TWie Schmetterlingsraupen den richtigen Weg zum Überleben finden
Graselefant, Grasglucke oder Trinkerin - der Nachtfalter hat viele Namen und die Raupe punktet mit ihrem Anblick. Foto: Kurtze
Raupen schlüpfen aus Schmetterlingseiern: Wahre Fressmaschinen, die sich von Pflanzen ernähren, bis sie zur Puppe erstarren. Die Raupe des Graselefanten lockt mit ihrer Färbung.
Landkreis. Im Gegensatz zu einigen Faltern sind die meisten Raupen keine Schönheiten. Sie wirken auf uns oft merkwürdig unförmig, furchterregend, ekelig oder auch unscheinbar. Manche Raupen jedoch sind auffallend bunt gefärbt. Laden sie zum Fressen ein oder warnen sie den Fressfeind? Sicher ist: Raupen müssen Wege zum Überleben finden.
Der Bau von Raupen ist grundsätzlich gleich: Vorn am Kopf sitzen sechs Punktaugen. Kräftige Zangen dienen zum Abbeißen von Laub. Raupen, die im Verlauf des Sommers ihre Entwicklung abschließen, müssen besonders schnell fressen. Zügig wird die Nahrung in den riesigen Darmschlauch geschoben. In ihm arbeiten stetig Enzyme. Sie zersetzen die aufgenommene Zellulose.
Meistens sind Raupen Feinschmecker und benötigen Spezialkost. Die Raupen des Tagpfauenauges oder des Admirals zum Beispiel fressen nur Brennnesseln. Die Raupen vom Großen Kohlweißling nur Blätter, in denen sich Senföle befinden.
Viele Raupen fressen in der Deckung der Nacht
Gern verstecken sich manche Raupen tagsüber im Boden und fressen in der Nacht: Dann können sie von Feinden schlecht gesehen werden. Tarnfarben sind ebenfalls ein guter Schutz, wie Grün, Grau oder Braun. Erfolgreich tarnen sich Raupen, die einem dunkelbraunen, vertrockneten Blatt oder einem grüngrauen Stöckchen ähneln.
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Zur Tarnung scheint vieles möglich zu sein: Es gibt auch Raupen, die in Form und Färbung einem Vogelschiss gleichen. Die Raupen einiger Schmetterlinge verändern nach jeder Häutung ihre Färbung. Zeitgleich ändert sich ihre Nahrung. Der Vorteil des neuen Kleides: Farbliche Anpassung an den jeweiligen Untergrund.
Eine Besonderheit sind Raupen, die Feinde in der Gemeinschaft abwehren. Prozessionsspinner machen es so. Sie marschieren vor der Verpuppung in großen Bögen hintereinander her. Etwa so wie sich eine dünne Schlange bewegt. Für den Fressfeind ist die einzelne Raupe schwer auszumachen, er schreckt zurück.
Zur Abwehr wirkt auch ein dichter Haarpelz ausgezeichnet. Dünne Härchen brechen leicht ab, können sogar giftig sein und dem Fressfeind schaden.
Bunte Raupen werden wegen ihres Geschmacks gemieden
Ganz anders gehen Raupen vor, die auffällig bunt gefärbt und gemustert sind: Oft leben und fressen solche Raupen in Gruppen. Sie sind für Vögel ein echter Hingucker. Doch sie schmecken grässlich, bewirken sogar unmittelbar nach dem Fressen Übelkeit. Solch eine Raupe frisst der Vogel nicht wieder, und er merkt sich deren Aussehen.
Der Verlust der einzelnen Raupe ist also ein Gewinn für die Gruppe insgesamt. Die bunten Raupen vom Schwalbenschwanz sind wahre Stinker. Werden sie berührt, versprühen sie ein widerliches Parfüm. Trotz der vielen Methoden von Abwehr und Tarnung: Genauso geschickt und ausgefeilt sind die Methoden ihrer vielen Feinde.
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Raupenfliegen oder Schlupfwespen zum Beispiel entdecken viele Raupen und legen ihre Eier am und im Körper der Raupe ab. Die Raupe frisst dennoch weiter. Sie dient der Fliegen- und Wespenlarve als frischer Fleischvorrat. Doch irgendwann stirbt die Raupe. Zeitgleich und perfekt ist dann auch die Entwicklung der Larve beendet.
Fast alle Wege sind im Verlauf der Evolution ausprobiert worden. Wer dabei als Raupe beim großen Fressen nicht gut angepasst ist, der verliert. Die Verluste unter den Raupen sind dennoch hoch: Von 100 Raupen schafft es oft nur eine einzige bis zum Falter.
Der Autor, die Serie, das Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur.
Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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