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TSchwere Schäden: Was jetzt mit den Altländer Kirchenglocken passiert

Jürgen Schwarck von der Hamburger Firma Iversen-Dimier und Pastor Uwe Junge nehmen die demontierte Glocke in Augenschein.

Jürgen Schwarck von der Hamburger Firma Iversen-Dimier und Pastor Uwe Junge nehmen die demontierte Glocke in Augenschein. Foto: Buchmann

Kirchenglocken halten lange, jedoch nicht ewig. Damit sie im Alten Land weiterhin erklingen können, hat die Kirchengemeinde zwei Glocken nach Österreich verschickt.

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Von Steffen Buchmann
13.09.2026, 14:50 Uhr

Grünendeich. Im fast 1000 Kilometer entfernten Innsbruck warten aktuell zwei Altländer Kirchenglocken auf ihre Restaurierung. Die haben sie dringend nötig, um noch lange Zeit über den Köpfen der Altländer schwingen zu können.

Ende August fuhr Jürgen Schwarck von der Firma Iversen-Dimier gemeinsam mit drei Kollegen zur St.-Marien-Kirche in Grünendeich, um „Glocke IV“ zu demontieren. Das Hamburger Unternehmen ist auf Kirchenglocken und -uhren spezialisiert. Knapp 40 Minuten dauerte das Prozedere, dann stand die 130 Kilogramm schwere Bronzeglocke auf dem Boden.

Zwei Glocken sind älter als die Grünendeicher Kirche

Schwarck arbeitet seit gut 35 Jahren für die Hamburger Firma, er kennt jede einzelne Glocke im Alten Land. Die um 1350 gegossene Kirchenglocke und ihre drei Geschwister sind den Menschen vor Ort wichtig, sagt Pastor Uwe Junge.

Mithilfe von Holzbalken wird die Glocke in den Transporter geladen.

Mithilfe von Holzbalken wird die Glocke in den Transporter geladen. Foto: Buchmann

Kurios: Die Glocke ist gut 250 Jahre älter als die St.-Marien-Kirche, in der sie hängt. Die Erklärung liefert der Pastor. Die ursprüngliche Kirche nahe der Elbe wurde durch Sturmfluten im 16. Jahrhundert zerstört. 1608 stiftete die Schwedin Margareta Peders Dotte Skuthe den Grünendeichern Grund und Boden sowie das notwendige Baumaterial für die heutige Kirche. Glocke Nr. 4 und die 550 Kilogramm schwere Glocke Nr. 1 sollen aus dem ehemaligen Kloster Fintel bei Rotenburg gestiftet worden sein.

Glocken wegen Schäden sofort stillgelegt

Während Schwarck die Glocke aus Grünendeich mit seinen Kollegen selbst per Hand mit dem Transporter nach Hamburg bringen konnte, musste die zweite, über 900 Kilogramm schwere Glocke aus der St.-Bartholomäus-Kirche in Mittelnkirchen von einem Transportunternehmen abgeholt werden. Bei beiden müssen die Glockenkronen restauriert werden, in der Grünendeicher Glocke klafft zudem ein Riss. Außerdem benötigen sie neue Jochen, also Holzaufhängungen im Glockenturm.

Die Schäden habe der Glockensachverständige vor zwei Jahren bei einer regulären Wartung festgestellt, sagt Pastor Uwe Junge. Die Glocken seien sofort stillgelegt worden, um weitere Schäden zu vermeiden. Historische Kirchenglocken zu restaurieren hat jedoch seinen Preis: 25.000 Euro pro Glocke.

„Wichtig war, zuerst die Finanzierung sicherzustellen“, sagt Junge. Denn den Auftrag mussten sowohl der Kirchenkreis als auch die Landeskirche genehmigen. Der Kirchenkreis trägt mit 35.000 Euro den Großteil der Kosten, die Landeskirche schießt 2000 Euro zu.

Großzügige Spende sichert Glockenrestauration

Fast 10.000 Euro muss die Altländer Kirchengemeinde selbst aufbringen. Dank der großzügigen Spende einer Grünendeicher Familie über 5000 Euro war die Finanzierungsfrage jetzt geklärt. Pastor Uwe Junge zeigt sich dankbar für diese Unterstützung. „Die Menschen hier lieben ihre Kirchen“, sagt Junge.

Hauruck! Nach kurzer Zeit steht die 130 Kilogramm schwere Glocke im Transporter. Nächster Halt: Innsbruck.

Hauruck! Nach kurzer Zeit steht die 130 Kilogramm schwere Glocke im Transporter. Nächster Halt: Innsbruck. Foto: Buchmann

Neue Glocken standen für die beiden Kirchen nicht zur Diskussion, die Kosten wären um ein Vielfaches höher ausgefallen. „Wir wollen die Glocken für die nächste Generation erhalten“, sagt Junge. Dafür transportierte die Firma Iversen-Dimier die beiden Glocken per Lkw-Spedition ins österreichische Innsbruck.

Dort nimmt sich jetzt die Glockengießerei Grassmayr der beiden Bronzeglocken an, um die beschädigten Teile zu ersetzen und neu zu verschweißen. Das Traditionsunternehmen ist eine der letzten Fachfirmen im Glockenhandwerk, sie erhält Aufträge aus der ganzen Welt. Voraussichtlich Anfang 2027 sollen die Glocken dann wieder ins Alte Land zurückkehren.

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