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Dorfregion

TZuschüsse von bis zu 500.000 Euro: Altländer können ihr Dorf entwickeln

Mit dem Bollerwagen zogen Anne Rosenfeld, Nikolai Müller, Sonja Zinke und Ulrike Mohr 2024 durch die Ortschaften und sammelten Ideen für die Dorfregion „Um die Lühe“ aus Steinkirchen, Grünendeich und Hollern-Twielenfleth - auch am Hafen in Steinkirchen.

Mit dem Bollerwagen zogen Anne Rosenfeld, Nikolai Müller, Sonja Zinke und Ulrike Mohr 2024 durch die Ortschaften und sammelten Ideen für die Dorfregion „Um die Lühe“ aus Steinkirchen, Grünendeich und Hollern-Twielenfleth - auch am Hafen in Steinkirchen. Foto: Vasel

Jeder ist gefragt: Bürger aus der Dorfregion „An der Lühe“ dürfen sich bei der Erstellung des Dorfentwicklungsplans einbringen. Ab Herbst winken Fördermittel.

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Von Björn Vasel
Freitag, 16.01.2026, 13:50 Uhr

Steinkirchen. Die Dorfregion „An der Lühe“ hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Nach der erfolgreichen Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen durch das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) ist im zweiten Halbjahr 2025 der Startschuss für die Erstellung des Dorfentwicklungsplans gefallen. Damit beginnt ein umfassender Prozess, in dem gemeinsam mit Politik, Verwaltung und vor allem den Bürgerinnen und Bürgern die zukünftige Entwicklung der Region gestaltet werden soll.

Die Dorfregion „An der Lühe“ umfasst die Gemeinden Steinkirchen, Grünendeich und Hollern-Twielenfleth. Ziel des Dorfentwicklungsprogramms ist es, ländliche Räume langfristig zu stärken, die Lebensqualität zu sichern und gezielt Fördermittel zu erschließen – für kommunale, private und gemeinschaftliche Projekte.

Altländer arbeiten an Dorfentwicklungsplan

Voraussetzung dafür ist die Erarbeitung eines integrierten Dorfentwicklungsplans, der als strategisches Regiebuch für die kommenden Jahre dient.

Im Vorfeld der Planerstellung hatte die Verwaltung im Auftrag der drei Gemeinden mehrere Planungsbüros angefragt und deren Konzepte geprüft. Nach Präsentationen und intensiver Beratung in den Gremien entschieden sich die Gemeinderäte einstimmig für die Agentur E&P Evers Stadtplanungsgesellschaft mbH als begleitendes Planungsbüro.

Ausschlaggebend waren insbesondere die fachliche Qualität, der Beteiligungsansatz sowie die Erfahrung in vergleichbaren Dorfentwicklungsprozessen, wie beispielsweise in der Dorfregion Ahlerstedt. Nach der Freigabe durch das Amt für regionale Landesentwicklung konnten die Arbeiten beginnen. In den vergangenen Wochen hat das beauftragte Büro bereits erste Daten erhoben, gesichtet und ausgewertet, um eine fundierte Grundlage für die weitere Planung zu schaffen.

„Die Dorfentwicklung lebt von der Mitwirkung der Menschen vor Ort. Der Dorfentwicklungsplan kann nur dann tragfähig sein, wenn die Ideen, Bedarfe und Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger aktiv einbezogen werden“, betont Regionalmanagerin Anne Rosenfeld.

Kurzum: Die Bürgerbeteiligung ist daher ein zentraler Bestandteil des gesamten Prozesses und wird in unterschiedlichen Formaten umgesetzt.

Markt der Ideen am 30. Januar geplant

Am Freitag, 30. Januar, ist zwischen 16 Uhr und 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen eine erste öffentliche Bürgerversammlung geplant – ein Markt der Ideen.

Bei diesem offenen Beteiligungsformat können Bürger ihre Ideen, Wünsche und Anregungen zur Zukunft der Dorfregion einbringen, miteinander ins Gespräch kommen und sich über den Dorfentwicklungsprozess informieren.

„Der Markt der Ideen ist bewusst niedrigschwellig angelegt und soll Raum für Austausch, Diskussion und kreative Impulse bieten“, sagt Rosenfeld. Genauere Informationen zum Ablauf und zu den einzelnen Stationen werden rechtzeitig vor der Veranstaltung bekannt gegeben. Einen Tag vorher werden die Schüler eingebunden, Senioren werden am 12. März befragt.

Begleitet wird der Prozess durch die Bildung einer Steuerungsgruppe sowie durch weitere Beteiligungsformate wie Workshops, Dorfgespräche und Arbeitsgruppen. Ein Projektworkshop soll am 17. April stattfinden. „Wir suchen Dorfmoderatoren“, sagt die Steinkirchener Bürgermeisterin Sonja Zinke.

Der Dorfentwicklungsplan soll im Laufe des kommenden Jahres fertiggestellt werden und bildet anschließend die Grundlage für konkrete Förderanträge. Zuschüsse von bis zu 500.000 Euro winken. Bei Privaten gibt es voraussichtlich einen Investitionskostenzuschuss von bis zu 35 Prozent, bei Kommunen bis zu 65 Prozent plus Leader-Bonus. Sieben Jahre lang könnten Anträge gestellt werden.

Altländer Bauernhäuser durch neue Nutzung erhalten

Immobilieneigentümer können Fördermittel für die Reetdachsanierung beantragen, es winken aber auch Gelder für die Umnutzung. Ein Ziel der Dorfentwicklung ist der Erhalt der Baukultur und der ortsbildprägenden oder landschaftstypischen Bausubstanz vor 1920. Wenn es gut läuft, könnten die Gemeinden – aber auch die örtlichen Vereine und Organisationen oder Privatpersonen – bereits zum 30. September 2026 erste Anträge stellen.

Früher Gasthof zur Post: In leerstehende Gebäude wie diese Traditionsgaststätte in Steinkirchen könnte neues Leben einziehen.

Früher Gasthof zur Post: In leerstehende Gebäude wie diese Traditionsgaststätte in Steinkirchen könnte neues Leben einziehen. Foto: Vasel

Die Dorfregion könne helfen, die zum Teil ungenutzten, zum Teil vom Verfall bedrohten Altländer Fachhallenhäuser zu erhalten – durch Projekte wie die Schaffung von Wohnraum, Ferienwohnungen, Büros oder Hofläden und -cafés. Unter anderem soll der Hafen schick werden, außerdem hat Sonja Zinke das Dorfgemeinschaftshaus im Blick. Leerstand könnte beseitigt werden, etwa im Gasthof zur Post in Steinkirchen. Förderfähig ist auch die Revitalisierung ungenutzter, leerstehender Immobilien.

Mit diesem Flyer wird für die Dorfregion „An der Lühe“ geworben.

Mit diesem Flyer wird für die Dorfregion „An der Lühe“ geworben. Foto: Regionalmanagement

Profitieren könnten auch die Vereine – unter anderem zum Erhalt von Leuchtturm oder Windmühle Venti Amica. „Es ist eine große Chance, für jeden Einzelnen und die Dorfgemeinschaft“, ist Zinke überzeugt. Bei einer Bollerwagen-Tour hatten die Politiker um die Bürgermeister Sonja Zinke (Steinkirchen), Nikolai Müller (Grünendeich) und Dirk Thobaben (Hollern-Twielenfleth) im Herbst 2024 erste Ideen gesammelt.

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