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Altes Land

TDrei große Probleme des Altländer Obstbaus - und mögliche Lösungen

Beim politischen Fachgespräch im Obstbauzentrum Esteburg sind die Konferenztische passend zum Thema gedeckt.

Beim politischen Fachgespräch im Obstbauzentrum Esteburg sind die Konferenztische passend zum Thema gedeckt. Foto: Richter

Ein Drittel der deutschen Apfelproduktion kommt von der Niederelbe. Die Region ist stolz darauf. Doch die Obstbauern sehen große Hürden vor sich.

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Von Anping Richter
03.09.2026, 15:55 Uhr

Jork. „Unter welchen Bedingungen wird Obstbau in Europa in Zukunft überhaupt noch möglich sein?“ Mit dieser Frage fasst Claus Schliecker die Sorgen der Produzenten zusammen. Er ist der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Obstbau, die zu einem politischen Fachgespräch zum Thema ins Obstbauzentrum Esteburg in Jork eingeladen hatte. Einen Nachmittag lang informierten und diskutierten Wissenschaftler, Politiker, Behördenvertreter und Obstbau-Lobbyisten. Hier eine Zusammenfassung von drei großen Problemen des Obstbaus - und Lösungsvorschläge.

Problem 1: Der Kampf gegen Schadorganismen wird immer schwieriger

Ob im Integrierten Anbau oder im Ökoanbau, der an der Niederelbe inzwischen 20 Prozent der Produktion ausmacht: Schadorganismen sind auf dem Vormarsch, auch durch den Klimawandel. Seit 1976 hat sich die Durchschnittstemperatur in Jork um 2 Grad Celsius erhöht. Die Äpfel blühen heute fast vier Wochen früher.

Ein Beispiel für Schadorganismen ist der Apfelschorfpilz. Gegen ihn können die Obstbauern Fungizide einsetzen - präventiv, also vor dem Regen, oder kurativ, also danach, erklärt Prof. Dr. Roland Weber vom Obstbauzentrum Esteburg in Jork-Moorende. Doch die Schorfpopulationen entwickeln Resistenzen, die sich durch genetischen Austausch von Plantage zu Plantage übertragen - ein Nachteil des geschlossenen Anbaugebiets an der Niederelbe, das mit 10.000 Hektar das größte in Nordeuropa ist.

Prof. Dr. Roland Weber vom Obstbauzentrum Esteburg.

Prof. Dr. Roland Weber vom Obstbauzentrum Esteburg. Foto: Richter

Weil sich einige Resistenzen verbreitet haben, seien alternative Pflanzenschutzmittel notwendig. Doch gesetzlich werde die Anzahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittel immer weiter eingeschränkt. „Damit treiben wir den Sargnagel in die integrierte Produktion“, sagt Weber.

Hoffnung auf sinnvolle Abwägung

Die Hoffnung für die Zukunft: Zulassungsverfahren, denen eine ganzheitliche Abwägung zugrunde liegt. Denn die Obstbauanlagen an der Niederelbe seien laut Weber „hochdiverse Habitate“, in denen große Artenvielfalt gedeiht. Nach den aktuell geltenden Regeln sind chemische Mittel nur das letzte Mittel, mechanische Maßnahmen haben Vorrang. „Aber der Aufwand, der getrieben werden muss, um Schädlingen wie der Grünen Futterwanze mechanisch beizukommen, kann die Artenvielfalt schädigen und die Tracht der Wildbienen vernichten“, sagt Weber.

Problem 2: Zulassungsverfahren dauern viele Jahre

„Es gibt 450 neue Wirkstoffe, aber die Hälfte davon ist im Zulassungsverfahren“, berichtet Herbert Dorfmann. Der deutschsprachige Italiener aus Südtirol ist Mitglied des Europaparlaments und des EU-Agrarausschusses.

Herbert Dorfmann, Südtiroler, Christdemokrat und Mitglied des EU-Agrarausschusses.

Herbert Dorfmann, Südtiroler, Christdemokrat und Mitglied des EU-Agrarausschusses. Foto: Richter

Bei Medikamenten-Zulassungsverfahren werde oft kritisiert, wie lange sie dauern. Doch die Zulassung eines Medikaments dauere in der EU etwa 18 Monate, bei Pflanzenschutzmitteln seien es sieben Jahre. Die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten klappe nicht, die Kritik von Nichtregierungsorganisationen (NGO) verzögere die Verfahren.

Zwischen Verbraucherschutz und Obstbau-Interesse

Dazu gab es zwei unterschiedliche Lösungsvorschläge: Aus Dorfmanns Sicht bringt der „Omnibus“ Hoffnung: Dieser Vorschlag der EU-Kommission sei ein Versuch, die Gesetzgebung auch im Hinblick auf die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zu vereinfachen und beschleunigen. Diese „couragierte“ Lösung werde von Mitte-Rechts getragen. „Falls die Mitte-Links-Mehrheit sich durchsetzt, werden NGOs noch mehr Einfluss bekommen“, sagt der Christdemokrat.

Dr. Jörn Wogram vom Umweltbundesamt.

Dr. Jörn Wogram vom Umweltbundesamt. Foto: Richter

Dr. Jörg Wogram, Leiter des Fachgebiets Pflanzenschutzmittel beim Umweltbundesamt, sieht das anders. Es sei nicht politisch gewollt, den chemisch-synthetischen Pflanzenschutz abzuschaffen. Es gehe nur darum, eine möglichst große Unabhängigkeit davon zu erreichen und durch weniger Pflanzenschutzmittel-Einsatz die Risiken für die Verbraucher zu senken.

Im Apfelanbau werde laut Wogram bezogen auf die Fläche drei bis zehnmal so viel Insektizid eingesetzt wie im Getreideanbau. Heuschreckenzählungen hätten ergeben, dass die Insektenvielfalt leide. „Je höher der Anteil an intensiven Obstbauflächen, desto geringer der Anteil an insektenfressenden Vögeln“, sagt er.

Sein Vorschlag für Verbesserungen: Der Obstbau könne, wie es im Alten Land bereits geschehe, Refugialgewässer als Rückzugsmöglichkeiten für Flora und Fauna schaffen: „Da kann staatliche Förderung ansetzen.“ Wirtschaftliche Hintergründe sollte der Obstbau dabei deutlich machen.

Problem 3: Die Biodiversität in Obstbauanlagen wird nicht ausreichend berücksichtigt

Das sorgte für Irritationen. „In den Anlagen des Integrierten Obstbaus und Öko-Obstbaus tobt das Leben. Wir haben das untersucht, sind stolz auf diese Daten und können sie jederzeit zur Verfügung stellen“, sagt Karsten Palm, der Vorsitzende des Obstbauversuchsrings und führt eine Biodiversitätsstudie an. Wie berichtet, hatte das Bundesamt für Naturschutz in eine mehrjährige Untersuchung investiert und die große Artenvielfalt in den Obstbauanlagen bestätigt. Wogram sagt, sie seien beim Umweltbundesamt „sehr für ergebnishonorierende Konzepte zu haben“. Das sei ja auch die Grundlage der Sondergebietsverordnung für den Obstbau an der Niederelbe.

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