Manfred Junge vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt im Lampenhaus auf dem Unterfeuer Somfletherwisch in Jork-Lühe. Foto Vasel
Hinter der schweren Stahltür liegen 64 Treppenstufen. Diese führen in das Lampenhaus des modernsten Richtfeuers an der Unterelbe: das im Jahr 2010 errichtete Unterfeuer Somfletherwisch in Jork-Lühe.
Das 18,93 Meter hohe Unterfeuer in Lühe übernahm die Funktion des 1905 errichteten, 170 Meter flussaufwärts liegenden Leuchtturms Mielstack in Jork-Lühe. Weil sich die Brückenhöhe der Schiffe seit der Kaiserzeit von 20 auf 40 Meter verdoppelt hat, musste das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) im Deichvorland für 300 000 Euro ein neues Unterfeuer bauen. Die Sichtweite beträgt 12,3 Seemeilen (22,8 Kilometer).
„Das Richtfeuer zeigt den Schiffen die tiefe Fahrrinne des Hauptfahrwassers zwischen Lühesand und Lühe an“, erklärt Manfred Junge vom WSA (Außenstelle Stade). Sind Unter- und Oberfeuer von der Schiffsbrücke aus genau übereinander zu sehen, befindet sich das elbaufwärts nach Hamburg fahrende Schiff auf Kurs. Das Feuer brennt im Gleichtakt. Vier Sekunden an, vier Sekunden aus. Im Bereich des WSA gibt es zwischen Brunsbüttel und Hamburg (Stromkilometer 638,9 bis 689,1) 13 solcher Linien. Von Hamburg bis zur Nordsee säumen 56 Leuchttürme die Elbe; 43 davon sind noch in Betrieb und trotz Radaranlagen für den Schiffsverkehr unverzichtbar.
Bis zum heutigen Tag ist die dichte Kette der Seezeichen an der Unterelbe ein eindrucksvoller Beweis der Navigations- und der Ingenieurkunst. Vor 1850 war die Schifffahrt auf der Elbe zwischen Cuxhaven und Hamburg vor allem nachts riskant. Das Fahrwasser war schmal. Links und rechts davon drohten Sandbänke und Untiefen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Hamburg, das Fahrwasser mit Feuerschiffen und Leuchtfeuern zu sichern. Um 1900 entstand eine durchgehende Linie, die von der Mündung bis in den Hafen reichte. Sie wurde immer weiter perfektioniert.
Anhand der Seezeichen lässt sich nicht nur eine Geschichte der Schifffahrt und Navigation erzählen, sondern auch der Industriekultur und Baukunst: von den grazilen Stahlkonstruktionen der Jahrhundertwende (Tipp: Besteigung beim Leuchtturmfest am 26. Mai 2019 in Grünendeich möglich) bis zu den Zweckbauten der Moderne. Der Stahlgitterturm (1905) des Oberfeuers in Jork-Wisch ist das Pendant zum Unterfeuer Somfletherwisch.