TASC funkt SOS: Wiesenschnake zerstört Rasensportplatz in Estebrügge
Verletzungsgefahr: Das Foto zeigt die Zerstörungen der ASC-Rasenplätze durch den Befall mit Wiesenschnaken. Vögel fressen die Larven, die betroffenen Bereiche sind unbespielbar. Foto: ASC/Köpke
Larven der Wiesenschnake haben den Sportplatz in Estebrügge befallen. Sie fressen sich satt am Grün und locken Vögel an. Eine Biowaffe soll helfen - aber erst im Sommer.
Estebrügge. Mehr als 500 Fußballerinnen und Fußballer spielen und trainieren auf den Plätzen des Altländer Sportclubs Cranz - Estebrügge (ASC), so der Vorsitzende Dieter Köpke. Doch der ASC hat ein Problem: Die Rasenplätze sind aktuell gesperrt. Auf dem Haupt- und dem Nebenplatz haben Larven der Wiesenschnake großen Schaden angerichtet.
Das Foto der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt die Larve einer Schnake. Foto: LWK/Dr. Thomas Brand
Eigentlich sind Schnaken harmlose, nicht stechende Gesellen aus der Familie der Zweiflügler. Im ausgewachsenen Zustand fliegen sie von einer Blüte zur nächsten, die nur 2,5 Zentimeter großen Insekten ernähren sich lediglich „von Nektar und von Wasser“, erklärt Dr. Thomas Brand von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wiesenschnaken fliegen ausschließlich im Spätsommer.
Als Larve wird die Wiesenschnaken zum Rasen-Killer
Doch als Larve werden sie im Winter/Frühjahr zum Killer. Die Schädlinge treten im Getreide- und Gemüseanbau, aber auch im Grünland auf. Damit nicht genug: Die gefräßigen Larven lieben auch den Funktionsrasen in Gärten und auf Sportanlagen.
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„Die Weibchen werden nach dem Schlupf begattet und legen kurze Zeit später im Spätsommer/Herbst ihre Eier in den Rasen ab“, berichtet Brand. Bis zu 300 Eier legen die Weibchen. Schnaken überwintern als Larve. Ausgewachsen sind sie etwa vier Zentimeter lang und verpuppen sich im Juni/Juli. Übrigens: Umgangssprachlich wird ihr Hintern als Teufelsfratze bezeichnet.
Nachts, bei Temperaturen über fünf Grad Celsius, schieben sich die gefräßigen Larven durch den Untergrund ins Freie. Dort fressen sie das Gras, immer vom Wurzelhals her. „Die Rasenflächen werden kahl und braun“, berichtet Köpke.
Fußballschädling profitiert vom Klimawandel
„Das ist auch eine Folge des Klimawandels“, sagt der ASC-Vorsitzende. Der Befall sei Anfang November 2025 festgestellt worden. „Zu der Jahreszeit war laut Literatur nicht mit einem Schlupf einer neuen Generation zu rechnen“, sagt der Sportplatz-Experte bei Eurogreen, Daniel Husmann. Bislang bildete die Art nur eine Generation aus. Doch es werde wärmer im Norden. Und so konnten Larven der Wiesenschnake (Tipula paludosa) noch im Herbst 2025 schlüpfen. Die Folge war „ein flächendeckender Befall in Estebrügge“.

Blick auf den durch Wiesenschnake und Vögel geschädigten Sportrasen. Foto: ASC/Köpke
Eine Bekämpfung konnte nicht mehr durchgeführt werden, da „keine Wirkung von biologischen Mitteln zu diesem Zeitpunkt zu erwarten war“, so Husmann in seinem Bericht für den ASC. Die Altländer hofften, dass ein harter Winter mit Frost im Boden das Problem lösen würde. Vergeblich.
Der Befall sei „weiterhin massiv und flächendeckend“. Die im Februar noch mäßigen Fraßschäden durch die Larven führten zu „Ausfällen der Grasnarbe“, so Husmann. Für Krähen und Möwen seien die Larven, nur zwei Zentimeter unter der Bodenoberfläche, eine Delikatesse. Durch ihr Picken und Scharren sei die Grasnarbe zusätzlich beschädigt worden, so Köpke. Quadratmetergroße Areale waren aufgrund der Verletzungsgefahr nicht mehr zu nutzen. Die Plätze mussten gesperrt werden. Auch in Hamburg und in Schleswig-Holstein gebe es ähnliche Probleme.
Gemeinde Jork unterstützt Platzretter
Um dauerhafte Unbespielbarkeit zu verhindern, haben die ehrenamtlichen Platzwarte und einige Fußballer des ASC im März bereits Kalkstickstoff ausgebracht. Das soll die Bespielbarkeit ab April sichern. Im August 2026 sollen Nematoden eingesetzt werden. Bei der Biowaffe handelt es sich um insektenparasitäre Fadenwürmer, die als Nützlinge zur biologischen Bekämpfung von Schnaken eingesetzt werden. Eurogreen und ASC rechnen mit einem Wirkungserfolg der Steinernema-Würmer von bis zu 100 Prozent.
Doch die Belastung des ASC ist hoch. Die Maßnahme wird knapp 10.400 Euro kosten. Allein die Pflege der drei Fußballplätze kostet den Verein knapp 30.000 Euro im Jahr - bei Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen von 90.000 Euro. Auf Vorschlag von Sven Heinsohn (CDU) prüft die Gemeinde Jork jetzt, dem Verein außerplanmäßig einen Zuschuss von 50 Prozent zu bewilligen. Das empfahl der Ausschuss für Jugend, Soziales und Sport einstimmig. Köpke: „Es ist keine isolierte Maßnahme für den ASC.“ Durch die Spielgemeinschaften profitierten unter anderen auch Kicker des TuS Jork und der SG Lühe von der Schnaken-Bekämpfung.
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