TFeuer in Estebrügge: Junge Familie verliert ihr Zuhause
Feuerwehrleute bekämpfen den Brand in dem Wohnhaus in Estebrügge unter Atemschutz. Foto: Vasel
Mittwochmorgen in Estebrügge. Mit dem Baby auf dem Arm öffnet eine junge Mutter die Tür ihres Wohnhauses, sie blickt in dichten Rauch.
Estebrügge. Als die 41-Jährige, die gerade vom Arzt kommt, den Qualm sieht, zögert sie nicht und wählt 112.
Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen (FRL) setzt alle Ortswehren an der Este in Marsch - Estebrügge, Königreich, Hove und Moorende. Wenig später alarmiert sie zur Unterstützung auch die Ortsfeuerwehr Jork und die Drehleiter von Zug I aus Buxtehude nach.
Knapp 80 Feuerwehrleute rücken aus. Sie verlegen in dem Wohngebiet südlich des Friedhofs Schläuche, um die Versorgung mit Löschwasser zu sichern. Der Königreicher Ortsbrandmeister Jens Diercks übernimmt das Kommando. Weißer Rauch steigt auf, die Flammen sind von der Straße aus nicht zu sehen. Die Rollläden sind heruntergezogen.
Unter schwerem Atemschutz rücken zwei Angriffstrupps in das stark verrauchte Gebäude vor. Im rückwärtigen Bereich schlagen ihnen Flammen entgegen. Ob Bett oder Schrank: Alles brennt.

Durch die Hitze bersten die Scheiben. Foto: Vasel
Die extreme Hitze lässt die Fensterscheiben bersten. Warum? Das Glas dehnt sich bei Feuer aus, während die von den Fensterrahmen verdeckten, kühleren Ränder unter Spannung geraten. Durch diesen Temperaturgradienten im Glas bricht die Scheibe.
Junge Mutter und Baby bleiben unverletzt
Das Haus ist mittlerweile komplett verraucht und verrußt. Doch den freiwilligen Feuerwehrleuten gelingt es schnell, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Gemeindebrandmeister Jens Lohmann und sein Vize Jochen Minners sind erleichtert, dass die Mutter und ihr Baby wohlauf sind. Weil sie geistesgegenwärtig war und das Haus nicht mehr betrat, blieb ihnen eine Rauchgasvergiftung erspart.
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Rauch ist gefährlicher als die Flammen. Er enthält unter anderem Kohlenmonoxid und -dioxid in hoher Konzentration. Die Folgen für den menschlichen Körper können, abhängig von der Höhe der CO-Konzentration, fatal sein: Bewegungs- und Sehstörungen, Bewusstlosigkeit und letztlich sogar der Tod.
Wer eine schwere Rauchgasvergiftung überlebt, muss mit lebenslangen Schädigungen des Nervensystems und der inneren Organe rechnen. Eine Rauchgasvergiftung könne sogar „schon nach drei bis vier Atemzügen tödlich sein“, sagt Kreisfeuerwehrsprecher Stefan Braun. Doch die Notfallsanitäter von Falck müssen nicht eingreifen.
Nachbarn kümmern sich um Mutter und Kind
In Estebrügge funktioniert das Miteinander: Nachbarn kümmern sich um die beiden, die dreijährige Schwester war zum Glück im Kindergarten. Feuerwehrleute schauen, ob Spielzeug noch zu nutzen ist. Doch alles ist verrußt.

Feuerwehrleute bekämpfen letzte Brandnester. Foto: Vasel
Nach dem erfolgreichen Löschen der Flammen suchen weitere Einsatzkräfte unter Atemschutz am Morgen das Innere ab. Sie reißen Teile der Zwischendecken und Dachverkleidungen auf, um weitere Brandnester zu lokalisieren und abzulöschen. Mit der Wärmebildkamera suchen sie nahezu jeden Winkel ab, ziehen kokelnde Reste mit Forken aus den Fenstern in den Garten, um ein Wiederaufflammen zu verhindern.
Buxtehuder unterstützen Altländer mit Drehleiter
Von der Drehleiter aus verschaffen sich die Einsatzkräfte auf dem Dach ein Bild vom Brandort. Die Buxtehuder müssen beim Löschen selbst nicht mehr unterstützen und rücken schließlich um 10.15 Uhr wieder ab.

Die Ortsfeuerwehr Buxtehude unterstützt die Altländer mit der Drehleiter. Foto: Vasel
Die Tatortgruppe der Polizeiinspektion Stade trifft fast zeitgleich ein. Brandermittler werden sich in den nächsten Tagen ein Bild verschaffen. Warum der Brand ausbrach, ist offen. Erste Vermutung: Elektrik. Polizei und Feuerwehr schätzen den Schaden am Mittwochmittag auf etwa 250.000 Euro. „Das Haus ist unbewohnbar“, sagt Gemeindebrandmeister Jens Lohmann.
Gegen 11.30 Uhr endet der Einsatz. Von der Katze fehlt noch jede Spur. Die Hoffnung: Sie war nicht im Keller und könnte draußen unterwegs gewesen sein.
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