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Kommunalpolitik

TJugendzentrum: Geheimgespräche über die Schöne Fernsicht in Grünendeich

Das Dorfgemeinschaftshaus „Zur Schönen Fernsicht“ in Grünendeich ist als Interimsstandort für das Jugendzentrum im Gespräch.

Das Dorfgemeinschaftshaus „Zur Schönen Fernsicht“ in Grünendeich ist als Interimsstandort für das Jugendzentrum im Gespräch. Foto: Vasel

Das Jugendzentrum Steinkirchen steht vor dem Aus. Jetzt sind zwei Dorfgemeinschaftshäuser als Asyl in der Samtgemeinde Lühe möglich. Die Geheimgespräche laufen.

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Von Björn Vasel
30.09.2026, 10:55 Uhr

Grünendeich. Dass die Samtgemeinde Lühe und die Gemeinde Grünendeich im Gespräch sind, sollte eigentlich ein Geheimnis bleiben. Politik und Verwaltung haben sich am vergangenen Donnerstag getroffen. Auf der Tagesordnung: ein Interimsstandort für das Jugendzentrum der Samtgemeinde Lühe. Das machte schnell die Runde. Auch, weil das Jugendzentrum in eine bekannte Immobilie einziehen könnte, sollte es eine Einigung geben.

Dass es ein Gespräch über eine Nutzung des Dorfgemeinschaftshauses Zur Schönen Fernsicht gab, das haben Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke (parteilos) und Bürgermeister Nikolai Müller (CDU) dem TAGEBLATT auf Anfrage bestätigt. Ins Detail wollten die beiden nicht gehen.

Werbebanner für einen Verkauf der Immobilie „Zur Schönen Fernsicht“ am Obstmarschenweg in Grünendeich.

Werbebanner für einen Verkauf der Immobilie „Zur Schönen Fernsicht“ am Obstmarschenweg in Grünendeich. Foto: Vasel

Es sei Vertraulichkeit vereinbart worden „Wir führen grundsätzlich Gespräche in alle Richtungen“, so Müller. Die Gemeinde Grünendeich hat bekanntlich das Immobilienunternehmen Evernest an Bord geholt. Die ehemalige BSV-Bundesliga-Handballspielerin Debbie Klijn kümmert sich um die Vermarktung. Aktuell wird das 1890 erbaute, unter Denkmalschutz stehende Traditionslokal am Obstmarschenweg 4 in Grünendeich noch für 579.000 Euro auf dem Internetportal angeboten.

Jugendzentrum-Team packt Umzugskartons

Wie berichtet, ist der Vertrag für das Jugendzentrum in der Bürgerei 62 in Steinkirchen im Mai 2026 zum 3. November diesen Jahres gekündigt worden. Gespräche über eine Weiternutzung sind Mitte September erneut gescheitert. Das Jugendzentrum ist seit 2003 in einer früher als Sparkasse und Restaurant genutzten Immobilie untergebracht.

Im November muss das Jugendzentrum in Steinkirchen ausziehen.

Im November muss das Jugendzentrum in Steinkirchen ausziehen. Foto: Vasel

Händeringend sucht die Samtgemeinde seitdem nach einem neuen Standort in zentraler Lage. Bislang vergeblich. Aktuell werden die Umzugskartons gepackt. Diese sollen im Ex-Archiv im Alten Rathaus in Grünendeich eingelagert werden, so Gerke.

Schöne Fernsicht als Interimslösung im Gespräch

Nach TAGEBLATT-Informationen hat der Samtgemeindebürgermeister gegenüber Vertretern der Gemeinde Grünendeich eine zeitlich begrenzte Teilnutzung der Fernsicht als Jugendzentrum vorgeschlagen. Langfristig favorisiert Gerke bekanntlich einen Neubau. Im Gespräch ist der Striep als Standort.

Grünendeich will sich allerdings von der Immobilie trennen. Es lasten mehr als 600.000 Euro Schulden auf der Kommune. Erträge von 5000 Euro stehen Aufwendungen von 28.500 Euro für die Unterhaltung und Bewirtschaftung des Dorfgemeinschaftshauses Zur Schönen Fernsicht im Jahr gegenüber.

Blick auf die Gartenseite der Fernsicht in Grünendeich.

Blick auf die Gartenseite der Fernsicht in Grünendeich. Foto: Vasel

Nach TAGEBLATT-Informationen gibt es seit längerer Zeit einen Gastronomen, der die Immobilie erwerben will. Damit käme, wenn überhaupt, eine Nutzung als Jugendzentrum nur für begrenzte Zeit in Frage. Die Krux: Vor 2029 wird es keinen Jugendzentrum-Neubau geben.

Die Traditionsgaststätte gehört seit 1981/82 der Gemeinde Grünendeich. 2012/2014 war diese mit Leader-Mitteln umgebaut und teilsaniert worden - auch auf Pump. Die Kommune verpachtete die Fernsicht an Gastronomen. Seit 2019 suchen die Altländer einen Käufer.

Übergangsweise hielt Parti-Service Hauschildt aus Steinkirchen von 2019 bis 2022 den Betrieb aufrecht - über eine Nutzungsvereinbarung. Seitdem vermietet die Gemeinde selbst die Räume.

Denkmalschutz-Auflagen, historische Bausubstanz sowie steigende Finanzierungs- und Baukosten machen eine Veräußerung offenbar nicht leichter. Nutzungskonzepte gab es viele. Diese reichten von Erlebnisbrennerei, Kunstmuseum und Gastro über Veranstaltungslocation und Pflegeheim bis zu Wellness-Resort mit Swimmingpool und Tiny-Houses.

Containtainermodule lediglich als Notlösung

Sollte das Jugendzentrum in der Fernsicht vorübergehend Asyl finden, könnte sich die Samtgemeinde Lühe die Anmietung von Containermodulen als Notlösung sparen. Die Kosten für deren Miete wurden mit 25.000 Euro im Jahr beziffert. Geld, das auch in der Grünendeicher Gemeindekasse landen könnte.

Die Zeit drängt. Für Container müsste eine Baugenehmigung beim Kreis Stade beantragt werden, die Lieferdauer beträgt zwei Wochen und mehr. Laut Gerke könnte das Jugendzentrum, sofern sich bis November keine Lösung mehr finden sollte, vorübergehend auch im Dorfgemeinschaftshaus Steinkirchen unterkommen. Die Jugendarbeit gehe weiter.

Protestschild im Fenster des Jugendzentrums.

Protestschild im Fenster des Jugendzentrums. Foto: Vasel

Kommende Woche tagen die Verwaltungsausschüsse nicht öffentlich und getrennt. Aktuell liegt nach TAGEBLATT-Information kein Vertrag auf dem Tisch. Dort könnte über die Grundsatzfrage „Jugendzentrum in der Fernsicht?“, aber auch über Fragen wie Mietdauer und Kündigungsfrist gesprochen werden. Der Samtgemeinde-Rat tagt am Mittwoch, 28. Oktober, 19 Uhr, im Rathaus.

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