T„Wer kocht, putzt nicht“: Wie ein Stader Ehepaar sich die Arbeit teilt
Gerechte Arbeitsteilung bei Carsten und Britta Brokelmann: Sie kocht, er putzt und räumt die Küche auf. Foto: Richter
Die gerechte Arbeitsaufteilung ist rund um den Equal-Care-Day ein großes Thema. Doch wie sieht die Praxis aus? Britta und Carsten Brokelmann aus Stade gestatten Einblick.
Landkreis. Das Ideal klingt gut: Paare teilen sich alles so auf, dass am Ende niemand zu kurz kommt. Das Geldverdienen und die Rentenpunkte, die Pflege der Angehörigen und das nächtliche Aufstehen, wenn das Baby weint. Das Putzen, das Kochen, die Wäsche. Die Umsetzung ist oft aber nicht so einfach.
Ob sie jemanden kennt, der sich in der Praxis in die Karten gucken lassen würde? Stades Gleichstellungsbeauftragte Jacqueline Jugl antwortet prompt: „Fragen Sie doch mal Herrn Brokelmann. Der hat wegen der Kinder Teilzeit gemacht.“
Der Preis für eine aufgeräumte Küche
Die Rede ist von Stadtrat Carsten Brokelmann, der Nummer drei an der Spitze der Stader Stadtverwaltung. Er ist tatsächlich offen für eine Homestory - und seine Frau Britta auch.
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Zum Gespräch bitten die beiden in eine sympathisch unaufgeräumte Küche. Darauf angesprochen, geben sie schon den ersten Tipp: „Es gibt eine ganz wichtige Frage, die jeder für sich beantworten muss: Welchen Preis muss ich dafür zahlen und was ist mir das wert?“
Prioritäten setzen also. Britta Brokelmanns Laptop ist übrigens noch geöffnet. Sie ist Trainerin bei der sehr erfolgreichen Rollkunstlaufabteilung des VfL Stade und schreibt gerade Trainingspläne.
Zeit für Hobby und Ehrenamt
Der VfL - und nicht die Kinder - war für Britta und Carsten Brokelmann auch Grund für eine erste Phase der Teilzeitarbeit. 1994 - da waren sie noch gar kein Paar - war sie zwar nicht mehr als Rollkunstläuferin aktiv, aber als Trainerin. Ihr Job als Zahntechnikermeisterin fraß viel Zeit. Sie reduzierte auf eine Vier-Tage-Woche.
Carsten Brokelmann arbeitete beim Finanzamt, spielte intensiv Basketball und trainierte dazu vier Mannschaften. „Montags war immer alles durchgeschwitzt, da bot es sich an, frei und an dem Tag die Wäsche zu machen“, sagt er. Self-Care ist eben auch wichtig.
Wie Teilzeit in Führungsposition geht
Er machte von seinem Recht auf Teilzeit Gebrauch. Im Finanzamt war das selbstverständlich: „Auch in Führungspositionen.“ In der Stader Stadtverwaltung dagegen gab es über Führung in Teilzeit sogar in jüngster Zeit noch Diskussionen. Brokelmann brachte Erfahrung ein: Der Zuschnitt des zu leitenden Bereichs kann zum Beispiel geändert und an die Teilzeit angepasst werden.
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1997 kamen Britta und Carsten Brokelmann zusammen und heirateten 1998. 1999 kam der erste Sohn zur Welt, 22 Monate später der zweite. Das läutete erneut eine Phase der Teilzeitarbeit ein. Besser gesagt: der Teilzeit-Erwerbsarbeit. Denn Arbeit hatten sie mit zwei kleinen Kindern genug.
„Karsten schläft nicht, der wacht. Und ich habe einen gesegneten Schlaf“, sagt Britta Brokelmann. Also war klar, wer nachts aufstand. Zwischen dem ersten und dem zweiten Kind ging Britta Brokelmann außerdem wieder arbeiten - in Teilzeit. Als Zahntechnikermeisterin verdiente sie gut. Ein Argument war auch die Familienversicherung: Brokelmann ist als Beamter privat versichert.
Papa will auch etwas von den Kindern haben
Also arbeiteten beide in Teilzeit, Oma und Opa übernahmen den Rest. So kamen sie ohne Krippe klar. Sie wissen, dass nicht jeder diese Möglichkeit hat und sind dankbar dafür: „Besonders für meinen Vater war das toll. Der hat früher klassisch den ganzen Tag gearbeitet und von uns Kindern wenig gehabt“, sagt Carsten Brokelmann.
Er wollte es anders machen: „Mein Gedanke war nicht: Wie unterstütze ich meine Frau? Ich habe wegen der Kinder Teilzeit gemacht.“ Aber wer hat Putzen, Kochen und Wäsche übernommen? „Beim Kochen will keiner, dass ich das tue“, sagt Carsten Brokelmann. Aber wer kocht, muss nicht aufräumen - das sei eiserne Regel.
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Der einzige Bereich, wo es manchmal Reibung gab, war der Sport, sagen sie: Brokelmann blieb weiter Basketball-Trainer, und auch seine Frau machte weiter: „Wenn Britta am Wochenende als Trainerin unterwegs war, habe ich zwischendurch das Baby zum Stillen angereicht.“
Die Nase voll von Nächten im Labor
Nach dem zweiten Kind wollte Britta Brokelmann aber nicht so schnell wieder arbeiten. Beim Zahntechniker hatte sie manchmal nachts im Labor gesessen. Nach 20 Jahren hatte sie davon genug: „Der Beruf ist toll, aber die Arbeitsbedingungen sind wie aus dem 18. Jahrhundert.“
Als beide Kinder in der Kita waren, suchte sie sich eine andere Stelle - als pädagogische Mitarbeiterin an einer Grundschule. Dort arbeitet sie bis heute. Der Sport spielt weiter eine Hauptrolle, einige Jahre sogar für die ganze Familie: Sohn Marc wurde nämlich ein sehr erfolgreicher Rollkunstläufer - und alle reisten mit zu den Wettbewerben, national und international.
Und was ist mit Verdienst und Rente? „Meins ist meins, und was er verdient, auch“, erklärt Britta Brokelmann und lacht. Spaß beiseite: Beiden ist bewusst, dass es riskant sein kann, wenn ein Partner aus dem Beruf aussteigt, um sich der Familie zu widmen. Es gibt zwar den Versorgungsausgleich, doch mit Mitte vierzig nach vielen Jahren Pause beruflich Anschluss zu suchen, kann schwierig werden, wissen Britta und Carsten Brokelmann: „Aber wir sind da ja inzwischen safe.“
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