Nach Bombenfund: 19 Menschen begeben sich in Lebensgefahr
Mit Flatterband sperrt die Polizei die Plöner Straße in Hamburg-Altona. Foto: Bodo Marks/dpa
Bauarbeiter stoßen bei Diebsteich auf eine Fliegerbombe und bewegen diese. Das hat Folgen: Die Entschärfung wird zur mehrstündigen Probe - die nicht jeder aushält.
Hamburg. Die gefährliche Weltkriegsbombe im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld ist mehrere Stunden nach dem Fund entschärft worden. Das teilte die Feuerwehr am späten Abend mit. Die Sperrungen wurden aufgehoben, der Zugverkehr wieder freigegeben.
Die 500-Pfund-Bombe englischer Bauart hatte auf einer Baustelle an einer wichtigen Bahnstrecke gelegen, die Hamburg mit dem Norden und Westen Schleswig-Holsteins verbindet. Der Zugverkehr wurde erheblich gestört. Im S-Bahn- und Fernverkehr gab es zahlreiche Ausfälle.
Die Fundstelle lag am S-Bahnhof Diebsteich, wo der neue Bahnhof Altona gebaut wird. Für die Entschärfung mussten rund 2.500 Anwohner im Umkreis von 400 Metern ihre Wohnungen verlassen. In zwei Schulen und einer Halle wurden Notunterkünfte eingerichtet. Etwa 20.000 weitere Anwohner im Warnradius sollten sich in ihren Wohnungen von Fenstern und Glastüren fernhalten und in hintere Räume zurückziehen.
Die Bombe war mit einem chemischen Langzeitzünder versehen. Weil sie bewegt wurde, bestand nach Angaben der Feuerwehr eine akute Explosionsgefahr.
19 Menschen nehmen Gleis-Abkürzung
Für Aufregung und Ärger sorgten laut Bundespolizei 19 Personen, die am Abend munter im Gleisbereich spazierten. Demnach habe sich die Gruppe gegen 21.20 Uhr zwischen den S-Bahnhöfen Diebsteich und Ottensen aufgehalten. Zu dem Zeitpunkt war der Zugverkehr auf dem Streckenabschnitt gesperrt; Wohnungen waren evakuiert worden. Dennoch bestand Lebensgefahr, schließlich führen die Stromschienen im S-Bahnbereich 1200 Volt.
„Bundespolizisten konnten unter anderem durch ein Wärmebildgerät die Personengruppe feststellen und beobachten“, hieß es. Letztlich seien die 19 Menschen aufgegriffen worden. Ihre Erklärung: „Die Gruppe gab an, dass sie in einem Hotel untergebracht sei und aufgrund der Sperrmaßnahmen nicht mehr zum Hotel gelangen konnte. Deshalb seien sie über den Gleisbereich in Richtung Hotel gegangen.“
Ersatzbusse und -taxis für Reisende
Nach Angaben eines Bahnsprechers war auch die Verbindungsbahn zwischen dem Bahnhof Altona und dem Hauptbahnhof gesperrt. Altona ist Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt für viele Fernzüge, die Hamburg mit Niedersachsen und dem Süden Deutschlands verbinden. Fern- und Regionalzüge aus Richtung Süden endeten den Angaben zufolge darum vorzeitig am Hauptbahnhof und in Hamburg-Harburg.

Eine Anzeigentafel am Hamburger Hauptbahnhof zeigt Zugverspätungen und einen Zugunfall an. Foto: Antonia Sawallisch/dpa
Die Deutsche Bahn richtete einen Ersatzverkehr mit Taxis für Fahrgäste der S-Bahn im Raum Altona ein. Für Fernreisende zwischen Pinneberg und Altona fuhren Ersatzbusse, hieß es.
Auch am Donnerstagmorgen könne es im Fernverkehr vereinzelt noch zu Ausfällen und Verspätungen kommen.
Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende werden in Hamburg noch immer Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, die in den oft weichen Boden eingedrungen sind, ohne zu explodieren. Bei Bauarbeiten werden regelmäßig Sondierungen vorgenommen. Es kommt aber auch vor, dass Bomben unerwartet gefunden werden. (dpa/tip)

Mit Flatterband sperrt die Polizei die Plöner Straße in Hamburg-Altona. Foto: Bodo Marks/dpa
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