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Schifffahrt

TLühe-Schulau-Fähre: Schiffsführer und Deckspersonal dringend gesucht

Probetag: Der Technische Leiter der Lühe-Schulau-Fähre, Carsten Cornelius, im Gespräch mit Schiffsführer Uwe Szigat aus Dresden (von rechts).

Probetag: Der Technische Leiter der Lühe-Schulau-Fähre, Carsten Cornelius, im Gespräch mit Schiffsführer Uwe Szigat aus Dresden (von rechts). Foto: Vasel

Die Lühe-Schulau-Fähre (LSF) sucht händeringend Personal. Zwei Menschen, ein Sachse und ein Mann aus Neuseeland, machen ihr Hoffnung, sagt LSF-Geschäftsführerin Ute Bülau.

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Von Björn Vasel
Mittwoch, 17.06.2026, 05:50 Uhr

Grünendeich. Leinen los, heißt es um 8.10 Uhr auf der Lühe-Schulau-Fähre. Die Pendler sind an Bord. Langsam schiebt Schiffsführer Uwe Szigat aus Dresden die Steuerhebel nach vorne. Die Fähre Dat Ole Land II nimmt Fahrt auf. Die Elbe ist ruhig. In 25 Minuten soll die Fähre in Wedel anlegen.

In 25 Minuten quert die Lühe-Schulau-Fähre-Fähre auf ihrer kleinen Kreuzfahrt die Elbe.

In 25 Minuten quert die Lühe-Schulau-Fähre-Fähre auf ihrer kleinen Kreuzfahrt die Elbe. Foto: Vasel

Heute steuert der 68-Jährige aus Sachsen das Schiff. Es ist sein Probetag. Der Technische Leiter der Lühe-Schulau-Fähre (LSF), Carsten Cornelius, ist mit ihm auf der Brücke. „Kein Mensch ist als Alleskönner vom Himmel gefallen“, betont Szigat. Dabei ist der Rentner ein erfahrener Seemann.

Die Schifffahrt bestimmte seit seiner Jugend sein Leben. Zu Zeiten der DDR fuhr er „auf einem Hochseetrawler zur See“. Später war Szigat auf einem Hochseeschlepper unterwegs, zuletzt auf einem Lotsenversetzschiff im Hamburger Hafen. Als er im Internet die Stellenanzeige „Schiffsführer gesucht“ der Lühe-Schulau-Fähre entdeckte, bewarb er sich als Urlaubsvertretung für den August.

Schiffsführer und Deckspersonal gesucht

„Wir haben zwei fest angestellte Schiffsführer“, erklärt LSF-Geschäftsführerin Ute Bülau. Es gibt eine Früh- und eine Spätschicht. Um den Fährbetrieb und die Ausflugsfahrten gewährleisten zu können, sind die Altländer auf Aushilfen angewiesen: „Wir suchen händeringend.“

Deshalb würden sie sich freuen, wenn sich weitere Schiffsführer melden. „Gerne auch Rentner“, sagt Bülau. Auch Teilzeit (50 Prozent), befristet erst einmal auf die laufende Saison, sei denkbar. Hauptvoraussetzungen seien laut Cornelius das Unionspatent mit Zusatz „maritime Wasserstraße“ und das Radarpatent.

Aushilfs-Schiffsführer Uwe Szigat aus Dresden probiert das Radar aus, unverzichtbar auf der viel befahrenen Bundeswasserstraße.

Aushilfs-Schiffsführer Uwe Szigat aus Dresden probiert das Radar aus, unverzichtbar auf der viel befahrenen Bundeswasserstraße. Foto: Vasel

Wünschenswert seien außerdem Erfahrungen in der Personenschifffahrt. Damit nicht genug: Auch Deckspersonal werde gesucht. Wer anheuern wolle, solle sich schnellstmöglich melden.

Dresdener besteht auf Probetag

Doch bevor Szigat die Verantwortung übernimmt, wollte er Schiff und Revier kennenlernen. Im Sommer ist das Schiff mit 250 Sitzplätzen und bis zu 70 Fahrrädern häufig brechend voll. „Zwei Maschinen und ein Bugstrahlruder, das passt“, sagt der 68-Jährige. Der Schiffsführer ist zufrieden mit der Ausstattung. Ob Wind oder Wellen, für die 2011/2012 bei Bolle in Sachsen-Anhalt für 1,85 Millionen Euro gebaute Dat Ole Land II kein Problem. Diese sei schietwetterkompatibel.

Nach zehn Minuten passiert die Dat Ole Land II die HMM Stockholm - ein 400 Meter langes Mega-Containerschiff einer südkoreanischen Reederei mit Platz für 24.000 Standardcontainer. „Deren Kapitän sitzt fast 70 Meter über uns, der kann in der Elbe gar nicht bremsen, wenn wir ihm in die Quere kommen sollten“, so Szigat. Er hält Kurs, als die Schiffswellen gegen den Rumpf der 35 Meter langen Fähre schlagen. Intuitiv nimmt er das Gas raus. Szigat: „Wir wollen ja nicht, dass die Fahrgäste grün im Gesicht werden.“

Probetag: Aushilfsschiffsführer Uwe Szigat aus Dresden legt mit der Fähre Dat Ole Land II in Wedel (Schulau) an.

Probetag: Aushilfsschiffsführer Uwe Szigat aus Dresden legt mit der Fähre Dat Ole Land II in Wedel (Schulau) an. Foto: Vasel

Der Technische Leiter der Lühe-Schulau-Fähre, Schiffsführer Carsten Cornelius, ist zufrieden mit ihm. Szigat liebt die Elbe, sie habe „maritimes Flair“. Wenn Bülau ihn nimmt, dann wird er im August wieder mit dem Wohnmobil ins Alte Land kommen: „Meine Koje habe ich immer dabei“, sagt er und nimmt einen langen Bogen, um in Schulau anzulegen. Es klappt reibungslos.

Von Neuseeland ins Alte Land

Um 8.55 Uhr heißt es wieder: Leinen los. Beim Anlegen am Lühe-Anleger fällt den Pendlern ein neues Gesicht ins Auge: Aushilfskassierer Timm Wehling macht die Leine am Poller fest. Er hat in dieser Saison angeheuert. Der Tourismuskaufmann war lange auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, zuletzt arbeitete er mit seiner Freundin auf einem Ausflugsschiff in Neuseeland. Doch monatelang auf See, das wollten sie nicht mehr. Hier gebe es feste Arbeitszeiten, abends ist man - abgesehen von Sonderfahrten - zu Hause. Wehling: „Außer Asien habe ich die ganze Welt gesehen.“

Von Neuseeland ins Alte Land: Decksmann Timm Wehling beim Anlegemanöver am Lühe-Anleger in Grünendeich.

Von Neuseeland ins Alte Land: Decksmann Timm Wehling beim Anlegemanöver am Lühe-Anleger in Grünendeich. Foto: Vasel

Als Wehling die Stellenanzeige las, war klar: Neuseeland ist Geschichte, auf ins Alte Land. Seine Freundin habe hier Wurzeln. Per Videocall bewarb er sich. An der Elbe liebe er „die Weite“, sagt der 28-Jährige. Mittlerweile überlege er, seinen Bootsmann und Schiffsführer zu machen. Ihm gefalle es bei der LSF. Cornelius darf Binnenschiffer ausbilden. Das alles mache ihr Mut bei der Personalsuche, sagt Geschäftsführerin Bülau.

Wieder Linienbetrieb im Winter

Die kommunalen Gesellschafter stünden hinter der Fähre, sagt sie. 2025 sind Hilfsdiesel und Generatoren generalüberholt worden. Anfang 2027 geht es wieder in die Werft, die Steuerbord-Hauptmaschine ist an der Reihe, im Folgejahr das Backbordpendant. Die Maschinenstunden sind erreicht.

Damit nicht genug, Bülau hat gute Nachrichten für Pendler: In der Wintersaison 2026/2027 werde die Fähre wieder am Dienstag und am Donnerstag fahren - morgens (8.10 Uhr ab Lühe/8.40 Uhr ab Wedel) und abends (17.20 Uhr ab Lühe/17.50 Uhr ab Wedel). Der Winterlinienverkehr war 2025 eingestellt worden. Sie hoffe, dass weitere Firmen nun Tickets für Mitarbeiter buchen.

Anlegemanöver am Lühe-Anleger in Grünendeich.

Anlegemanöver am Lühe-Anleger in Grünendeich. Foto: Vasel

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