außerdem sind die Ohren sehr empfindlich.
  • Der Sportler sollte durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. So haben erstens Viren und Bakterien kaum eine Chance. Und zweitens erwärmt sich durch diese Technik die Luft und fließt nicht klirrend kalt in Bronchien und Lunge.
  • Bei zu heftigen Minusgraden wird Sport für Herz und Kreislauf gefährlich. Skirennen bei den Profis zum Beispiel werden ab -20 Grad abgesagt.

Auch der Kreisliga-Trainer improvisiert

Dass ein Fußballtrainer im Winter improvisieren muss, gehört zum täglichen Geschäft. Egal, ob Fußball-Regionalliga oder Kreisliga. Rainer Rambow trainiert die FSV Bliedersdorf/Nottensdorf in der Kreisliga. „Du musst Ideen haben und Vitamin B“, sagt Rambow.

Der Kreisligist stieg erst vor ein paar Tagen in die Vorbereitung ein. Rambow empfiehlt seinen Spielern eine beleuchtete Strecke für die fünf bis zehn Kilometer langen Ausdauerläufe. Außerdem findet das Team Obdach in Sporthallen der Umgebung.

Bliedersdorf/Nottensdorf trainiert in der neuen Sporthalle am Dohrenblick, improvisiert mit einer Tabata-Einheit in einem Buxtehuder Fitnessstudio oder lädt die Kicker zum Spinning ein. Für einen Taktikabend an der Taktiktafel reicht irgendwo ein Besprechungsraum. „Das Schöne ist, dass man am Wetter nichts ändern kann“, sagt Rambow. Im Vergleich zu D/A geht er die Vorbereitung im Winter mit all ihren Widrigkeiten um einiges entspannter an. Dennoch sind sich Rambow und Oliver Ioannou in einer Sache einig.

Alternatives Training schweißt Team zusammen

Rambow würde auf knüppelharten Plätzen nie Verletzungen riskieren. Die Kreisliga-Saison beginnt erst im März. Rambow hat noch ein bisschen Zeit. Zur Not nimmt er in Kauf, dass es einige Spieltage dauert, bis die Automatismen wieder sitzen.

FSV-Trainer Rainer Rambow (rechts) geht gelassen in die Vorbereitung.

FSV-Trainer Rainer Rambow (rechts) geht gelassen in die Vorbereitung. Foto: FuPa/Schlikis (nomo)

„Manches musst du auch mit Humor nehmen“, sagt Rambow. Artfremdes Training könne witzig sein oder das Team zusammenschweißen. Ein schöner Nebeneffekt, wenn ein Trainer mal wieder improvisieren muss. Auch da liegen die Regionalliga und die Kreisliga gar nicht so weit auseinander.

Im Winter sind die Plätze gefroren. D/A muss bei der Vorbereitung improvisieren. Tae Bo bringt den Spielern richtig Spaß.

Im Winter sind die Plätze gefroren. D/A muss bei der Vorbereitung improvisieren. Tae Bo bringt den Spielern richtig Spaß. Foto: Berlin

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