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Maritimes Erbe

TSchlick: Die Annemarie kehrt aus der Werft nicht nach Borstel zurück

Der Hafen in Borstel ist vollkommen verschlickt: Ohne die Ausbaggerung will die Maritime Bürgerstiftung Niederelbe nach dem Werftaufenthalt die Tjalk Annemarie nicht mehr einsetzen.

Der Hafen in Borstel ist vollkommen verschlickt: Ohne die Ausbaggerung will die Maritime Bürgerstiftung Niederelbe nach dem Werftaufenthalt die Tjalk Annemarie nicht mehr einsetzen. Foto: Vasel

Eberhard Becker schlägt Alarm. Die Annemarie muss überholt werden, den Heimathafen Borstel wird das Plattbodenschiff deshalb verlassen müssen - vielleicht für immer.

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Von Björn Vasel
Sonntag, 29.03.2026, 06:00 Uhr

Borstel. Der Zahn der Zeit nagt am Schiff. 1893 wurde die Tjalk Annemarie in Holland gebaut. Obstbauer Johann Barfels aus Jork-Höhen nutzte sie 1925 bis 1938 zum Transport von Obst von der Lühe zum Markt am Hamburger Messberg. Jetzt muss die Tjalk schnellstmöglich in die Werft.

Kulturministerium sagt Denkmalschutz-Fördermittel zu

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hatte 2024 eine Förderung in Höhe von 50.000 Euro für das schwimmende Denkmal in Aussicht gestellt. SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange aus Deinste hatte sich für die Bewahrung des Maritimen Erbes eingesetzt. Auch der Referatsleiter Dr. Jobst Graf von Wintzingerode habe ihm seine Unterstützung zugesagt, ergänzt der Vorstandsvorsitzende der Maritimen Bürgerstiftung Niederelbe, Eberhard Becker.

Die Tjalk Annemarie liegt seit dieser Woche wieder im Hafen Borstel im Wasser.

Die Tjalk Annemarie liegt seit dieser Woche wieder im Hafen Borstel im Wasser. Foto: Vasel

Zwischenzeitlich hatte er Zweifel, ob das Geld noch fließen wird, so Becker. Doch die Fördermittel für die Restaurierung der 133 Jahre alten Annemarie stehen weiterhin zur Verfügung. Das habe ihr das Ministerium versichert, so Lange. Ministeriumssprecherin Julia Streuer bestätigte das: „Wir warten jetzt auf einen Förderantrag, das Geld ist reserviert.“

Die SPD-Politikerin hatte sich in der vergangenen Woche mit Eberhard Becker, Bürgermeister Matthias Riel und Kim Sophie Sulinski von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Stade getroffen. Jetzt gelte es, die Annemarie schnell auf die Werft zu bekommen, so Lange.

Schöne Annemarie muss dringend in die Werft

Für Becker ist die Annemarie ein ganz besonderes Schiff. Die Schiffskonstruktion aus alten Nieten und Spanten begeistert ihn immer noch: „Es war eines der ersten Eisenschiffe der Jan Jans Bos-Werft aus Echten in den Niederlanden - ausgestattet mit einem Petroleum-Motor.“ Doch es gibt Schäden am Eisenrumpf. Der Baum am unteren Ende des Segels ist morsch. Regenwasser ist in den Koker eingedrungen. Damit ist laut Becker die Standfestigkeit des Masts bedroht.

Seit 2007 ist das Plattboden-Schiff das Aushängeschild des Museumshafens. Doch Schlick, eine Folge der Elbvertiefung, und Steine bedrohen die Tjalk. Schäden seien nicht ausgeschlossen, etwa durch Festfrieren. Davor warnt Becker seit Jahren.

Mehr als 50.000 Euro wurden bereits in den Unterhalt gesteckt

Eigentlich hatte der Schiffs- und Wirtschaftsingenieur gehofft, dass die Annemarie längst auf der Jöhnk-Werft in Harburg überholt worden wäre. Deren Eigentümer, Rudolf Sommerfeld, engagiert sich in der Maritimen Bürgerstiftung. Dieser gehört seit 2018 die Tjalk.

Blick über die Annemarie in Richtung Borstel, Schiff und Anleger gehören der Maritimen Bürgerstiftung Niederelbe.

Blick über die Annemarie in Richtung Borstel, Schiff und Anleger gehören der Maritimen Bürgerstiftung Niederelbe. Foto: Vasel

Sommerfeld stattete nicht nur die Stiftung mit dem Gründungskapital aus, sondern habe bereits mehr als 50.000 Euro in den Unterhalt gesteckt. Für Becker ist die Jöhnk-Werft auch aufgrund ihrer Expertise gesetzt. Der Denkmalschutz stelle immer neue Forderungen, beklagt der 87-Jährige den hohen bürokratischen Aufwand. So sei ein Schadensgutachten verlangt worden, sollte die Tjalk beim Transport vom Lkw fallen.

Auch sollte Becker die Kosten für Schweißarbeiten am Rumpf kalkulieren: „Dabei müsste klar sein, dass ich keinen Taucher unter das Schiff schicken kann.“ Becker traf sich in dieser Woche mit Sommerfeld für weitere Kostenkalkulationen.

Zu viel Schlick im Hafen

Das Schiff werde nach der Reparatur nicht wieder im verschlickten Borsteler Hafen liegen können. Übergangsweise müsse die Annemarie auf der Werft bleiben oder an der Elbe vor Anker gehen. Die Bürgerstiftung wolle das Schiff erst wieder einsetzen, wenn Hauptwettern und Borsteler Binnenelbe ausgebaggert sind. Ob und wann diese Pläne umgesetzt werden, ist offen. Becker hatte vor den Ausbaggerungsplänen einen Trockenliegeplatz im Hafenbecken ins Gespräch gebracht.

Die Gemeinde Jork und der Landkreis Stade wollen die Stiftung unterstützen. Das versicherte Kreissprecher Daniel Beneke. Die Behörde werde ihren Teil leisten, damit die Förderung nicht verfalle. Bürgermeister Matthias Riel hofft, dass die Tjalk nach Reparatur und Ausbaggerung („das wird Jahre dauern“) wieder in Borstel liegen wird - als Wahrzeichen des Museumshafens.

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