TSenat: Reaktivierung der Fähre zwischen Cranz und Blankenese vom Tisch
Aus und vorbei: Die Hadag-Fähre Altona macht vor dem Sommer 2024 unterhalb des Este-Sperrwerks am Anleger Neuenfelde fest. Foto: Vasel
Der Hamburger Senat und die stadteigene Hamburger Hochbahn AG haben die traditionsreiche Fähre Cranz - Blankenese endgültig beerdigt. Das will die CDU nicht hinnehmen.
Cranz. „Da sich die Rahmenbedingungen, die zur Ruhendstellung geführt haben - insbesondere die Tidenabhängigkeit und die Verschlickung - nicht geändert haben, ist die Wiederaufnahme der Hamburg-Blankenese-Este-Linie (HBEL) nicht sinnvoll möglich“, hat der Hamburger Senat der Bürgerschaftsabgeordneten Dr. Anke Frieling (CDU) in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage der Christdemokraten mitgeteilt.
Aktuell sei eine zuverlässige Wiederinbetriebnahme mit vertretbarem Aufwand „nicht realisierbar“, schreibt der Senat. Die rot-grüne Landesregierung verweist auf die fehlende Wassertiefe in der Este-Zufahrt. Das lasse „keinen verlässlichen Fährverkehr“ mit den Schiffen der HADAG-Flotte zu. Für einen zuverlässigen Betrieb müsse die Fahrrinne in einem ausreichend tiefen Zustand sein, so dass die Anleger in Neuenfelde und Cranz unabhängig von der Tide erreicht werden könnten.
Hadag will den Betrieb nicht fortführen
Doch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee (WSA) wolle die Bundesstraße Este weiter nicht vom Schlick befreien. Weil die Fähren der HADAG grundsätzlich für mehrere Reviere auf der Elbe und im Hafen verfügbar sein müssen, werde die Möglichkeit des Einsatzes und des Erwerbs eines Flachbodenschiffs ausschließlich für die Este nicht mehr verfolgt. Zuletzt sei im Auftrag des Bundes nahe des Sperrwerks Ende 2025/Anfang 2026 eine Unterhaltung erfolgt.
Tiefrote Zahlen, Verschlickung und Personalmangel hatte HADAG-Vorständin Tanja Cohrt im Jahr 2024 als Begründung dafür angeführt, dass die HBEL auf Eis gelegt wurde. Bei 30.000 Fahrgästen (2023) machte die Linie ein Minus von 1,2 Millionen Euro im Jahr. Doch selbst mehr Fahrgäste würden laut HADAG die Wirtschaftlichkeit nicht verbessern. Selbst bei einer Vervierfachung, verbunden mit Baggerkosten von einer Million Euro, würde das Defizit auf zwei Millionen Euro klettern.
Stattdessen setzen Senat und Hochbahn-Tochter HADAG weiter auf die Expresslinie zwischen Finkenwerder und Landungsbrücken (HADAG-Linie 66) und die Wiederbelebung der Fährlinie 65 (Finkenwerder - Blankenese) - angebunden an die Buslinien nach/von Cranz oder Neuenfelde. Beim Personal läuft es besser. Aktuell seien 93 Schiffsführer bei der HADAG beschäftigt. Insgesamt sei ihre Zahl - abzüglich der Abgänge - seit dem Jahr 2024 um acht Mitarbeiter gesteigert worden.

Die Este ist nicht nur im Bereich der früheren Sietas-Werft in Neuenfelde total verschlickt. Foto: Vasel
Der Senat setzt auf den Bus. In den letzten Jahren sei das Busliniennetz an der Este verbessert worden. Der Senat verweist auf die Stadtbuslinie 550 zwischen Finkenwerder, Neuenfelde und Neu Wulmstorf. Außerdem verkehrt die Regionalbuslinie 2040 (Buxtehude - Cranz - Neuenfelde - Finkenwerder) mit der Stadtbuslinie 150 (Cranz - Altona) bis zur Fähre nach Finkenwerder, von wo es mit der HADAG-Fähre 65 an Wochenenden eine saisonale Verbindung nach Blankenese gibt.
CDU: Fähre für Tourismus und ÖPNV unverzichtbar
Die Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Anke Frieling (CDU) und der Vorsitzende der CDU Jork, Sven Heinsohn, wollen mit Blick auf umweltschonenden ÖPNV, Berufspendler und Tourismus, in Blankenese und im Alten Land, weiter für die seit dem Mittelalter bestehende Fährverbindung kämpfen. Der Bund müsse die Este ausbaggern, mahnt Heinsohn. Sonst würden mittelfristig auch Barkassenverkehr und Sportschifffahrt auf der Este unmöglich. Nach dem Ausbaggern könnten HADAG-Schiffe „wieder problemlos“ zwischen Blankenese und Cranz verkehren. Heinsohn ist überzeugt: „Wer ein Angebot sichert, schafft Nachfrage.“
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