T„Karren aus dem Dreck ziehen“: Wie Tanja von der Bey Apensens Krise meistern will
Tanja von der Bey (parteilos) antwortet am Kneipentisch auf drängende Fragen zur Verwaltung und Politik in Apensen - und dabei gibt es ein Selbstgebrautes von Klindworths Gasthof in Sauensiek. Foto: T. Meyer
Tanja von der Bey will in Apensen wieder positive Schlagzeilen schreiben. Über die Finanz- und Personalnot, ihre erste Amtshandlung und das Lebensmotto ihres Vorbilds.
Apensen. Eine Atmosphäre wie bei „Inas Nacht“ - im Kegelstübchen in Klindworths Gasthof. Während bei Ina Müller in der Kneipe „Zum Schellfischposten“ in Hamburg der Shanty Chor spielt, spielt bei TAGEBLATT-Moderatorin Susanne Laudien in Sauensiek der MashUp Chor aus Apensen. „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen singt der Chor, und der Gast betritt das Kegelstübchen.
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Der Song passt zu Tanja von der Bey (55), die in Revenahe lebt. Nur die Frau aus Ratingen bei Düsseldorf, der Heimat der Rockband Die Toten Hosen, will in der Samtgemeinde Apensen Nachfolgerin von Petra Beckmann-Frelock werden. Unterstützt wird die Parteilose bei ihrer Kandidatur von CDU und SPD. An diesem Tag beim TAGEBLATT-Kneipengespräch spricht sie über die angespannte Lage in der Kommune.

Tanja von der Bey: „Es ist schwer zu ertragen, was sich die letzten Jahre zugetragen hat beziehungsweise nicht zugetragen hat. Das haben wir als Samtgemeinde mit unseren tollen Mitgliedsgemeinden einfach nicht verdient.“ Foto: T. Meyer
Alles blickte in der Vergangenheit nach Apensen und blickt auch am 13. September darauf, wie hier gewählt wird. Die Samtgemeinde sorgte immer wieder für Aufsehen, hat eine desaströse Finanzlage und nach Personalrochaden bis heute unbesetzte Leitungspositionen im Rathaus.
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„Die Karre aus dem Dreck ziehen“, das könne Spaß machen, sagt die Revenaherin. In das Apensener Rathaus und die Kommunalpolitik wolle sie Ruhe reinbringen, um wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen. Wenn sie als Bürgerin bei einer Ratssitzung gewesen sei, habe sie die Stimmung dort als „nicht schön“ empfunden.
Vom Finanzdesaster bis zur Fusion mit Buxtehude
25 Bierdeckelfragen reichte das Publikum bei Susanne Laudien ein. Jemand sprach von der Bey auf die „seit 2019 fehlenden Jahresabschlüsse und Haushaltspläne“ an.
Genaue Einblicke in die Angelegenheiten, „die im Rathaus laufen“, habe sie nicht. Nur den Blick als Bürgerin. Keine Aufgabe im Rathaus sei so wichtig wie die Finanzen, sagt von der Bey. Es gilt „die Kuh vom Eis zu bekommen“, das werde „viele Gespräche kosten“. Apensen und einige Mitgliedsgemeinden haben für 2026 keinen genehmigten Haushalt - ein „Trauerspiel“, so von der Bey.

Mehr als 30 Gäste kommen in Klindworths Gasthof, um die Kandidatin Tanja von der Bey zu hören. Angst vor den großen Aufgaben, die vor ihr liegen, habe sie nicht, sagt die 55-Jährige - aber Respekt. Foto: T. Meyer
Bei den vakanten Fachbereichsleiterstellen - Bauamts-, Ordnungsamtsleiter und Kämmerer - schickt die Parteilose voraus: Spätestens zwei Wochen nach ihrer möglichen Wahl wären die Stellenausschreibungen raus.
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Eine andere Bierdeckelfrage bringt das Kegelstübchen zum Lachen: „Gibt es eine Übergabe von Frau Beckmann-Frelock?“ Bekäme Sie das Vertrauen der Bürger, wird es eine ordnungsgemäße Übergabe geben. Bei ihrer Nicht-Wahl wäre Apensen „auf einem guten Weg“, mit Buxtehude zu fusionieren, sagt von der Bey zur nächsten Frage.
„Shit happens“: Das wäre Tanja von der Beys erste Amtshandlung
Wenn von der Bey gewählt würde, wäre ihre erste Amtshandlung eine große Dienstbesprechung mit allen bei der Samtgemeinde angestellten Personen. Die, die schon immer gerne Verantwortung übernommen habe, würde sie für einen „Aufschwung“ einschwören und ihnen einen Vertrauensvorschuss geben. Von der Bey hätte eine Bitte an alle.
„Wenn ihr euch bei einer Entscheidung nicht hundertprozentig sicher seid und Bauchschmerzen habt, dann kommt und wir klären das. Fehler machen ist menschlich, shit happens.“
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Sie hat erste Projekte im Kopf. Die 55-Jährige pocht auf eine Fördermittel-Management-Stelle. Den „Riesenaufwand“, sich um Fördermittelanträge zu kümmern, könnten die Sachbearbeiter in der Verwaltung im Tagesgeschäft nicht „wuppen“. So hätte Apensen einen festen Ansprechpartner für das Ehrenamt.

Tanja von der Bey im Gespräch mit Journalistin Susanne Laudien. Zum Chaos im Rathaus sagt die mögliche kommende Verwaltungschefin: Alle Mitarbeiter müssten aus Fehlern lernen, Fehler müssten offen kommuniziert werden, „bloß nicht hinter dem Berg damit halten“. Foto: T. Meyer
Zudem brauche Apensen dringend einen Pflegedienst, der alle Ortschaften anfährt. Den gibt es aktuell nicht.
Von der Bey hat einen Lieblingssänger, hasst Ungerechtigkeit und schätzt ihren „Oppa“
„Bei welchem Lied bist du textsicher?“, schrieb Wirtin Christina Köller-Meyer auf die Rückseite eines Bierdeckels. Von der Bey beherrsche die Songs von Christian Steiffen, der ironische Schlager singt. Bei den Toten Hosen sang sie kürzlich auch live mit.
„Was bringt Sie so richtig auf die Palme?“ Ob die Frage vom Ehemann komme, sagt Laudien. Gelächter. Torsten von der Bey sitzt auch im Publikum. Seine Frage war es nicht. Seit „klein auf“ ärgere sich von der Bey, wenn Menschen Unrecht getan wird.

Freunde von Tanja von der Bey unterstützten die Samtgemeindebürgermeisterkandidatin für Apensen am Freitagabend in Sauensiek. Wie auch beim Kneipengespräch in Horneburg wurde deutlich: Einige Menschen im Publikum wollen ins Rathaus ohne Terminbuchungen kommen. Von der Bey wünscht sich das auch zurück, sie befürworte mehr Spontaneität. Foto: T. Meyer
Ihr „Oppa“ sei die Person, die von der Bey am meisten inspiriert habe, ihr Vorbild. Er war als junger Mensch im Zweiten Weltkrieg. Ihm wurden ein Arm und Bein amputiert. Von dem früheren Ratinger Kommunalpolitiker habe sie ihr politisches Interesse - und sein und ihr Lebensmotto: „Geht nicht, gibt's nicht.“
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Das TAGEBLATT organisiert im Rahmen der Kommunalwahl am 13. September Kneipengespräche und Podiumsdisussionen. Foto: T. Meyer
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