T85 freie Kita-Plätze: Lühe prüft neue Betreuungsangebote
Blick auf die AWO-Kindertagesstätte Altes Rathaus in Grünendeich. Foto: Vasel
Der Förderbedarf von Kita-Kindern steigt. Alleinerziehende haben es schwer, einen Job zu finden. Gleichzeitig gibt es freie Plätze. Die Samtgemeinde Lühe reagiert.
Steinkirchen. Die Samtgemeinde Lühe hat ein Finanzproblem: Mehr als 4,2 Millionen Euro - mehr als ein Viertel des Haushaltsvolumens - muss die Kommune aufwenden, um das Defizit ihrer Kindertagesstätten auszugleichen. Tendenz steigend.
85 freie Plätze in den Kindergärten
Jetzt haben die Altländer mit einem weiteren Problem zu kämpfen. In den fünf Kindertagesstätten gibt es aktuell 85 freie Kindergarten- und Krippen-Plätze, rechnete Nicole Albers-Schmidt aus dem Fachbereich Kindertagesstätten der Politik im Sozialausschuss vor.
Unter dem Strich gibt es weniger Kinder: Die Zahl der Geburten sinkt, es gibt - aufgrund fehlender neuer Wohngebiete - keinen größeren Zuzug. Die Anmeldungen bei Krippen- und Elementar-Plätzen in den Kindertagesstätten sind rückläufig.
Im Kindergartenjahr 2022/2023 mussten die Samtgemeinde beziehungsweise die drei Träger der fünf Kitas - Deutsches Rotes Kreuz, Kirche und Arbeiterwohlfahrt - 70 Krippen- und 110 Elementar-Plätze neu vergeben. Zum Kindergartenjahr 2026/2027 waren es laut Verwaltung lediglich noch 36 Krippen- und 76 Elementar-Plätze.

Symbolbild: Kinderstiefel sollen weiter die Regale in den Kindertagesstätten der Samtgemeinde Lühe füllen, angedacht sind neue Angebote wie eine Früh-Krippe und eine I-Gruppe. Foto: Friso Gentsch/dpa
Vor diesem Hintergrund hatte die Politik die Verwaltung und die Kita-Träger beauftragt, zu prüfen, wie das Angebot an Kita- und Krippen-Gruppen in der Zukunft aussehen könnte. Geprüft werden sollte, wo Gruppen und/oder Standorte wegfallen könnten, um das Defizit der Samtgemeinde Lühe zu reduzieren. „Das ist zu hoch“, unterstrich die stellvertretende Sozialausschussvorsitzende Inge Massow-Oltermann (FWG).
Förderbedarf bei den Kita-Kindern steigt
In einem Workshop, verteilt auf drei Termine, wurden erste Ideen entwickelt. Konkrete Beschlüsse wird es allerdings erst im nächsten Samtgemeinderat geben, der sich im November konstituiert. Politik, Verwaltung sowie Kita-Träger wollen dann über die konkreten Schritte diskutieren. Marco Hartlef und Hauke Eckhoff von der CDU kritisierten, dass der Politik keine Zusammenstellung der Workshop-Ideen im Ausschuss vorlag.
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Nicole Albers-Schmidt und Beate Rempe von der AWO führten der Politik vor Augen, dass sich die Herausforderungen bei Kinderbetreuung und frühkindlicher Bildung erheblich verändert hätten. „Der individuelle Förderbedarf steigt“, sagte Rempe. Sie verwies auf die Sprachförderung.
In vielen Familien werde deutlich weniger als früher vorgelesen.
Kleinere Gruppen seien notwendig, um Kinder individueller fördern und fordern sowie die Qualität halten zu können - auch, damit später der Start in der Grundschule gelinge. Albers-Schmidt und die Kita-Träger warben deshalb im Fachausschuss dafür, dass der Rotstift überlegt angesetzt wird.
Neue Angebote im Gespräch
Neue Bedarfe müssten berücksichtigt werden, so die Expertinnen mit Blick auf die Pädagogik und Familien. So ist die Einrichtung einer weiteren Integrationsgruppe im Gespräch. Die Kosten für die Heilerziehungspfleger würde der Kreis Stade tragen. Auch brachten sie eine Krippengruppe für Kinder unter einem Jahr ins Spiel. „Dies wäre ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis Stade, so könnten wir alleinerziehende Eltern unterstützen“, so Nicole Albers-Schmidt.
Fraktionsübergreifend unterstrichen Politiker wie Gerd Grunwald (Grüne), Jürgen Michaelis (SPD), Nicola Hahn (FDP) und Hauke Eckhoff (CDU) vor diesem Hintergrund auch in die Richtung der 85 Beschäftigen, dass sie weiter ein bedarfsgerechtes Angebot sichern und finanzieren wollen. Das Defizit, so Gerd Dehmel (CDU), sei eine Investition in die Kinder und die Zukunft: „Wir wollen keine Erzieher auf die Straße setzen.“
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