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Naturschutz

TWirbel um gefällte Bäume im Allwördener Außendeich: Warum dieser Kahlschlag?

Im Allwördener Außendeich wurden im großen Umfang Weiden gefällt.

Im Allwördener Außendeich wurden im großen Umfang Weiden gefällt. Foto: Helfferich

Alarm in Hamelwörden: Im Allwördener Außendeich wurde eine Vielzahl von Weiden gefällt. Doch diese Fällungen dienen dem Naturschutz. Das ist die Erklärung.

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Von Susanne Helfferich
Mittwoch, 28.01.2026, 05:50 Uhr

Trifft es zu, dass der NLWKN diese Fällungen angeordnet hat?

Der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) hat die genannten Gehölzentfernungsarbeiten geplant und in Auftrag gegeben, teilt er auf TAGEBLATT-Anfrage mit.

Die Naturschutzmaßnahme wird dabei in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, angesiedelt beim Landkreis Stade, und dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee als Flächeneigentümer durchgeführt.

Welchen Hintergrund haben die Arbeiten?

Die Arbeiten sollen die Lebensräume für Wiesenbrüter wie Kiebitz und Uferschnepfe im EU-Vogelschutzgebiet Unterelbe weiter verbessern. Das Gebiet ist ein wichtiger Raum für Wiesenlimikolen in Niedersachsen - also für spezialisierte, stark gefährdete Watvögel, die nasse Grünlandgebiete zur Brut benötigen.

Kiebitz.

Kiebitz. Foto: Heinze

Niedersachsen trägt eine besondere Verantwortung für den Schutz von Wiesenvögeln, da hier ein sehr hoher Anteil der gefährdeten Arten wie Uferschnepfe, Kiebitz, Rotschenkel und Bekassine in Deutschland brüten.

Welchen Vorteil haben die Vögel von diesen Arbeiten?

Neben extensivem, blütenreichem Grünland sowie ausreichend Wasser und Nahrung ist unter anderem ein weiter Blick elementar, um günstige Bedingungen für Wiesenvögel zu schaffen. Die Bodenbrüter müssen vom Nest aus erkennen können, ob sich ein Raubtier, etwa ein Greifvogel, ein Wiesel oder ein Fuchs nähert.

Rotschenkel.

Rotschenkel. Foto: Heinze

Nur so können sie rechtzeitig reagieren und sich selbst in Sicherheit bringen. Entsprechend meiden Wiesenvogelarten Gehölze, die Prädatoren (Räuber) begünstigen. Die Offenheit der Fläche ist ein wichtiges Erfolgskriterium.

Warum sollen in Allwörden keine Bäume stehen?

Vor der Eindeichung in den 1970er Jahren war das Gebiet entlang der Elbe baumfrei. Regelmäßige Überflutungen, Sturmfluten und Eisgang im Winter verhinderten, dass Bäume hier wachsen konnten. Diese natürliche Dynamik gibt es im Gebiet heute nicht mehr, und die Landschaft hat sich langsam gewandelt. Mehr und mehr Gebüsche und Bäume wachsen nun dort. Der für die Küste so typische Weitblick, den die Wiesenvögel an der Unterelbe brauchen, geht verloren.

Die Naturschutzflächen in Allwörden sind ein Hotspot für Wiesenvögel und zeigen bereits in den letzten Jahren - durchaus gegen einen allgemeinen Trend in Westeuropa - einen Positivtrend in der Bestandsentwicklung. Die jetzt angeschobenen Naturschutzmaßnahmen sind ein nächster Schlüsselschritt zur Verbesserung der Bedingungen für die gefährdeten Wiesenvogelarten.

Gibt es einen Ausgleich für die gefällten Weiden?

Da die angesprochene Maßnahme eine mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmte, naturschutzfachliche Aufwertung der Fläche für die Wiesenvögel darstellt, bedarf es an dieser Stelle keines naturschutzfachlichen Ausgleichs.

Welche Rolle spielt dabei der Seeadler?

Für das betroffene Gebiet im Allwördener Außendeich liegt eine vollständige und aktuelle Brutvogelerfassung aus dem Jahr 2025 vor. Der Seeadler wurde dort, wie auch in den vorherigen Jahren, nicht als Brutvogel festgestellt. Seeadler konnten in den genannten Bereichen zwar beobachtet werden, es handelt sich aber entsprechend nicht um einen Brutplatz.

Nach Auskunft des Landkreises wurden die Bäume vor der Fällung artenschutzrechtlich überprüft. Es brüteten ausschließlich Krähen in den Bäumen, die die Jungvögel der Wiesenbrüter fressen. Somit ist die Fällung der Bäume auch vor diesem Hintergrund eine zusätzliche Artenschutzmaßnahme zur Entwicklung der Wiesenbrüterbestände.

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