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Fußball-Kreisliga

TZurück im Wohnzimmer - doch die SG Lühe verliert bei ersehnter Rückkehr

Kapitän Simon Böse (rechts) und seine SG Lühe verloren ihr Heimspiel gegen Bliedersdorf.

Kapitän Simon Böse (rechts) und seine SG Lühe verloren ihr Heimspiel gegen Bliedersdorf. Foto: Struwe

Nach fast zwei Jahren darf die SG Lühe wieder ein Heimspiel bestreiten. Der Nachbarschaftsstreit gärt aber noch. Und sportlich hätte es auch besser laufen können.

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Von Jan Bröhan
Montag, 23.03.2026, 08:58 Uhr

Steinkirchen. Die SG Lühe, noch im Aufstiegsrennen der Kreisliga Stade, empfängt den FSV Bliedersdorf/Nottensdorf, der mit Blick ans Tabellenende gern jeden Punkt mitnimmt.

Nach fast zwei Jahren darf die SG Lühe aufgrund eines anhaltenden Rechtsstreits mit einem Nachbarn erstmals wieder ein echtes Heimspiel auf ihrem Sportplatz in Steinkirchen bestreiten. Unter Auflagen.

Die SG braucht mehr Manpower als gewohnt

Der Gastgeber muss die Parkplatzvorgaben steuern. 200 Zuschauer sind maximal zugelassen. Keine Musik und Durchsagen. Die Bande wurde verstärkt, um eventuellen Lärm durch klopfende Fans zu dämmen.

Heiko Seifert hilft gern.

Heiko Seifert hilft gern. Foto: Bröhan

Heiko Seifert steht mit gelber Weste und SG Lühe-Cap auf dem Parkplatz an der Sporthalle. Es sind noch genügend Parkplätze zu vergeben. Er winkt ankommenden Autos entgegen, will sie lotsen. Eine bekannte Anwohnerin kommt mit dem Fahrrad vorbeigefahren und klatscht mit ihm ab. „Schön, dass du das machst“, sagt sie und meint den Ordnerdienst.

Seifert macht das gern. „Bescheiden schön“, nennt er die derzeitige Situation der SG Lühe. Die Fußballer freuen sich einerseits, vorerst wieder in ihr „Wohnzimmer“ zu dürfen. „Aber wir müssen hoffen, dass es auch so weiter geht“, sagt Seifert.

Der Hintergrund der derzeitigen SG-Situation

Der Sportplatz war 1989 nur für Schulsport genehmigt worden. 2021 klagte dann ein Nachbar. Vornehmlich geht es um Lärmbelästigung. Die fehlerhafte Baugenehmigung wurde 2024 vom Verwaltungsgericht Stade bestätigt und der Vereinssport mit Ligabetrieb als rechtswidrig anerkannt. Ende 2025 besserten die Samtgemeinde Lühe und der Landkreis Stade nach und genehmigten die notwendige Baugenehmigung.

Der Nachbar hat aber schon wieder Einspruch eingelegt. „Das ist noch nicht vom Tisch“, sagt Obmann Dieter Junge. Er ist sich sicher, dass der Nachbar das jetzige Heimspiel genau beobachten und an einer Mängelliste arbeiten wird.

Die Mannschaft trotzt den Widrigkeiten

In die Saison 2024/25 war die SG Lühe mit einem Geisterspiel ohne zugelassene Zuschauer gestartet, es war das Erstrundenspiel im Kreispokal. Seitdem durften die Altländer aufgrund des Rechtsstreits um den Sportplatz Striep nicht mehr in ihrem Wohnzimmer spielen.

Der Aufsteiger spielte die komplette Hinrunde auswärts. Danach wich die SG auf den Platz in Hollern aus. Wie Heimspiele fühlte es sich für sie nicht an. „Wir hatten kein richtiges Vereinsleben mehr“, sagt Obmann Junge. Es sei wichtig, dass sie nun wieder ihr Vereinsheim an der Sporthalle hätten.

Was Junge positiv gestimmt hat, ist, dass die erste Mannschaft nicht auseinander gebrochen ist. Sie hatte trotz aller Widrigkeiten Erfolg, wurde als Aufsteiger Dritter und ist amtierender Kreispokalsieger. Junge nennt Spieler Lars Neufang als Beispiel, der wechselte 2024 zur SG Lühe.

Lars Neufang (links) spielte erstmals vor Zuschauern mit der SG Lühe auf dem eigentlichen Heimspiel-Sportplatz.

Lars Neufang (links) spielte erstmals vor Zuschauern mit der SG Lühe auf dem eigentlichen Heimspiel-Sportplatz. Foto: Struwe

„Er erzählt gern, dass wir ihn auch mit unserer guten Stimmung bei Heimspielen gelockt hätten - und er habe jetzt noch kein einziges gemacht“, erzählt Junge vor diesem Spiel, das eine Art Debüt für Neufang war.

Zuschauer werden selektiert, Wurstbude bleibt dicht

Thorsten Hermann macht die Kasse vor dem Vereinsheim. 200 dürfen kommen und nur 150 dürfen an der Bande stehen. „Das ist total nervig“, sagt Hermann in der Pause, 25 zahlende Zuschauer habe er pi mal Daumen auf die andere, weitläufige Seite geschickt.

Kassierer Thorsten Hermann ist genervt von den Auflagen.

Kassierer Thorsten Hermann ist genervt von den Auflagen. Foto: Bröhan

„Die müssen sich hier die Wurst und das Getränk kaufen und dann dahin wandern“, so Hermann. In Hollern wäre keine Atmosphäre gewesen, im Schnitt seien auch nur 50 Fans gekommen, erzählt Hermann. „Und es ist ja auch noch kein Ende in Sicht - da kommt noch was“, sagt Hermann bezüglich des Einspruchs. Die Bedingungen seien schwierig. Unter anderem hat die SG Lühe auch Zeitfenster bei so einem Doppelspieltag einzuhalten.

Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke (Mitte) unterstützt die SG Lühe im Rechtsstreit und stand am Grill. Die Wurstbude darf nicht geöffnet werden.

Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke (Mitte) unterstützt die SG Lühe im Rechtsstreit und stand am Grill. Die Wurstbude darf nicht geöffnet werden. Foto: Struwe

Die Wurstbude ist auch nicht rechtens, bleibt dicht. Gegrillt wird dicht am Vereinsheim. Hinter dem Grill steht Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke. Ein Zuschauer macht sich Ketchup auf die Wurstpappe und kommentiert: „Hier sind ja so viele Ordner, als wäre es ein Bundesligaspiel.“ Gerke spielt auf die Auflagen an: „Ja, das ist ja auch ein Hochsicherheitsspiel hier.“

Die Niederlage der SG Lühe ist schnell erzählt

Beide Mannschaften sind personell gebeutelt. In der ersten Halbzeit sind Höhepunkte Mangelware. Lühe ist die agilere Mannschaft. Lars Neufang und Simon Böse lassen per Kopf gute Möglichkeiten liegen

Rückkehr unter Auflagen: 150 Zuschauer sind derzeit maximal an der Bande erlaubt.

Rückkehr unter Auflagen: 150 Zuschauer sind derzeit maximal an der Bande erlaubt. Foto: Struwe

Und der Geräuschpegel? Die Zuschauer halten sich vornehm zurück, werden aber auch nicht mitgenommen. Auf dem Platz sind die typischen Anfeuerungen und Aufreger zu hören. Alles im Rahmen.

Kurz vor der Pause sieht FSV-Spieler Pascal Martens die Rote Karte, wegen eines ungewollten, aber grob unbeholfenen Fouls an Daniel Jankowski, der verletzt ausfällt.

Nach der Pause wird es hitziger, emotionaler und damit auch ein bisschen lauter auf dem Platz. Bliedersdorf ist besser im Spiel. Die ersten Chancen lässt Lühe liegen. Dann kontert Jan Ehlers zum 1:0 für die Gäste. Lühe antwortet mit einem Lattenkracher. Doch als Pascal von Loh einen Foulelfmeter zum 2:0 verwandelt, ist die lang ersehnte Rückkehr auf den heimischen Platz verloren.

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