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Bundesverdienstkreuz

TWenn er schoss, zitterte der Gegner: Vier Anekdoten über eine Mulsum-Legende

Ausgezeichnet vom Bundespräsidenten: der fußballbegeisterte Heino Dieckmann vom TSV Mulsum. Die Fußballer des TSV laufen für den FC Mulsum/Kutenholz (FC Mu/Ku) auf.

Ausgezeichnet vom Bundespräsidenten: der fußballbegeisterte Heino Dieckmann vom TSV Mulsum. Die Fußballer des TSV laufen für den FC Mulsum/Kutenholz (FC Mu/Ku) auf. Foto: T. Meyer

51 Jahre brachte er den TSV Mulsum voran, jetzt trägt er das Bundesverdienstkreuz: über Heino Dieckmann, eine Hiobsbotschaft mit Happy End und sein Sportplatzritual.

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Von Thies Meyer
18.08.2026, 11:02 Uhr

Mulsum. „Ein Leben für den TSV“: Ein kurzer Satz, in dem viel drinsteckt. Als Heino Dieckmann (77) 2024 als 2. Vorsitzender des TSV Mulsum von 1911 aufhörte, würdigten die TSV-Verantwortlichen ihr Urgestein mit einer 28-seitigen Präsentation. Vor kurzem bekam er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ein halbes Jahrhundert Amtszeit.

Damit hat sich Heino Dieckmann das Bundesverdienstkreuz verdient

Keiner beim TSV Mulsum übte ein Amt so lange aus wie Dieckmann. 1973 übernahm der heutige Ehrenvorstand mit 23 Jahren das zweithöchste Amt. „In der Zeit haben wir einiges bewegt“, sagt Dieckmann beim Gespräch im Büro seines Getränke- und Landhandels in Mulsum und zählt auf: zum Beispiel den Bau der neuen Sportplätze „Zur Loge“, der 1977 abgeschlossen wurde, und des neuen Sportlerheims 1981.

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist in acht Stufen unterteilt: Das Verdienstkreuz am Bande von Heino Dieckmann gehört zu den untersten und am häufigsten verliehenen Stufen. Getragen wird es an der linken Brust.

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist in acht Stufen unterteilt: Das Verdienstkreuz am Bande von Heino Dieckmann gehört zu den untersten und am häufigsten verliehenen Stufen. Getragen wird es an der linken Brust. Foto: T. Meyer

TSV-Vorsitzender Stefan Allers lobte Dieckman bei der Verabschiedung 2024 für sein diplomatisches Geschick: „Mit seiner ruhigen Art kann er Meinungsverschiedenheiten meist im Keim ersticken.“ Ein Beispiel: Der erste Anlauf im Januar 2001, die Fußballabteilungen des TSV Mulsum und VfL Kutenholz zusammenzulegen, scheiterte. Dieckmann vermittelte zwischen den Fronten. Im zweiten Anlauf im März gründete sich der FC Mulsum/Kutenholz.

In der Mühle Anna Maria in Mulsum steckt Landrat Kai Seefried im Auftrag von Frank-Walter Steinmeier Heino Dieckmann das Bundesverdienstkreuz an.

In der Mühle Anna Maria in Mulsum steckt Landrat Kai Seefried im Auftrag von Frank-Walter Steinmeier Heino Dieckmann das Bundesverdienstkreuz an. Foto: Landkreis/Daniel Beneke (nomo)

Jahrelang war er Betreuer der Ersten Herren und erlebte 1992 mit dem Aufstieg in die Bezirksoberliga (heute Landesliga) den größten sportlichen Vereinserfolg. Nach seiner aktiven Fußballkarriere leitete er als Schiedsrichter Jugend- und Altseniorenspiele.

Über Dieckmanns „Leben für den TSV“ lassen sich vier Anekdoten erzählen.

1. Dieckmanns unfreiwilliger Positionswechsel: Vom gefürchteten Mittelstürmer zum Torwart

Mit 18 Jahren lief Dieckmann erstmals für die Erste Herren auf. „1974 oder 1975 war ich Torschützenkönig der Kreisliga - mit 43 Toren“, erzählt der langjährige Spielführer. „Dann habe ich mir das Knie verdreht.“ Mit 32 Jahren hörte er in der Ersten auf. Eine Operation sei nicht infrage gekommen, sein Vater habe ihn im Familienbetrieb gebraucht, den Dieckmann 1975 übernahm und bis heute führt. Doch die Hiobsbotschaft wendete sich noch zum Guten.

Gefürchteter Mittelstürmer: In den 1970ern zitterten die gegnerischen Torhüter in der Kreisliga, wenn Heino Dieckmann auf ihr Tor schoss.

Gefürchteter Mittelstürmer: In den 1970ern zitterten die gegnerischen Torhüter in der Kreisliga, wenn Heino Dieckmann auf ihr Tor schoss. Foto: TSV Mulsum (nomo)

Seine Karriere setzte er in der Altherren fort - ohne Operation, das Laufen wurde mit der Zeit besser. Das verdrehte Knie bedeutete für Dieckmann: von dem, der die Bälle so gerne reinschießt, zu dem, der sie halten soll. Die Aufgabe war ihm nicht fremd.

Während der Mittelschule in Bremervörde stand Dieckmann beim TSV Bremervörde im Handballtor. Handball war mit Fußball vereinbar, erklärt der 77-Jährige. Samstags parierte er für Bremervördes Jugend und sonntagsvormittags kickte er für Mulsums Jugend.

2009 wurde Ü40-Spieler Dieckmann Fußball-Hallenkreismeister und als bester Torwart ausgezeichnet - mit 60 Jahren. Tore schießen und verhindern: Beides beherrschte Dieckmann, doch „das Toreschießen war besser“, sagt er und grinst verschmitzt. Talent hatte er nicht nur auf dem Rasen.

2. Dieckmanns Talent neben dem Fußballplatz: Stimmungskanone mit Musik im Blut

Nicht viele kennen Dieckmann so gut wie Weggefährte Klaus Stamm. Er war eine „Stimmungskanone nach den Spielen und bei Mannschaftsfeiern“ sagte Stamm bei Dieckmanns Verabschiedung 2024. „Keiner konnte den Schlachtruf so anstimmen wie er: ibi cha-ibi cha-ibi chachacha-uh-mambo olé - fürchtet euch nicht!“

Und Dieckmann ergänzt im Büro: „Aber eines, aber eines bleibt bestehen: Der TSV Mulsum wird nie untergehen!“ Den TSV-Schlachtruf stimmte Dieckmann an, „wenn wir gewonnen hatten“. Danach leerten die Spieler einen Glasstiefel mit Bier und kehrten nach jedem Heimspiel ins Deutsche Haus ein.

Dieckmann (links) war für jede Gaudi im Dorf zu haben. Aus Chroniken des TSV geht hervor, dass er im Rahmen einer „Turnschau“ gegen Klaus Stamm (rechts) in einem freundschaftlichen Boxkampf die Fäuste fliegen ließ.

Dieckmann (links) war für jede Gaudi im Dorf zu haben. Aus Chroniken des TSV geht hervor, dass er im Rahmen einer „Turnschau“ gegen Klaus Stamm (rechts) in einem freundschaftlichen Boxkampf die Fäuste fliegen ließ. Foto: TSV Mulsum (nomo)

3. Dieckmanns Lieblingsverein: Er war der Jupp Heynckes von Mulsum

Einmal TSV, immer TSV. Aber Dieckmann hat eine zweite Liebe. Auf seinem Büroschreibtisch fällt ein Detail auf. Eine schwarz-weiße Raute mit einem B in der Mitte ziert seine Tischlampe. Dieckmann schwört Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein.

Heino Dieckmanns Ehrenurkunde soll einen besonderen Platz bekommen. Ein näherer Blick zeigt die Signatur von Frank-Walter Steinmeier.

Heino Dieckmanns Ehrenurkunde soll einen besonderen Platz bekommen. Ein näherer Blick zeigt die Signatur von Frank-Walter Steinmeier. Foto: T. Meyer

„Seit Heynckes, Netzer und Co bin ich Gladbach-Fan.“ Das Toreschießen hat er sich vom Rekordtorschützen von Borussia Mönchengladbach abgeschaut, 1973/74 war Jupp Heynckes zusammen mit Bayerns Gerd Müller Torschützenkönig der Bundesliga.

4. Dieckmann als treuer Fan: Eines bekommt er auf dem Sportplatz immer gratis

Mulsum kennt Dieckmann als „guten Esser“, so Stamm. „Die Bockwurst am Sportplatzkiosk ist lebenserhaltend.“ Bockwurst, Grünkohlessen oder Tortenbüfetts: Dieckmanns schlanke Figur wunderte Stamm.

Für 51 Jahre Engagement belohnt Andreas Block, 1. Vorsitzender des FC Mu/Ku, Dieckmann: „Immer wenn ich zum Sportplatz komme, darf ich eine Bratwurst kostenlos essen, solange mir die schmeckt“, sagt Dieckmann.

Der Stammgast verpasst so gut wie kein Heimspiel, vor allem nicht das nächste: „Wir haben ein gewaltiges Derby, und zwar gegen Deinste.“ Beim Kreisliga-Derby pflegt Heino Dieckmann wieder sein Sportplatzritual. Dem „guten Esser“ reicht eine Bratwurst nicht. Eine zweite bezahlt er gerne.

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