TWie rücksichtslos sind E-Scooter-Fahrer? Ein Check in Stade und Buxtehude
Das ist dreifach verboten. Die beiden Mädchen fahren zu zweit auf einem Roller, sind auf der falschen Straßenseite als Geisterfahrerinnen unterwegs und benutzen den Fußweg statt des Radwegs. Foto: Stehr
E-Scooter-Fahrer rasen rücksichtslos durch die Stadt und halten sich an keine Verkehrsregel. Stimmt das wirklich? Zwei TAGEBLATT-Reporter haben sich umgesehen.
Stade, Buxtehude. E-Scooter-Fahrer haben einen schlechten Ruf. Vor allem Jugendliche stehen unter Generalverdacht, oft skrupellos auf den wendigen Tretrollern mit Elektroantrieb durch die Gegend zu düsen. Tatsächlich passieren beinahe täglich E-Scooter-Unfälle. Allein im Juni 2026 gab es bereits mehrere schwere Unfälle. Anstatt aber immer nur über die zu berichten, haben sich zwei TAGEBLATT-Reporter dem Thema einmal anders genähert.
Wie rücksichtslos sind die E-Scooter-Fahrer?
Nach Schulschluss in der Mittagszeit achtete Thomas Sulzyc eine Stunde lang rund um die Halepaghen-Schule in Buxtehude und in der Bahnhofstraße auf E-Scooter-Fahrer. Zur gleichen Zeit war Lena Stehr - gemeinsam mit einer Praktikantin - im Stader Innenstadtbereich unterwegs und hielt Ausschau nach E-Scooter-Fahrern. Hier sind die Ergebnisse dieser kurzen Momentaufnahme.
Stade: Kurz nach Schulschluss am kleinen Weg über die Schwinge zwischen Stadeum und Schiffertorskreisel. Die Hoffnung, jetzt nochmal die zwei Mädels zu sehen, die morgens einen riesigen Schwimmtier-Flamingo zu zweit auf dem E-Scooter transportierten, erfüllt sich leider nicht. Stattdessen fährt ein Mädchen langsam über die Holzbrücke. Sie steigt ab, um an einer Gruppe Fußgänger vorbeizuschieben. Vorbildlich.

Dieser E-Scooter-Fahrer missachtet auf der Bahnhofstraße in Buxtehude das Rechtsfahrgebot. Das kann ihn 55 Euro Bußgeld kosten. Foto: Sulzyc
Buxtehude: Wenig Verkehr herrscht in der Konopkastraße nahe dem Halepaghen-Gymnasium. Ein männlicher Erwachsener fällt auf dem E-Scooter auf: Der Mann nutzt den Radweg (korrekt) - aber auf der falschen Straßenseite. 55 Euro Bußgeld kann das kosten. Rabiat ist er nicht unterwegs: An der Kreuzung zur Poststraße bremst er ab, achtet auf Fußgänger und Autofahrer. Jungen und Mädchen befahren mit E-Scootern die Konopkastraße. Manchmal auf der richtigen Straßenseite - und manchmal nicht.

Nach Schulschluss fahren in Stade viele Jugendliche mit E-Rollern von der Schule in Richtung Innenstadt. Häufig sind sie zu zweit auf einem Scooter unterwegs. Foto: Stehr
Stade: Ein Junge fährt langsam auf seinem E-Scooter neben einem Freund her, der zu Fuß geht. Plötzlich gibt es ein lautes Platsch-Geräusch. Zwei ältere Stand-up-Paddler sind beim Versuch, am Stadeum-Steg anzulegen, ins Wasser gefallen. Ein Junge auf einem E-Scooter nimmt davon keine Notiz. Er kreuzt von rechts kommend den Weg und blickt stur gerade aus. Nur knapp verfehlt er einen Radfahrer. Kurz darauf sausen fünf Jungs auf drei E-Scootern in Richtung Kreisel.
Verboten und gefährlich: die Scooter-Pärchen
Exkurs Verkehrswacht: Zu zweit auf einem E-Scooter zu fahren, ist übrigens verboten und obendrein sehr gefährlich, betont Gerhard Timm von der Stader Verkehrswacht. „Vielen ist nicht bewusst, dass sich der Bremsweg verlängert und dass die Sturzgefahr in Kurven sehr hoch ist“, sagt er.
Stade: Ein junger Mann am Schiffertorskreisel nutzt einen E-Scooter, um eine große Holzkiste zu transportieren. Drei jüngere Männer fahren auf der linken Straßenseite.
Buxtehude: Wer E-Scooter-Fahrer beobachten möchte, ist in der Bahnhofstraße richtig. Die Frequenz ist hier hoch. Die Erwartung, wie oft am frühen Abend junge Leute zu zweit oder übermütig in Schlangenlinien fahren zu sehen, erfüllt sich in 30 Minuten am Vormittag jedoch nicht. Zwei Mädchen fahren gemeinsam auf einem Scooter - sie riskieren seit diesem Jahr 25 Euro Bußgeld. Jugendliche und Erwachsene nutzen E-Scooter - mal auf er richtigen, mal auf der falschen Straßenseite. Ihr Fahrstil wirkt stabil, die Hände am Lenkrad, keine Sperenzien.

Der elektrisch betriebene Roller hat sich als Verkehrsmittel etabliert und ist auch bei Erwachsenen beliebt: Auf dem Bild in der Bahnhofstraße in Buxtehude ist offenbar ein Handwerker damit unterwegs. Foto: Sulzyc
Exkurs Verkehrswacht: Auch für E-Scooter-Fahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Fußwege sind für E-Scooter tabu. Sie dürfen nur auf dem Radweg oder - wenn kein Radweg da ist - auf der Straße fahren. Eine Helmpflicht gibt es nicht. „Wir empfehlen aber dringend, einen Helm zu tragen“, sagt Gerhard Timm.
Stade: Leben am Limit: Mehrere Mädchen und Jungen sausen in der Glückstädter Straße - teilweise zu zweit auf einem Scooter - durch Fußgängergruppen. Am Bahnhof fährt ein Junge zügig über einen Zebrastreifen. Ein Mädchen ebenfalls. Dann ändert sie plötzlich die Richtung und stößt fast mit einer Fußgängerin zusammen.
Fast 100 E-Scooter: Fazit der Momentaufnahme
E-Scooter haben sich als Verkehrsmittel etabliert. In Stade wurden innerhalb einer Stunde 31 Jungs und 32 Mädchen sowie neun Männer und eine Frau auf E-Scootern gezählt. 16 Mal waren Jugendliche zu zweit auf einem E-Scooter unterwegs. Die Jungs fuhren meistens schneller als die Mädchen. Niemand trug einen Helm. Ähnlich wie viele Radfahrer nehmen auch E-Scooter gern den kürzesten Weg und halten sich nicht immer ans Rechtsfahrgebot.
E-Scooter: Neue Regeln kommen – Höhere Bußgelder
T Polizei in Buxtehude kontrolliert E-Scooter - das steckt dahinter
In Buxtehude waren innerhalb von 30 Minuten in der Konopkastraße 11 E-Scooter-Fahrer unterwegs, fünf männliche und eine weibliche Jugendliche sowie fünf männliche Erwachsene. In der Bahnhofstraße wurden innerhalb 30 Minuten 14 Scooter-Fahrer gezählt: 7 Männer, 2 Frauen, 2 weibliche Jugendliche und 3 männliche Jugendliche. Ob Scooter manipuliert und schneller als die vom Werk eingestellten 20 km/h waren, lässt sich mit bloßem Blick nicht sagen.
Obwohl wir keine Unfälle beobachtet haben, täte so manchem E-Scooter-Fahrer ein Sicherheitstraining auf alle Fälle gut. Die Stader Verkehrswacht bietet das kostenlos für Schulen an. Nähere Informationen gibt es per Mail an verkehrswacht-stade@freenet.de
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