Für die Araber war es am Freitag ein Meilenstein, den sie gebührend feierten: Ab sofort fliegen 100 A380-Flieger für Emirates. Die Fluglinie aus Dubai ist der mit Abstand größte Käufer des größten Passagierflugzeuges der Welt.
Und so gab es auch bei einer internationalen Pressekonferenz und einer Auslieferungs-Zeremonie nur lobende Worte für das einstige Vorzeigeprojekt von Airbus, das aber mittlerweile zum Ladenhüter geworden ist, denn die A380 ist längst im Abwind.
Emirates fliegt die A380 seit 2008 und steuert damit weltweit 48 Ziele an, darunter in Deutschland Düsseldorf, Frankfurt und München. Mit jetzt 100 A380-Flugzeugen liegt Emirates mit Abstand an der Spitze der A380-Fluggesellschaften, vor Singapore Airlines (20) und der Lufthansa (14). Seit Oktober 2007 hat Airbus 218 dieser Großflieger an 13 Airlines ausgeliefert.
Mit der Ausstattung zwischen 550 und 853 Sitzen ist die A380 das größte Passagierflugzeug der Welt. Alle zwei Minuten startet oder landet auf der Welt eine A380, die Flotte absolviert über 300 Flüge täglich und hat bisher 180 Millionen Passagiere befördert. „Die Passagiere lieben dieses Flugzeug“, sagte der Vorsitzende der Emirates-Gruppe, Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, und: „Die A380 hat zweifellos einen großen, positiven Einfluss auf die Luftfahrtproduktion und die gesamte Luftverkehrsindustrie.“
Das ist die positive Seite der Erfolgsgeschichte. Es gibt aber auch eine andere Sicht: Seit nunmehr zwei Jahren gibt es keine neuen Bestellungen. 317 Aufträge liegen vor, 217 Flieger wurden bisher ausgeliefert. Die Fertigungsrate, die einmal bei 27 Flugzeugen im Jahr lag, wurde im Juli auf 20 gesenkt, ab 2019 sollen nur noch acht Großflieger im Jahr produziert werden.
Diese Reduzierung hat erhebliche Auswirkungen auf die Produktion vor Ort, denn die A380 spielte in den Werken in Finkenwerder (Innenausbau und Lackierung), Bremen (Landeklappen), Stade (Seitenleitwerke) und Buxtehude (Kabinenentwicklung) eine wesentliche Rolle, auch wenn die Flieger in Toulouse endmontiert wurden. Auch die Start- und Landebahn in Finkenwerder wurde für den Großflieger verlängert – ein damals sehr umstrittenes Projekt in der Region.
Wesentliche Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze soll die Reduzierung der Produktionsraten nicht haben, arbeitstechnisch soll der Niedergang durch die Hochläufe beim Langstreckenjet A350 und den Kurzstreckenfliegern A320 kompensiert werden, wobei es da auch weiterhin erhebliche Lieferverzögerungen gibt. Rund 40 fast fertige A320neo-Flieger warten in Finkenwerder auf Triebwerke. Das vorgegebene Jahresziel, 200 Maschinen an die Kunden zu übergeben, könnte verfehlt werden, warnte Airbus-Chef Tom Enders schon vorsorglich. Enders hat derzeit aber noch ganz andere Sorgen: Französische Medien berichten im Zusammenhang mit der Aufklärung einer Korruptionsaffäre über eine angebliche Intrige von Fabrice Brégier, der von Enders entmachtet wurde und nur noch die Airbus-Zivilflugzeugsparte leitet und der von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron an die Spitze von Airbus befördert werden soll. Das sollte aber schwierig werden, denn der Einfluss der Regierungen Frankreichs und Deutschlands auf Airbus ist unter der Regie von Tom Enders sehr beschnitten worden.
Bei der Geburtstags-Zeremonie mit hochrangigen Vertretern der Luftfahrt aus der ganzen Welt war von derlei Problemen nicht viel zu hören, da stand die Feier des hundertsten Emirates-Fliegers auf der Agenda. „Wir bleiben dem Programm weiterhin verpflichtet und werden eng mit Airbus und unseren Partnern daran arbeiten, unser A380-Produkt kontinuierlich zu verbessern, während wir der Auslieferung der restlichen 42 bestellten Jets entgegenblicken“, sagte Scheich Ahmed.
Das Hauptproblem für den einstmals als „Neue Königin der Lüfte“ gefeierten A380-Flieger liegt in einer veränderten Marktlage. Die A380 mit bis zu 853 Sitzen wurde als ein Flieger konzipiert, der vornehmlich zwischen den internationalen Drehkreuzen verkehren soll. Der Konzeption lag die Annahme zugrunde, dass die Flughafenkapazitäten begrenzt sind, bei einer gleichzeitigen Verdoppelung des Luftverkehrs alle 15 Jahre. Das trifft zwar weiterhin zu, allerdings hat sich der Luftverkehr anders entwickelt: Der Langstreckenbereich wächst weltweit mit direkten Verbindungen von großen in mittelgroße Städte, gleichzeitig hat sich der Markt für Zubringerflüge verändert: Die werden mittlerweile mit Jets mit bis zu 200 Sitzen geflogen, zu einem Großteil aus der A320-Flotte von Airbus.
Weil gleichzeitig auch der Ölpreis gefallen ist und die Fluggesellschaften wesentlich wirtschaftlichere Flieger bauen, kam die A380 immer mehr ins Hintertreffen. Airbus selbst hat mit dem A350 (Konkurrent Boeing mit der 777-X) einen Langstreckenflieger auf den Markt gebracht, der einen wesentlichen Vorteil der A380 kompensiert: Die Kosten pro Passagier waren lange ein wesentliches Verkaufsargument für die A380, trotz der vier Triebwerke. Doch mit dem Technologiesprung zum A350 war dieser Vorteil aufgehoben, denn der hohe Anteil an CFK (50 Prozent) und der Antrieb mit zwei Triebwerken liefern wesentliche Verkaufsargumente für die A350, die mit bis zu 325 Sitzen ausgestattet wird – und die Drehkreuze der Welt ebenfalls bedienen kann. Die Zahlen sprechen für sich: Der Jungfernflug war im Juni 2013, bisher sind 107 Flieger ausgeliefert und 848 Flugzeuge bestellt, deutlich mehr als erwartet. Übrigens: Nicht nur Airbus musste die Produktionsrate für den Großflieger senken, auch Boeing senkte die Fertigungsrate für den Dreamliner von 15 auf sechs Flieger im Jahr.
Gleichwohl setzen die Flugzeugbauer weiterhin auf die Großflieger – mit dem Prinzip Hoffnung und leichten Veränderungen. Insbesondere auf Drängen von Emirates, die noch 42 Jets in den Auftragsbüchern haben, hat Airbus im Frühjahr eine Modernisierung mit einem A380plus-Modell vorgestellt. Durch die (wie beim A320neo auch) nach oben gebogenen Flügelspitzen (Sharklets) sollen vier Prozent Treibstoff gespart werden. Durch weitere Maßnahmen in der Kabine könnten künftig 80 weitere Sitze geschaffen werden, was die Kosten pro Passagier um über zehn Prozent verringern soll. „Wir sind davon überzeugt, dass es neue Bestellungen für die A380 geben wird“, sagte Tom Enders am Freitag. Insider gehen davon aus, dass die Zukunft der A380 in China liegen wird, weil sich der Markt in Fernost überproportional entwickelt. Aus China bekam Airbus im Sommer einen Auftrag über 140 Flieger für rund 20 Milliarden Euro. Eine A380 stand nicht auf der Wunschliste. Noch nicht.
Die Vermutung, dass demnächst bei der Luftfahrtmesse in Dubai ein erster Verkauf nach zwei Jahren verkündet wird, war am Freitag in Finkenwerder zu hören. Vermutlich aber nicht aus Fernost, sondern aus dem Nahen Osten. Von Emirates selbst.
Tom Enders hat das Gerücht dann noch befeuert: Verkaufschef John Leahy dürfe erst in den Ruhestand gehen, wenn er noch eine A380 verkauft habe. Der Ruhestand für Leahy soll am 1. Januar beginnen. Auch der Scheich aus Dubai deutete gute Verkaufsgespräche an. Listenpreis für eine A380: 375 Millionen Euro. Inschallah.
Eine Kolumne zum Airbus-Korruptions-Fall lesen Sie auf der 2. Lokalseite.
Für Airbus und für Emirates war es ein großer Tag: Scheich Ahmed und Tom Enders bei der Pressekonferenz anlässlich der hundertsten Auslieferung einer A380 an Emirates. Fotos Stephan
Es geht schlechter: Erste-Klasse-Fliegen im neuen Emirates-Airbus...
Demonstrierten Freundschaft : Tom Enders und Fabrice Brégier (links).
...in dem fast auf nichts verzichtet werden muss.