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Stolperstein

TGestapo folterte Schlachtermeister Paul Wilhelm Schwarz aus Cranz zu Tode

Blick auf den Stolperstein am Estedeich 30 für das NS-Opfer Paul Wilhelm Schwarz (1888 - 1941) aus Cranz.

Blick auf den Stolperstein am Estedeich 30 für das NS-Opfer Paul Wilhelm Schwarz (1888 - 1941) aus Cranz. Foto: Vasel

Die Nazis ermordeten den Altländer Schlachter Paul Wilhelm Schwarz im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Jetzt erinnert ein Stolperstein auf dem Estedeich an das NS-Opfer.

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Von Björn Vasel
09.09.2026, 18:50 Uhr

Cranz. „Es freut und berührt mich, dass mein Urgroßvater fast 85 Jahre nach seiner Ermordung mit einem Stolperstein als NS-Opfer gewürdigt und sein Schicksal so vor dem Vergessen bewahrt wird“, sagte Dr. Hendrik Hauschild nach der Verlegung auf dem Estedeich in Cranz. Der Lehrer aus Hamburg-Eißendorf hatte den Stolperstein initiiert. Es ist der erste Stolperstein in Cranz.

Dr. Hendrik Hauschild, Urenkel des Schlachters Paul Wilhelm Schwarz, initiierte das Gedenken.

Dr. Hendrik Hauschild, Urenkel des Schlachters Paul Wilhelm Schwarz, initiierte das Gedenken. Foto: Hauschild

Erst im Januar dieses Jahres war der Urenkel auf das Schicksal von Paul Wilhelm Schwarz (1888–1941) aufmerksam geworden. Er hatte den Namen „zufällig“ auf einer Gedenktafel für die NS-Opfer im Rathaus Harburg entdeckt. Unterstützt von der Initiative „Gedenken in Harburg“ rekonstruierte der Lehrer mit Dokumenten aus dem Hamburger Staatsarchiv den Lebens- und Leidensweg.

Erfolgreich mit Altländer Mettwurst

Schwarz kam am 27. März 1888 in Cranz auf die Welt. Seine Eltern führten die Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ und eine Schlachterei. In Harburg, Bremerhaven und Hameln arbeitete der Cranzer als Schlachtergeselle. Er habe laut Hauschild mit dem Gedanken gespielt, nach New York in die USA auszuwandern. Ein Onkel betrieb dort eine Schlachterei. Doch sein Vater Otto Schwarz (1863-1918) habe ihn letztlich überredet, sich in Cranz selbstständig zu machen.

In der Dorfstraße 19 (heute: Estedeich 30) eröffnete er im Januar 1909 einen eigenen Betrieb. Unterstützt von seiner Schwester Minna, produzierte er die Altländer Mettwurst. Dieses Produkt machte Schwarz-Cranz bekannt. Er investierte in ein Kühlhaus. Erst 1920 kehrte Schwarz aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück ins Alte Land.

Der Schlachtermeister war wirtschaftlich erfolgreich. Er überstand die Hyperinflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise ab 1929. Mit dem Kauf der Cranzer Mühle konnte er den Betrieb erweitern.

1937 trat der Unternehmer in die NSDAP ein, 1939 zogen seine Söhne Otto (1911 - 1942) und Paul (1914 - 2007) in den Krieg. „Er scheint mehrfach öffentlich - unter anderem auf einer Fährfahrt von Cranz nach Blankenese - seine Kritik am Nationalsozialismus zum Ausdruck gebracht zu haben“, so Hauschild. Er habe sich negativ über den Krieg geäußert.

„Dass er mit seiner ehrlichen Einstellung keine Sympathie für den Nationalsozialismus hatte, war mir und vielen anderen sehr verständlich. Leider musste er seine aufrichtige Gesinnung mit dem Tode bezahlen“, sagte sein damaliger Geschäftspartner Karl Jensen im Jahr 1954.

Nazis folterten Schlachtermeister aus Cranz

Schwarz sei am 22. November 1941 auf dem Schlachthof in Hamburg-St. Pauli von der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden. Er kam ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, später in das Gestapo-Hauptquartier im Stadthaus. Dieses diente als Terrorzentrale. 14 Tage hielten ihn die Nazis fest und folterten ihn. „Ich werde diese Quälereien, sollte ich noch wieder verhaftet werden, nicht gesund überstehen“, habe er seinem Bruder Wilhelm nach der Freilassung erzählt. Im Dezember sei Schwarz erneut verhaftet worden.

Paul Wilhelm Schwarz (1888 - 1941).

Paul Wilhelm Schwarz (1888 - 1941). Foto: Hauschild

Einen Tag vor Heiligabend starb Paul Wilhelm Schwarz im Jahr 1941 im Konzentrationslager/Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Als Todesursache vermerkte der NS-Distriktsarzt „Strangulation (Selbstmord)“. Seiner Frau Emma war allerdings mitgeteilt worden, dass ihr Mann an „Herzschlag“ gestorben sei. Eine Leichenschau untersagten die Nazis. Seine Familie ging von Mord aus, es gab Strangulationsspuren am Hals. „Mein Mann ist wie viele andere regelrecht zu Tode gemartert worden. Das ist bei Gott meine feste Überzeugung“, erklärte Emma Schwarz im Jahr 1953.

Beobachtet von der Gestapo, wurde der Schlachtermeister am 2. Januar 1942 auf dem Estebrügger Friedhof „in aller Stille“ beigesetzt.

Keine Wiedergutmachung nach dem Krieg

Die Hamburger Sozialbehörde lehnte 1954 einen Wiedergutmachungsantrag der Witwe ab. Als formaler Grund wurde die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Mannes angegeben. Die Nachkriegsjustiz unterstellte ihm Wirtschaftsvergehen. Denn Schwarz habe „nicht einwandfreie“ minderwertige Wurstwaren an Konzentrationslager geliefert. Das allerdings war eine Auflage der Nazis.

Für Hauschild ist die Begründung fragwürdig. Unstrittig bleibe: Paul Wilhelm Schwarz wurde in Gestapo-Haft gefoltert und ermordet. Sein Sohn Otto starb in der Sowjetunion, der jüngere Sohn Paul baute die Schlachterei nach 1945 wieder auf.

Gruppenfoto nach der Verlegung des Stolpersteins für Paul Wilhelm Schwarz in Cranz - 85 Jahre nach seiner Ermordung durch die Nazis.

Gruppenfoto nach der Verlegung des Stolpersteins für Paul Wilhelm Schwarz in Cranz - 85 Jahre nach seiner Ermordung durch die Nazis. Foto: Hauschild

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