TWohnen in historischem Gut: Familie saniert ihr Traumhaus
Stefan und Christiane Pauling sind die neuen Besitzer des historischen Guts Osterhausen. Durch eine umfangreiche Sanierung wollen sie das denkmalgeschützte Anwesen aus dem Dornröschenschlaf holen. Foto: Vogt
Familie Pauling hat ein denkmalgeschütztes Anwesen gekauft. Derzeit laufen umfangreiche Sanierungsarbeiten. Im Obergeschoss entstehen drei Ferienwohnungen, im Untergeschoss möchte die Familie selbst einziehen.
Butjadingen. Manche Menschen finden über die Kleinanzeigen im Internet ihr neues Fahrrad, einen Hund oder gebrauchtes Spielzeug für die Kinder. Und manche finden dort ihr neues Leben: das Traumhaus, nach dem man immer gesucht hat. Das historische Gutshaus mit Charme inmitten von alten Eichen und Kastanien, das im Dornröschenschlaf versunken ist und darauf wartet, mit viel Liebe und Herzblut wieder zum Leben erweckt zu werden.
Bei Stefan und Christiane Pauling war es Liebe auf den ersten Blick, als sie das Gut Osterhausen bei Iffens am südlichen Rand der Halbinsel Butjadingen zum ersten Mal betreten haben. Schon nach einer Viertelstunde wussten sie: das oder keines. „Es hat genau in unser Anforderungsprofil gepasst“, sagt Stefan Pauling,
„Alleinlage, ein bisschen Grundstück, und einen Altbau haben wir auch gesucht.“ Bekommen haben sie - eher untypisch für die Wesermarsch - ein historisches Hallenhaus mit 600 Quadratmeter Fläche im Wohnteil, dazu noch einen großzügigen Wirtschaftsteil und 15.000 Quadratmeter Grundstück. Ursprünglicher Besitzer der Hofstelle war der Großherzog von Oldenburg, der sie zur Pferdezucht an die Familie Janßen verpachtet hatte. Erbaut wurde das heutige Anwesen in den Jahren 1864 und 1865 von Syasse Janßen.
Die nackten Zahlen beschreiben aber nicht annähernd, auf welches Abenteuer sich Christiane und Stefan Pauling eingelassen haben. Die wahre Dimension wird deutlich, sobald man durch die Seitentür des Anwesens in die Diele des Gebäudes tritt: 3,60 Meter hohe Decken erwarten den Besucher.
Links und rechts sind antike Säulen auf die Wand gemalt, und die zweiflügelige Zwischentür, die rechts in den Wohnteil führt, bezaubert mit geschwungenen Ornamenten. Nicht zu übersehen ist jedoch auch, in welchem Zustand sich die Gutsanlage befindet: Die Farbe blättert von den Wänden, die Holztüren haben ihren letzten Anstrich vor Jahrzehnten erhalten, über allem liegt zentimeterdicker Staub.
Die Umbauarbeiten sind bereits im Gange, das zeigt ein Blick in den Wirtschaftsteil des Hauses, der links von der Diele abgeht. Hier war früher der Kuhstall des Guts untergebracht. Über eine Behelfstreppe geht es hinauf auf den ehemaligen Heuboden und von dort ins Obergeschoss des Wohntraktes. Seit März entstehen hier in Leichtbauweise drei Ferienwohnungen, die bereits im Herbst bezugsfertig sein sollen.
Auch im Erdgeschoss zeugen Staub und abgetragene Wandfarbe davon, dass die Sanierung im Gange ist. Noch ist allerdings wenig davon zu sehen, dass hier einmal das Zuhause von Stefan und Christiane Pauling sein wird. „Wir wollen im Herbst zwei, drei Zimmer bewohnbar machen und uns dann Stück für Stück vorarbeiten“, so lautet zumindest ihr Plan.
Familie Pauling liebt an Butjadingen die Ruhe und das Meer
Ursprünglich stammt das Ehepaar aus dem sachsen-anhaltinischen Bernburg, wo sie als Versicherungskaufleute eine Allianz-Vertretung führen. Butjadingen haben sie vor sechs Jahren für sich entdeckt, als sie eine Ferienimmobilie an der Nordsee gesucht haben und in Tossens fündig geworden sind. „Es ist für uns immer entspannt gewesen, hier herzufahren“, sagt Stefan Pauling.
„Hier ist es viel ruhiger. Und wir lieben das Meer. Auch unsere Töchter sind sehr naturverbunden.“ Mit dem Kauf von Gut Osterhausen haben sie in der alten Heimat die Zelte abgebrochen und sind dauerhaft ins Ferienhaus eingezogen. Die Arbeit erledigen sie seitdem zu einem großen Teil im Homeoffice. Ihre 20-jährige Tochter studiert mittlerweile Biologie in Bremen; ihre 16-jährige Schwester ist mit nach Butjadingen gezogen und besucht hier die Zinzendorfschule.

Im Wohnteil sind noch etliche historische Bauteile erhalten, wie dieser Spülstein in der ehemaligen Küche. Foto: Vogt
Auch wenn sie von Anfang an eine konkrete Vorstellung davon hatten, wie ihr künftiges Leben in Gut Osterhausen aussehen wird - der Weg dahin ist für Familie Pauling mühsam. Seit September letzten Jahres verbringen sie jedes Wochenende auf der Baustelle. So viel wie möglich soll in Eigenleistung erbracht werden - mangels handwerklicher Ausbildung sind das in erster Linie die Abbruch- und Aufräumarbeiten.
„Man lernt zwar viel, aber zu einem großen Teil können wir das gar nicht selbst machen“, sagt Stefan Pauling. „Bei vielen Arbeiten findet man schon kaum Firmen, die sich das zutrauen.“ Das betrifft etwa die Sanierung der historischen Bauteile wie Fenster oder Türen, aber auch den Umgang mit den Wandmalereien, die sich überall im Wohngebäude befinden. Eingebunden werden muss auch der Denkmalschutz.
„Maike Knöppler von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis, aber auch die Mitarbeiter im Bauamt sind uns sehr wohlgesonnen“, sagt Stefan Pauling. „Sie sind froh, dass sich jemand des Gebäudes annimmt und es erhalten will.“

Im Wohnteil des Guts sind an vielen Stellen noch Reste von alten Wandmalereien erhalten, wie hier im ehemaligen Blumenzimmer - einer Art Orangerie. Foto: Vogt
Auch finanzielle Unterstützung kann dadurch eingeworben werden: Mit 50.000 Euro fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beispielsweise die Sanierung der Fenster und Türen im Untergeschoss. Da die verschiedenen Bewohner des Hauses im Laufe der Jahrzehnte das Anwesen immer wieder renoviert und umgestaltet haben, ist der Urzustand vieler Details oft gar nicht so einfach zu rekonstruieren.
Silja Wessels und Susanne Kuchnia vom Architekturbüro Wessels aus Nordenham, bei dem die Planung und Bauleitung liegt, haben Reproduktionen historischer Fotos aufgetan und sogar mit Nachbarn und ehemaligen Bewohnern des Hauses gesprochen, um an Informationen darüber zu kommen. Gemeinsam mit den Bauherren überlegen sie jetzt, wie man dem Original mit modernen Materialien möglichst nahekommen kann.
Gleichzeitig wollen Stefan und Christane Pauling den Altbau bei der Sanierung auch energetisch auf einen möglichst modernen Stand bringen. Für die Wärmeversorgung setzen sie auf eine Holzpellet-Heizung, die von einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Wirtschaftsteils unterstützt wird.
Im Wohnteil sind zusätzlich drei Kaminöfen geplant. Eine Fußbodenheizung wird im Flur, in der Küche und im Badezimmer verlegt. Das Wohnzimmer erhält eine Wandheizung, weil hier die historischen Dielenbretter aus dem Dachgeschoss eingebaut werden sollen, die sich mit einer Fußbodenheizung nicht vertragen würden.
Hat das Ehepaar seine Entscheidung, das Gut Osterhausen zu kaufen, in den vergangenen Monaten schon einmal bereut? Auf diese Frage hin kann sich Stefan Pauling ein Lächeln nicht verkneifen. „Man muss sich jeden Tag wieder neu motivieren“, gibt er zu. Und seine Frau ergänzt: „Wir reißen nicht mehr ab, wir bauen auf. Man sieht jetzt schon viel, was sich verändert.“
Beide haben bereits künftige Lieblingsplätze vor Augen. Für Christiane Pauling ist es der Wintergarten, der im Moment noch zugig und halb verfallen vor sich hin träumt. „In dem Zimmer davor möchten wir eine Bibliothek einrichten. Da kann ich mir gut vorstellen, morgens eine Tasse Tee zu trinken und in den Garten zu schauen.“
Stefan Pauling findet den Blick besonders reizvoll, den man oben vom ehemaligen Heuboden über den Wirtschaftsteil des Gebäudes hat. „Durch die Fenster kann man abends die Sonne untergehen sehen“, schwärmt er. „Und die Akustik ist wunderbar. Das wäre ein fantastischer Raum für Konzerte.“
Teilnahme am „Tag des offenen Denkmals“ ist geplant
Die Familie kann sich gut vorstellen, das Gut Osterhausen zumindest teilweise auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Teilnahme am „Tag des offenen Denkmals“ im Herbst ist bereits fest eingeplant, und durch die Feriengäste werden ohnehin dauerhaft Besucher ins Gebäude kommen. „Das Objekt gehört uns zwar“, sagen Stefan und Christiane Pauling. „Aber es wäre viel zu schade, hier die Türen zuzumachen.“