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Esteburg

TAltländer setzen auf Robotik, Eisspeicher und KI im Obstbau

Eisspeicher: Esteburg-Experte Dr. Dirk Köpcke will mit seinen Kollegen die Lagertechnik revolutionieren.

Eisspeicher: Esteburg-Experte Dr. Dirk Köpcke will mit seinen Kollegen die Lagertechnik revolutionieren. Foto: Vasel

Robotik und KI - auf moderne Technologien setzen auch die Obstbauern. Mit Wissenschaftlern arbeiten sie an der Praxisreife, um die Zukunft ihrer Betriebe zu sichern.

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Von Björn Vasel
04.07.2026, 15:50 Uhr

Jork. Der Obstbau ist ein Innovationstreiber. Auch die 500 Familienbetriebe an der Niederelbe setzen auf Robotik und Künstliche Intelligenz (KI). Sie wollen insbesondere ihre Produktionskosten in den Griff bekommen, schließlich explodieren die Arbeitskosten. Doch die Erzeuger-Preise reichen nicht aus, um die Mehrkosten zu decken.

Josef Schmidt präsentierte seine autonome Multiträgerplattform - als Träger für Werkzeuge für Pflanzenschutz, Aussaat, Bodenbearbeitung oder Ernte.

Josef Schmidt präsentierte seine autonome Multiträgerplattform - als Träger für Werkzeuge für Pflanzenschutz, Aussaat, Bodenbearbeitung oder Ernte. Foto: Vasel

Die neue Technologie ist für viele Familienbetriebe aktuell zu teuer und zum Teil noch nicht praxisreif. Doch die anwendungsorientierte Forschung geht weiter.

Smarter Obstbau kann Mehrwert schaffen

Gemeinsam haben das Obstbauzentrum Esteburg in Jork-Moorende und das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) aus Stade einen Techniktag auf die Beine gestellt. Mit von der Partie: die Hochschule21 aus Buxtehude sowie Wissenschaftler der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der TU Hamburg und der Universität Hamburg. „KI und Robotik werden die Obstbauern im Wettbewerb stärken“, ist Dr. Benjamin Schulze überzeugt. Er ist Experte für Smarte Produktionssysteme beim Fraunhofer-Institut.

Ausdünnen: Baumspezifische Behandlung mit Technik zum Nachrüsten.

Ausdünnen: Baumspezifische Behandlung mit Technik zum Nachrüsten. Foto: Vasel

Durch Smarten Obstbau könnten Durchschnittsbetriebe einen Mehrertrag von 50.000 bis 100.000 Euro erzielen, ist Dr. Schulz überzeugt. Forschungsprogramme heißen Samson, Kermit und Oskar. Doch nicht nur auf den Plantagen tut sich was.

Autonome Multiträgerplattform im Alten Land im Einsatz

Autonome Multiträgerplattform im Alten Land im Einsatz

Altländer arbeiten an Eisspeichern als Kühl-Akku

Esteburg-Experte Dr. Dirk Köpcke arbeitet an Eisspeichern: „Im 19. Jahrhundert wurde Eis zum Kühlen mit dem Schiff aus Norwegen für Eiskeller und Lagerhäuser geholt.“ Eis sei ein Super-Speicher für Kälteenergie. Es sei „einfach und günstig“ mit selbstproduziertem Strom aus den Photovoltaik-Anlagen auf den Obsthöfen zu erzeugen.

In den Kisten wird im Apfellangzeitlager die Kälteenergie in Form von Eis gespeichert.

In den Kisten wird im Apfellangzeitlager die Kälteenergie in Form von Eis gespeichert. Foto: Vasel

In den sonnenreichen Sommermonaten ständen die Apfellangzeitlager zum Teil leer. Es gibt einen Überschuss an Solarstrom. Dieser könnte in Form von Eis in Lagerräumen gespeichert werden - an Seitenwänden in Kanistern oder in verschlossenen Großkisten. Idee: Die Lagerräume werden so stark heruntergekühlt, dass das Wasser bei fünf Grad minus in den Kühl-Akkus gefriert.

Die meiste Energie werde laut Dr. Köpcke ab September/Oktober bei dem Einlagern benötigt, um die Äpfel nach der Ernte von 15 Grad auf zwei Grad Celsius abzukühlen. Bis zu 310.000 Tonnen Äpfel können an der Niederelbe eingelagert werden. Erste Versuche zeigen, dass Eisspeicher eine „kostengünstige Methode“ seien - bei einer Eigenstromnutzung. Ein Vergleich: Ein Stromspeicher für 31 Kilowattstunden kostet 15.000 Euro, der vergleichbare Eisspeicher nur 150 Euro. Weiterer Pluspunkt: Sie könnten bei einem Strom- oder einem Kälteanlagenausfall als Puffer dienen.

Allerdings nehmen diese Eiskisten in den Lagern zwischen den Großkisten auch Platz weg. Bis zu 310.000 Tonnen Äpfel könnten in Zukunft auch mit den Köpcke-Akkus gekühlt werden, sogar zur Verbesserung der Fruchtqualität könne die Technik möglicherweise beitragen.

Altländer stehen auf Solarstrom, Robotik und KI

Erneuerbare Energie könne auch Strom für elektrobasierte Feldgeräte generieren - etwa für einen E-Schlepper oder Geräte zur Unkrautbekämpfung mit Strom. Die Universität Hamburg arbeitet an einem Modellprojekt zur Umstellung der Beregnungspumpen von Diesel auf Strom.

Senkrechte Photovoltaik-Module sollen nicht nur Energie liefern und Treibhausgasemissionen reduzieren, sondern - wie bei den hohen Hecken - die ohnehin schon minimierte Abdrift von Pflanzenschutzmitteln reduzieren.

Senkrechte Photovoltaik-Module sollen nicht nur Energie liefern und Treibhausgasemissionen reduzieren, sondern - wie bei den hohen Hecken - die ohnehin schon minimierte Abdrift von Pflanzenschutzmitteln reduzieren. Foto: Vasel

Außerdem sollen noch 2026 auf der Esteburg senkrecht montierte Photovoltaik-Module aufgestellt werden. Die Module sollen Ökostrom für Elektro-Fahrzeuge liefern und Treibhausgasemissionen reduzieren. Doch im Mittelpunkt steht ein Pflanzenschutz-Versuch.

Fragestellung: Können die Solarwände wie Hecken helfen, die ohnehin schon stark minimierte Abdrift von Mitteln weiter zu reduzieren? Das wäre Naturschutz mit monetärem Nutzen und ein weiterer Schritt zu einem Label „Klimaneutrales Obst“, das der Esteburg-Leiter Dr. Karsten Klopp propagiert. Wenn die Forschung erfolgreich ist, könnten Höfe sich autark mit Strom versorgen - von der Lagerung bis zu Schleppern und Geräten.

Versuch: Unkrautbekämpfung mit Strom.

Versuch: Unkrautbekämpfung mit Strom. Foto: Vasel

High-Tech-Schlepper und -Sprühgeräte kosten zusammen knapp 250.000 Euro. Deshalb erproben die Forscher auch Nachrüst-Technik zum Einstieg - für lediglich 5000 Euro. Voran geht auch die Robotik-Forschung.

Fraunhofer-Roboter Oskar bei der Ausdünnung.

Fraunhofer-Roboter Oskar bei der Ausdünnung. Foto: Vasel

Fraunhofer-Experte Claudio Möller präsentierte den Roboter-Arm Oskar zur Blütenausdünnung (Fruchtregulierung). Dieser könnte auf eine autonome Multiträgerplattform montiert werden - wie Geräte für Pflanzenschutz oder Unkrautbekämpfung.

Entwickelt sind Boxen mit Sensoren und Kameras für die baumspezifische Behandlung mit KI. Schulze: „Die wird den Obstbauern als Digitaler Assistent dienen.“

Moderne Technik mit Sensoren und KI kostet viel Geld.

Moderne Technik mit Sensoren und KI kostet viel Geld. Foto: Vasel

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