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Innovation

TSo nimmt der smarte Erntehelfer Erdbeerkisten in Bliedersdorf huckepack

Automatisierung: Transportroboter Valera von Ant Robotics aus Stelle im Einsatz auf einem Erdbeerfeld bei Bliedersdorf.

Automatisierung: Transportroboter Valera von Ant Robotics aus Stelle im Einsatz auf einem Erdbeerfeld bei Bliedersdorf. Foto: Vasel

Sensoren, Solardach und Antischlupf: Der neue Erntehelfer auf dem Erdbeerfeld in Bliedersdorf soll Zeit und Geld sparen. Zu Besuch auf dem Hof Cohrs und bei Roboter „Valera“.

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Von Björn Vasel
Freitag, 19.06.2026, 15:50 Uhr

Altes Land/Horneburg. Wie von Geisterhand gesteuert, fahren auf dem Obsthof Cohrs zwei Erntekistentransporter durch die Reihen des Erdbeerfeldes. „Vollautonom“, unterstreicht Ruth Giese vom Start-up Ant Robotics aus Stelle. Sein Name ist Programm: Valera bedeutet „die Starke“. 650 Kilogramm Erdbeeren kann das Hightech-Fahrzeug huckepack nehmen und von der Plantage selbstständig zur Verladestation oder ins Kühlhaus fahren.

Automatisierung soll Arbeitskosten senken

Heute dominiert Handarbeit die Erdbeerernte. Die Saisonarbeitskräfte pflücken die Früchte und legen diese in die Schalen. Sind die Steigen voll, bringen sie diese zum Transportwagen. Dieser wird schließlich von einem Menschen an den Rand des Feldes geschoben - zum Umladen. Das alles kostet viel Zeit, Kraft - und letztlich Geld.

Gestern und heute auf dem Versuchsfeld.

Gestern und heute auf dem Versuchsfeld. Foto: Vasel

Und das ist das Problem. Die Obstbauern kämpfen mit steigenden Produktionskosten - vor allem mit den Löhnen. Der Mindestlohn ist auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen. Bereits zum 1. Januar 2027 steht eine Erhöhung auf 14,60 Euro an. Das führt zu Mehrkosten von 4000 Euro pro Hektar im Freiland-Erdbeeranbau.

Deshalb hat sich die Anbaufläche bundesweit seit 2015 fast halbiert, auf 8000 Hektar. Damit nicht genug: Die Betriebe leiden auch unter den stark steigenden Kosten für Verpackung, Pflanzenschutz, Energie sowie Transport. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und die Verbraucher sind nicht bereit, mehr Geld für das Obst auszugeben.

Der Transportroboter von Ant Robotics fährt auf dem Erdbeerfeld autonom durch die Reihen.

Der Transportroboter von Ant Robotics fährt auf dem Erdbeerfeld autonom durch die Reihen. Foto: Vasel

„Das heißt, dass die Automatisierung vorangetrieben werden muss“, sagt der stellvertretende Leiter des Obstbauzentrums Esteburg in Jork-Moorende, Dr. Matthias Görgens. Schließlich machen die Löhne bis zu 60 Prozent der Produktionskosten bei Freiland-Erdbeeren aus.

Das Start-up Ant Robotics will Obstbauern helfen, die Kosten zu senken. Hervorgegangen ist die Firma mit 16 Mitarbeitern aus einem Forschungsprojekt der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Das erste Projekt war ein Feldroboter mit künstlicher Intelligenz zum Unkrautjäten auf Erdbeerfeldern. Mittlerweile liegt der Fokus des Unternehmens auf autonomen Geräten für Transport und Pflanzenschutz. Sie sind speziell für die Sonderkulturen in Gewächshäusern, Tunneln und Plantagen ausgelegt.

Transportroboter steigert die Produktivität

Automatisierung könne einen entscheidenden Beitrag leisten, um die Produktion regionalen Obstes und die Existenz der Obstbaubetriebe zu sichern. Davon ist die Ant-Robotics-Sprecherin Ruth Giese überzeugt. Dass der Transportroboter „Valera Carry“ die vollen Erntekisten auf den Erdbeerfeldern autonom von den Pflückern zur Sammelstelle fahren könne, steigere die Produktivität pro Pflücker um 30 bis 40 Prozent. Gemessen wird diese daran, wie viel Kilogramm pro Stunde gepflückt werden.

Kurzum: Die unproduktiven Zeiten würden eliminiert, Laufwege verkürzt und Muskeln geschont. „Bis zu 25 Prozent“ der Erntetätigkeit entfalle heute auf manuellen Transport. Ein Drittel der Arbeitskräfte könnte eingespart werden.

So funktioniert der smarte Erntehelfer

Doch wie funktioniert der solarbetriebene Transportroboter eigentlich? Mit dem Drücken des Startknopfs startet die autonome Reihennavigation. Valera verfügt über Erkennungstechnologien und ist „extrem wendig“. Eine Antischlupfregelung verhindert, dass die Elektroantriebsräder bei rutschigem Boden durchdrehen.

Ruth Giese von Ant Robotics hat den Transportroboter im Blick.

Ruth Giese von Ant Robotics hat den Transportroboter im Blick. Foto: Vasel

Die Kameras und Sensoren auf dem Solardach erkennen unter anderem die Reihen und das Umfeld, so wird die Spur präzise gehalten. „Bei einem Hindernis stoppt Valera“, so Giese. Der Roboter hält automatisch Abstand zu den Erntehelfern und folgt diesen mit einem Abstand von etwa zwei Metern kontinuierlich.

Mihai Bolao packt seine volle Erdbeersteige auf den Transportroboter, Ruth Giese von Ant Robotics schaut ihm bei dem Versuch auf dem Obsthof Cohrs zu.

Mihai Bolao packt seine volle Erdbeersteige auf den Transportroboter, Ruth Giese von Ant Robotics schaut ihm bei dem Versuch auf dem Obsthof Cohrs zu. Foto: Vasel

Wenn die Steige voll ist, dreht sich der Erntehelfer um. Valera stoppt automatisch, der Mitarbeiter packt die volle Kiste auf die Transportplattform. Dann nimmt er sich eine leere Steige aus dem Depot und pflückt weiter - bis das Ende der Reihe erreicht ist. Danach fährt der 250 Kilogramm schwere Roboter mit maximal 3 km/h zum Entladen. Der Transporter füge sich in bestehende Arbeitsprozesse ein. Valera könne für viele Obstbauern der Einstieg in die Feldrobotik werden.

Allerdings sind die Transportroboter mit Stückkosten von 24.000 Euro nicht billig. Vier bis fünf würde ein Betrieb wie Cohrs benötigen. Aktuell läuft auf dem Familienbetrieb ein Versuch von Obstbauversuchsring und Ant Robotics. Beide hoffen, dass der Bund oder das Land ein Förderprogramm auflegen. Der nächste Schritt, also das Ernten, so Giese, werde noch dauern.

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