TAltes Land: Historischer Leuchtturm in Jork-Lühe steht zum Verkauf
Wohnen im Leuchtturm: Das historische Unterfeuer Mielstack in Jork-Lühe von 1905 steht zum Verkauf. Foto: Vasel
Das Unterfeuer Mielstack steht zum Verkauf. Jetzt kann sich jeder den Traum vom Wohnen im Leuchtturm erfüllen - vorausgesetzt, er hat genug Geld im Portemonnaie.
Jork. Eigentümer Jean-Pierre Heinrichs zieht es nach Italien. Deshalb will sich der Berliner von seinem Ferienhaus in Jork-Lühe trennen. Mit dem Verkauf des 1905/1906 errichteten Leuchtturms am Elb-Deich in Jork-Lühe hat der Unternehmer den Immobilienmakler Dirk Nollau von Engel & Völkers in Buxtehude beauftragt. Aktuell steht das aufwendig sanierte Baudenkmal für 829.000 Euro im Netz.
Unternehmer bewahrt das maritime Erbe
Heinrichs hatte das Denkmal im Jahr 2012 bei einer Auktion der Deutsche Grundstücksauktionen AG in einem Berlin Hotel für 310.000 Euro ersteigert und im Anschluss mit viel Liebe zum Detail modernisiert. Die Familie nutzte es als Ferienhaus. Das Alte Land, insbesondere der weite Blick über das Obstbaugebiet und die Unterelbe mit ihren großen und kleinen Schiffen, aber auch das maritime Erbe des Wohnhauses mit Leuchtturm, hatten ihn in ihren Bann gezogen.

Blick vom Laternenhaus in Richtung Lühe-Anleger. Foto: Vasel
Der technikbegeisterte Physiker bewahrte unter anderem die alte Leuchtturm-Technik im Keller. Dort steht ein Kompressor, der früher den Quecksilber-Motor im Laternenhaus mittels Druckluft antrieb.

Mit dem Rad konnte der Leuchtturmwärter die Technik im Notfall weiterbetreiben. Dahinter: Der Kompressor, der den Quecksilber-Motor im Laternenhaus per Druckluft antrieb. Foto: Vasel
Im Laternenhaus ließ der Berliner, unterstützt von Leuchtturm-Enthusiasten, wieder ein Richtfeuer originalgetreu einbauen. Die funktionsfähige Optik allerdings darf nicht in Gang gesetzt werden. Das könnte den Schiffsverkehr auf der Elbe gefährden.

Blick auf die Richtfeuer-Technik im Laternenhaus. Foto: Vasel
Das Haus mit vier Zimmern, Küche und zwei Bädern verfügt über eine Wohnfläche von rund 106 Quadratmetern. Die Wohnung erstreckt sich über drei Etagen. Das eiserne Laternenhaus mit Wendeltreppe und begehbarem Umgang ist restauriert.

Blick in das Treppenhaus des Leuchtturms Mielstack in Jork-Lühe. Foto: Vasel
In dem idyllischen Garten stehen alte Obstbäume und eine gläserne Garage - errichtet nach dem Vorbild einer Orangerie. Für Makler Nollau von JMS ImmobilienManagement/Engel & Völkers verbinde die Immobilie „Geschichte, Denkmalschutz und zeitgemäße Wohnkultur auf besondere Weise miteinander“.
Altländer verhinderten Köpfen des Leuchtturms
Dass Heinrichs im Grunde in einem kompletten Unterfeuer seinen Urlaub verbringen konnte, liegt auch an dem massiven Widerstand geschichtsbewusster Altländer und Denkmalschützer. Im Jahr 2009 hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) angekündigt, den Leuchtturm köpfen zu wollen. Die WSA-Nautiker fürchteten um die Sicherheit der Schifffahrt auf der Elbe. Es bestehe Verwechslungsgefahr mit dem geplanten Neubau, hieß es seinerzeit.

Blick vom Laternenhaus des Unterfeuers Mielstack flussaufwärts. Foto: Vasel
Der Freundeskreis Mielstack sammelte mehr als 2000 Unterschriften gegen den Teilabriss des Baudenkmals. Der Initiative um Kerstin Hintz vom Welterbeverein Altes Land und Elbfischer Lothar Buckow gelang es, die damaligen Entscheidungsträger - Landrat Michael Roesberg, Bürgermeister Rolf Lühmann, Maritime Landschaft Unterelbe sowie die Denkmalschützer - auf ihre Seite zu ziehen. Außerdem erklärten sich 44 Elblotsen solidarisch.

Blick vom Laternenhaus flussabwärts. Foto: Vasel
Sie erreichten, dass der obere Teil des Unterfeuers mit dem Laternenhaus erhalten blieb. Dieses und der Turmschaft mussten zur Tarnung grau gestrichen werden. Die Richtfeuer-Technik baute das WSA ab.
Mielstack-Neubau steht flussabwärts
Im Jahr 2010 ging der Nachfolgerbau in Betrieb. Das 19 Meter hohe, 170 Meter flussabwärts liegende Unterfeuer Somfletherwisch in Jork-Lühe übernahm die Funktion des 1905/1906 errichteten Leuchtturms Mielstack. Letzterer war im Februar 1907 mit dem 750 Meter südöstlich stehenden Oberfeuer Somfletherwisch als Richtfeuer in Betrieb gegangen.

Alte Technik im Leuchtturm Mielstack. Foto: Vasel
Der Leuchtturmneubau wurde nötig, weil sich die Brückenhöhe der Schiffe auf der Elbe seit der Kaiserzeit auf 40 Meter mehr als verdoppelt hat. Daher musste der Bund im Deichvorland ein neues Unterfeuer für 300.000 Euro bauen. Die Sichtweite beträgt fast 12,3 Seemeilen (22,8 Kilometer). Das Richtfeuer zeigt den Schiffen die tiefe Fahrrinne des Hauptfahrwassers zwischen Lühesand und Lühe an. Sind Unter- und Oberfeuer von der Schiffsbrücke aus genau übereinander zu sehen, befindet sich das elbaufwärts nach Hamburg fahrende Schiff auf Kurs.
Dem Freundeskreis gelang es seinerzeit nicht, die Immobilien zu erwerben. Damit konnten die Altländer ihr Konzept nicht umsetzen: Im Leuchtturm sollte die Richtfeuer-Historie erlebbar gemacht werden, im Wohnhaus ein Sommercafé einziehen; Bürgermeister Lühmann träumte im Zuge der Leader-Region von einer Radfahrer-Raststation mit Standesamt und Hahnöfersand-Gefängnismuseum.

Blick in das Treppenhaus des Leuchtturms Mielstack in Jork-Lühe. Foto: Vasel
Jetzt steht die Immobilie wieder zum Verkauf. Wer das Gebäude erwirbt, kann sich jetzt wie Heinrichs den Traum vom Wohnen im Leuchtturm erfüllen.

Das denkmalgeschützte historische Unterfeuer Mielstack in Jork-Lühe von 1905 steht zum Verkauf. Foto: Vasel

Restauriert: Blick auf die Wendeltreppe des Unterfeuers Mielstack von 1905/1906. Foto: Vasel
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