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Handball-Bundesliga

TWas zwölf sieglose Spiele bei den BSV-Spielerinnen mental anrichten

Anika Hampel und Co. bejubeln die kleinen Erfolge.

Anika Hampel und Co. bejubeln die kleinen Erfolge. Foto: Jürgens

Anika Hampel freut sich über gute Aktionen – selbst bei Rückständen. Sportpsychologe Jürgen Walter erklärt, warum das gut ist, und verrät weitere Tricks gegen die Negativspirale.

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Von Lars Wertgen
Donnerstag, 22.01.2026, 16:24 Uhr

Buxtehude. Zwölf Spiele, kein Sieg - der Buxtehuder SV wartet in der Handball-Bundesliga der Frauen weiter auf den ersten Erfolg. Eine solche Pleitenserie frisst sich in die Köpfe.

Das Selbstvertrauen sinkt, negative Gedanken kreisen, Frust und die Angst vor dem nächsten Fehler lähmen. Das Resultat sind in der Regel zögerliches Spiel und mentale Erschöpfung.

Spielerinnen könnten Gedankenstopp anwenden

In solchen Phasen helfe es, die negativen Gedankenmuster bewusst zu durchbrechen, sagt Sportpsychologe Jürgen Walter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der praktischen Sportpsychologie e.V.

Gedankenstopp nennt sich die Methode. Statt sich „kleinzureden“ und den Gegner starkzumachen, geht es darum, innere Sätze zu erkennen, die nicht helfen und nicht der Realität entsprechen (z. B. „Werde ich ausgewechselt, wenn ich verwerfe?“) - und sie zu stoppen.

Spiele wie dieses können helfen, mit Freude das Gruppengefühl zu stärken und Spielspaß zu wecken.

Spiele wie dieses können helfen, mit Freude das Gruppengefühl zu stärken und Spielspaß zu wecken. Foto: Tageblatt/Notebook.lm

Wer merkt, dass sich der Kopf mit Befürchtungen, der Vergangenheit oder der Angst vor dem nächsten Fehler beschäftigt, muss diese Gedanken bewusst beiseiteschieben. Das sei eine Fähigkeit, die man erlernen müsse.

Walter empfiehlt etwa, Sprachdateien zur mentalen Stärke anzuhören, in denen eine ruhige Stimme die Spielerinnen immer wieder an ihre eigenen Stärken erinnert. „Das ist aber auch nur ein Baustein von vielen“, so Walter.

Diplom-Psychologe Jürgen Walter arbeitet mit zahlreichen Profi-Teams zusammen, darunter aus der Handball-Bundesliga der Frauen und Männer.

Diplom-Psychologe Jürgen Walter arbeitet mit zahlreichen Profi-Teams zusammen, darunter aus der Handball-Bundesliga der Frauen und Männer. Foto: Walter

Eigenlob stimmt

Wie ein solcher Fokus auf den Moment aussehen kann, zeigte Anika Hampel im letzten Heimspiel gegen Blomberg-Lippe. Buxtehude lag chancenlos zurück, es war der letzte BSV-Angriff des Spiels.

Hampel drehte sich dynamisch um ihre Gegenspielerin und steckte den Ball klug an den Kreis zu Johanna Andresen, die nur per Foul zu stoppen war.

Die Rückstandshöhe blendete sie aus. Hampel drehte ab, ballte beide Fäuste, strahlte. Die komplette Bank jubelte. „Sie freuen sich, als hätten sie den Ausgleich gemacht“, sagte eine Zuschauerin.

„Ich versuche, immer nur die jetzige Situation zu sehen und mich über eine gute Aktion zu freuen“, sagt die 22-Jährige. Walter hält das für richtig. „Eigenlob stimmt“, sagt er.

Sich für gute Aktionen zu freuen, auch bei hohem Rückstand, sei kostenloses Training fürs Selbstvertrauen - und das brauche man für die nächste Aktion und das nächste Spiel. „Idealerweise steht es im Kopf immer 0:0. Es spielt keine Rolle, was vorher war“, so der Sportpsychologe.

Kann man das Siegen sogar verlernen?

„Sie wissen, wie es geht, Spiele zu gewinnen. Jede Spielerin hat in ihrer Karriere bereits viele Spiele gewonnen“, ist sich Walter sicher. Besonders schwierig wird es allerdings, wenn der Außenseiter dann plötzlich wieder die Chance hat, den Favoriten zu schlagen.

In den letzten sieben Spielen war es zur Pause fünfmal denkbar knapp, zweimal führte der BSV sogar. „In solchen Situationen fängt meist die kleinere Mannschaft an, nachzudenken. Das ist ein Gedankenfehler“, sagt Walter.

Nicht zu verkrampfen und mit Spaß zu spielen, ist leichter gesagt als getan. Das muss erlernt werden, so der Experte.

Nicht zu verkrampfen und mit Spaß zu spielen, ist leichter gesagt als getan. Das muss erlernt werden, so der Experte. Foto: Jan Iso Jürgens

Statt den Moment zu nutzen, blockieren Zweifel und Grübeln. Dazu kommt: Durch den ausgedünnten Kader setzt in der zweiten Halbzeit verstärkt Erschöpfung ein - ein Nährboden dafür, dass sich negative Gedankenmuster wieder leichter durchsetzen.

Niederlagen richtig verarbeiten

BSV-Rückraumspielerin Johanna Andresen versucht, diesen Kreislauf zu durchbrechen. „Natürlich ärgere ich mich nach einer Niederlage, vielleicht auch noch am Tag danach“, sagte sie im November.

„Aber spätestens in der neuen Trainingswoche richte ich den Blick wieder nach vorn.“ Es sei wichtig, sich mit der gezeigten Leistung zu beschäftigen und sie zu analysieren. Dass Handball ein „Fehlersport“ ist, helfe ihr dabei.

So funktioniert AAA

Dahinter steckt das Prinzip Triple-A: Akzeptieren, Analysieren, Abhaken. Die Spielerinnen müssen Situationen annehmen, wie sie sind. Akzeptanz heißt nicht, die Lage gutzuheißen, sondern sie als Ausgangspunkt zu akzeptieren.

In der Analyse nimmt die Spielerin eine möglichst objektive Rolle ein, sucht nach Ursachen und Lösungsansätzen, bevor sie einen Schlussstrich zieht, lässt die Vergangenheit ruhen und konzentriert sich auf die Zukunft.

„Man hat die Wahl, alles infrage zu stellen oder den Misserfolg in etwas Positives umzusetzen“, sagt Hampel. Sie wolle dem Negativen keinen Raum geben, sondern es als Basis nutzen, um sich zu verbessern.

Fokus auf die Einstellung

Auch Trainer Nicolaj Andersson setzt auf mentale Stärke. „Wir wollen versuchen, so aufzutreten, dass man sieht, dass wir eine ehrgeizige Mannschaft sind, egal wie das Ergebnis aussieht“, sagte er vor dem letzten Auswärtsspiel beim Thüringer HC.

Bis Jahresende hatte der BSV noch mit der Hamburger Sportpsychologin Janna Schäfer zusammengearbeitet. Die Zusammenarbeit wurde nicht verlängert - nun setzt der Verein auf die frischen Impulse des neuen Trainers.

Vielleicht jubelt und strahlt Hampel bereits im Heimspiel gegen Neckarsulm (Sa., 16 Uhr) - nicht mehr nur über eine gute Aktion in der Schlussminute, sondern endlich über den ersten Saisonsieg.

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