TEPS-Chef Habbo Stark ist der neue Herr der Sietas-Werft in Neuenfelde
Projektlogistik: Habbo Stark von der Este Project Service GmbH (EPS) ist jetzt Herr der früheren Sietas-Werft an der Este-Mündung in Neuenfelde. Foto: Vasel
Es geht weiter auf der ehemaligen Sietas-Werft in Neuenfelde. Habbo Stark von der Este Project Service GmbH (EPS) hat den Mietvertrag mit der Freien und Hansestadt Hamburg unterschrieben - für das gesamte Gelände.
Neuenfelde. Im November 2025 hatte sich der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) bei der Zwangsversteigerung für 20,01 Millionen Euro den Zuschlag für die Sietas-Werft an der Este-Mündung in Neuenfelde gesichert. Aktuell arbeitet die Freie und Hansestadt Hamburg an einem Nutzungskonzept für das 14,7 Hektar große Industriegebiet. Trotz alledem herrscht in und vor den ehemaligen Schiffbauhallen der 1635 gegründeten Werft reger Betrieb. Seecontainer und Schwergut wie Trafos und Motoren werden auf dem Gelände von der Este Project Service GmbH (EPS) umgeschlagen.
EPS dichtet das marode Hallendach ab: Früher fertigte Sietas hier Sektionen für Schiffe, jetzt warten Industrieanlagen und Motoren auf den Umschlag. Foto: Vasel
Das mittelständische Unternehmen half, während der Insolvenzphase die Beschäftigung von 20 der 290 Schiffbauer zu sichern und den maritimen Industriestandort zu erhalten. Jetzt hat die Sprinkenhof GmbH mit den Altländern einen befristeten Mietvertrag geschlossen. „Über das gesamte Gelände der früheren Pella Sietas-Werft“, sagt EPS-Geschäftsführer Habbo Stark. Die Sprinkenhof GmbH ist die gewerbliche Immobiliengesellschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. „Das waren sehr gute Gespräche“, freut er sich. Die Este Project Service sitzt in der früheren Neuenfelder Maschinenfabrik (NMF). Seit August 2015 nutzt das Unternehmen die Infrastruktur von NMF und Sietas.
Altländer sind Schwergutspezialisten
Die Altländer sind Spezialisten für den Umschlag von Schwergut. Aktuell können sie allerdings den riesigen Jucho-Portalkran nicht mehr nutzen. Dieser müsste repariert werden. Mit diesem könnte Schwergut von bis zu 450 Tonnen umgeschlagen werden. Das ist in Hamburg lediglich in Neuenfelde möglich. Doch Habbo Stark und sein zehnköpfiges Team wissen sich zu helfen. „Der wasserseitige Umschlag erfolgt jetzt mit Hilfe von Mobilkränen“, sagt der Geschäftsführer von Este Project Service. Vor Ort ist die Verladung unter anderem auf kleine Schiffe wie Leichter (Barge), Pontons, Hafenschuten und Lkw möglich. Außerdem setzt EPS mobile Roll-on/Roll-off-Rampen ein.

Beim wasserseitigen Umschlag setzt die Este Project Service GmbH auf Mobilkräne. Foto: Vasel
Die Mitarbeiter sind auf der Werft im Ferrari unterwegs. EPS nutzt große Greifstapler, im Fachjargon als Reach-Stacker bezeichnet, von CVS Ferrari aus Italien zum Stapeln und zum Verladen von Seecontainern. „Wir nutzen alle Hallen und das Freigelände“, sagt Stark. Zu dem Kerngeschäft gehören Logistik sowie Umschlag und Montage von Industriegütern. Hinzu kommen Lagerung, Containerstau, Sondertransporte, Exportkisten-Verpackung für Seetransporte im Maschinen- und Anlagen-Bereich und Heavy-Lift-Komponenten sowie der Konstruktions- und Stahlbau. Das übernehmen Partnerfirmen auf dem Gelände. Knapp 70 Arbeitsplätze gebe es heute auf der einstmals ältesten deutschen Werft.
Unternehmen investiert in Standort
EPS arbeitet mit großen Speditionen und Industrieunternehmen wie Airbus zusammen. Dienstleister überholen in einer Halle unter anderem Seecontainer für Flugzeugteile, auch Anlagen und Transportgeräte für Airbus werden montiert. In einer anderen Halle stehen riesige Trafos und Motoren, die Namen auf den Seekisten lesen sich wie ein Who‘s who europäischer Maschinenbau-Konzerne. Die Trafos bringen fast 80 Tonnen auf die Waage. Fotografieren verboten. „Unser großer Vorteil: Wir können die Decken-Krane in den Hallen nutzen“, ergänzt Stark. Diese können bis zu 100 Tonnen heben.

Auch Flugzeugbauer Airbus nutzt mit Dienstleistern die EPS-Hallen auf dem Gelände der früheren Sietas-Werft. Foto: Vasel
Weil es durch das Dach der großen Schiffbauhalle regnete, investierte EPS bereits während der Werftinsolvenz kräftig in den Standort, teerte sogar Straßen. 200.000 Euro flossen allein in die Planen unter dem Hallendach. Industriegüter müssen im Trockenen stehen. Das seien Millionenwerte.
Auch Kraftwerkstechnik von Siemens Energy, es handelte sich um haushohe bis zu 250 Tonnen schwere Gasturbinen und Generatoren, sind bereits endmontiert und mit Schuten in den Hafen zum Weitertransport in alle Welt transportiert worden.

Übernommen: Bernd Brandes (62), Jan Wulf (62) und Jens Muus (58) haben zusammen 100 Jahre auf der Sietas-Werft gearbeitet (von links). Foto: Vasel
Der befristete Mietvertrag „mit Verlängerungsoption“ gelte bis zum 30. Juni 2027. Fünf Ex-Sietas-Werftarbeiter habe die Este Project Service GmbH übernommen. „Als Schiffbauer wissen sie, wie schwere Lasten zu händeln sind“, sagt Stark. Aktuell ist unter anderem Airbus als zukünftiger Nutzer der Ex-Werft im Gespräch. Der Hamburger Senat will den Standort für Industriebetriebe sichern und das Gelände, wie bereits bei der Airbus-Erweiterung in Finkenwerder in das Mühlenberger Loch, in Erbpacht vergeben. Stark: „Wir würden uns freuen, wenn wir als Logistiker weiter auf der Werft tätig sein könnten.“

Dieses Schiffssegment für einen Eisbrecher ließen die früheren russischen Werfteigentümer von Pella Shipyard aus St. Petersburg zurück. Foto: Vasel
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