TFerienwohnungen im Freibad: Gerkes Pläne für Twielenfleth
Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke steht auf der Rutsche im Freibad in Twielenfleth. Das Technik-, Sanitär- und Umkleidegebäude von 1974 ist sanierungsbedürftig. Foto: Vasel
Die Samtgemeinde Lühe hat kein Geld. Deshalb setzt Bürgermeister Timo Gerke jetzt auf Investoren. Seine Idee: Ferien im Freibad. Das könnte nicht nur das Finanzproblem lösen.
Twielenfleth. Der Elbdeich muss in den nächsten Jahren bedingt durch den Klimawandel erhöht werden - auch auf Höhe des Twielenflether Freibads. Doch der Platz ist begrenzt. Binnendeichs verläuft die Straße.
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Deichverband der I. Meile Altenlandes schließen nicht aus, dass der neue Deichfuß in dem Bereich liegen könnte, wo sich heute das Freibadgebäude mit Kasse, Technik, Umkleide und Sanitäranlagen sowie Einschwimmhalle befindet. Oberdeichrichter Dierk König verweist auf das Profil des neuen, höheren und breiteren Deichs. Das Kassenhaus müsste womöglich bei einem grünen Deich abgerissen werden.
Investitionsstau im Freibadgebäude
Das 1974 errichtete Freibadgebäude „ist ohnehin stark sanierungsbedürftig“, sagt Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke. Ein Planer untersuche, wie hoch der Investitionsbedarf in dem Freibad an der Elbe oberhalb des Fährhauses ist.
Eine Million Euro hat der Rat der Samtgemeinde Lühe bereitgestellt. Gerke will eine Photovoltaik- und möglicherweise eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach installieren lassen. „Wir müssen von den zu hohen Betriebskosten runter“, sagt Gerke mit Blick auf das Defizit. Das lag in den letzten Jahren zwischen 300.000 bis 560.000 Euro. Die Sonne könne Energie liefern, wenn sie gebraucht werde - während der Öffnungszeiten.

Der Elbdeich in Twielenfleth muss erhöht werden. Dafür werden außendeichs Flächen benötigt. Foto: Vasel
Dafür müsste das marode Dach erneuert werden. „Wir müssen uns allerdings fragen, warum wir weiter in ein Gebäude investieren wollen, das spätestens in zehn Jahren ganz oder teilweise der Deicherhöhung zum Opfer fallen könnte“, sagt der Bürgermeister. Deshalb habe er Kontakt zum Landkreis Stade, zum Deichverband der I. Meile Altenlandes und zum NLWKN aufgenommen.
Neubau mit Ferienwohnungen könnte Kosten sparen
Die Idee: Die Samtgemeinde baut ein neues Gebäude mit PV-Anlage auf der großen Liegewiese. Option 1 ist für Gerke ein kostengünstiger Neubau „in Modulbauweise“. Ein Neubau in Stein auf Stein würde die finanziellen Möglichkeiten übersteigen.

Auf der Liegewiese könnte das neue Freibadgebäude entstehen. Foto: Vasel
Er favorisiere persönlich die zweite Option: ein Investoren-Modell. Die Idee: Im Erdgeschoss bringt der Investor die für den Freibadbetrieb erforderliche Infrastruktur unter - wie Technik, Umkleiden, WCs, Duschen, Personalräume sowie ergänzend Schwimmhalle und Wellnessbereich mit Sauna. In den Obergeschossen könnten Ferienwohnungen mit Balkonen und Blick auf die Elbe oder das Alte Land entstehen.
Viele Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Das Hallenbad und den Wellnessbereich könnte der Investor von September bis Mai für seine Urlauber nutzen. Die Freibadnutzung im Sommer könnte die Ferienanlage attraktiv machen - insbesondere auch für Familien. Für Ferienwohnungen gebe es laut Tourismusverband einen Bedarf. Sehenswerte Ziele wie Obsthöfe, Windmühle Venti Amica, Leuchtturm, Kaffeeklappe und Kirchen sowie die Stader Altstadt seien einen Katzensprung entfernt. Hinzu kämen die Fahrradwege.
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Durch Bereitstellung des Grundstücks, die Vermarktung/Vermietung der Wohnungen in den Obergeschossen als Ferienimmobilien sowie die Wellness-Angebote könnte sich ein Bau für Investoren finanziell rechnen. Davon ist Gerke „fest überzeugt“. Das gelte auch für die Kommune. Mit moderner Heiz- und Pumpen-Technik sowie PV könnten im energieeffizienten Neubau „die Betriebskosten des Freibads deutlich reduziert werden“.
Gemeinsam könnten Rat und Verwaltung dadurch „langfristig“ das Bad als Freizeit- und Sportanlage sichern. Kinder könnten weiter schwimmen lernen. Kurzum: Lühe sollte die Million besser in einem Neubau anlegen.
Und auch Deichverband/Land würden profitieren, bei seinem Vorschlag gebe es keine Entschädigungsansprüche. Vielmehr müsste das Freibad während eines Neubaus nicht einmal geschlossen werden, das Altgebäude könnte bis zur Fertigstellung weiter genutzt werden.
Wie stehen der Landkreis und die anderen Akteure zu den Plänen?
NLWKN, Deichverband und Landkreis Stade stehen seinem Plan wohlwollend gegenüber. „Es spricht nichts gegen den Vorschlag“, sagt Oberdeichrichter Dierk König. Der Verband hat das Grundstück im Deichvorland an die Samtgemeinde verpachtet.
Die Fläche war Anfang der 1970er Jahre auf rund 6,50 Meter über Normalhöhennull aufgespült worden. Deswegen wurde das kommunale, im Jahr 1974 eingeweihte Schwimmbad mit den sechs 50-Meter-Bahnen, Nichtschwimmer- und Planschbecken, Einschwimmhalle und Sprungtürmen bei der schweren Sturmflut von 1976 nicht überflutet.
Gerke hat seinen Vorschlag auch mit NLWKN-Vertretern und unter anderem Landrat Kai Seefried (CDU) besprochen. Wenn der NLWKN und der Deichverband mitziehen, sei auch der Landkreis Stade gesprächsbereit, sagt Kreissprecher Daniel Beneke. Letztlich müssten konkretere Pläne vorliegen, um die rechtlichen Fragen klären zu können. Bauvorbescheid und -genehmigung „können wir nicht vorwegnehmen“. Gerke hofft, sich bereits im Herbst auf Investorensuche machen zu können.

Blick auf das Freibad und das Fährhaus in Twielenfleth. Foto: Vasel
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