Zähl Pixel
Energiewende

TSo wirkt sich der Wärmeplan im Alten Land und Horneburg auf Bürger aus

Maja Overberg von HIC Consulting und Klimaschutzmanagerin Judith Sievers erläutern den Wärmeplan für die Klimaschutzregion Altes Land und Horneburg (von links).

Maja Overberg von HIC Consulting und Klimaschutzmanagerin Judith Sievers erläutern den Wärmeplan für die Klimaschutzregion Altes Land und Horneburg (von links). Foto: Vasel

Die Politik hat den Wärmeplan für die Klimaschutzregion Altes Land und Horneburg beschlossen. Ein Fazit: Dezentralen Wärmepumpen gehört die Zukunft.

author
Von Björn Vasel
13.10.2026, 05:50 Uhr

Altes Land/Horneburg. Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) und das Niedersächsische Klimagesetz (NKlimaG) schreiben vor, dass die Kommunen bis Juni 2028 eine Wärmeplanung vorlegen müssen. Die Samtgemeinden Lühe und Horneburg sowie die Gemeinde Jork beauftragten deshalb im Jahr 2025 die Energie-Fachleute von HIC Consulting aus Hamburg mit der Erstellung eines gemeinsamen Wärmeplans für die Klimaschutzregion Altes Land und Horneburg.

Dieser zeigt auf, wie die Wärmeversorgung in Jork bis 2040 „klimaneutral und bezahlbar gestaltet werden kann“, erklärt Maja Overberg von HIC Consulting. Niedersachsen verfolge mit dem Klimagesetz das Ziel, spätestens bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen. Für private Haushalte ergebe sich daraus „ein erheblicher Transformationsbedarf“. Schließlich entfallen aktuell mehr als 90 Prozent des Endenergieverbrauchs auf die Raumwärme und die Warmwasserbereitstellung - heute vor allem durch Erdgas gedeckt.

Keine Verpflichtung für Heizungsbesitzer

Der jetzt von den Räten der Samtgemeinden Lühe und Horneburg sowie der Gemeinde Jork beschlossene 106 Seiten starke Wärmeplan sei allerdings „rechtlich unverbindlich“ und „ohne konkrete Auswirkungen auf die Bürger“. Aus dem Plan ergebe sich laut Maja Overberg „keine Pflicht, die zum Austausch einer Heizung zwingt“. Dieser zeige lediglich auf, welche Optionen es für die zukünftige Wärmeversorgung in der Klimaschutzregion geben könnte, so die Ingenieurin für Energie- und Umweltmanagement.

Eine Wärmepumpe vor einem privaten Einfamilienhaus, bald Standard in der Klimaschutzregion.

Eine Wärmepumpe vor einem privaten Einfamilienhaus, bald Standard in der Klimaschutzregion. Foto: picture alliance/dpa

Bekanntlich ist das Gebäudemodernisierungsgesetz (Heizungsgesetz) im Sommer überarbeitet worden. Die starre 65-Prozent-Pflicht ist Geschichte. Seit dem 29. Juli 2026 gilt die Bio-Treppe: Neu eingebaute Erdgas-, Öl- und Flüssiggas-Heizungen müssen ab 2029 stufenweise klimafreundliche Brennstoffe nutzen. Das heißt: 10 Prozent sind ab dem Jahr 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 sowie 60 Prozent ab 2040 vorgeschrieben. Bestehende Anlagen sind nicht betroffen.

Wärmepumpen und Solarthermie gehört die Zukunft

Dezentrale Luft-Wärmepumpen haben laut Wärmeplan im Alten Land und in Horneburg das größte Potenzial. Diese werden „voraussichtlich einen Großteil der Versorgung übernehmen“.

Die grünen Bereiche sind für Wärmepumpen geeignet.

Die grünen Bereiche sind für Wärmepumpen geeignet. Foto: HIC

Unter dem Strich seien Wärmepumpen im Betrieb vielfach bereits günstiger als Gasheizungen, so Maja Overberg mit Verweis auf den Heizspiegel 2024. Damit nicht genug. Unter anderem würden steigende CO2-Abgaben und Netzentgelte fossile Heizsysteme zukünftig weiter verteuern. Wenn immer mehr Verbraucher von Erdgas auf Wärmepumpe umsteigen, stiegen die Betriebskosten für die restlichen Haushalte eines Gasnetzes. Solarthermie auf den Dächern wäre sinnvoll.

Keine Betreiber für lokale Wärmenetze in Sicht

Die thermische Nutzung von Elbe und Aue/Lühe sowie der Kläranlage für Großwärmepumpen wäre laut HIC technisch möglich. Allein das Klärwerk Wetterndorf könnte theoretisch 1000 Haushalte versorgen. Letztlich lägen allerdings Wohn- und Gewerbegebäude zu weit auseinander, industrielle Wärmeabnehmer fehlten.

Fernwärme-Rücklauf steht auf den Rohren in einem Solarthermie-Kraftwerk in Potsdam, lokale Wärmenetze sind in der Region laut EWE unwirtschaftlich.

Fernwärme-Rücklauf steht auf den Rohren in einem Solarthermie-Kraftwerk in Potsdam, lokale Wärmenetze sind in der Region laut EWE unwirtschaftlich. Foto: Soeren Stache/dpa

Acht Potenzialgebiete hat HIC für ein Wärmenetz lokalisiert: Altländer Markt, Westerladekop und Osterjork/Ostfeld in der Gemeinde Jork, die Quartiere Böttcherring, Lange Straße und Kalkwiesen in der Samtgemeinde Horneburg sowie Bürgerei und Bergfried in Steinkirchen.

Aktuell gibt es jedoch keinen Energieversorger, der sich zu einem Ausbau von Wärmenetzen in den Gebieten bekennt. Wärmenetze könnten 21 Prozent des Bedarfs der Klimaschutzregion decken.

Ob und wann ein Wärmenetz gebaut wird, ist damit offen. Von der Erstellung einer Machbarkeitsstudie über die Planung und die Finanzierung bis zur Realisierung eines lokalen Wärmenetzes würden ohnehin 8 bis 15 Jahre vergehen. Für die Eigentümer bedeutet dies letztlich, dass anstehende Heizungserneuerungen nicht zwingend aufgeschoben werden müssen.

Wärmenetz laut EWE-Aussage unwirtschaftlich

Ohnehin stehen die Chancen schlecht. Laut Energieversorgungsunternehmen EWE wäre dies „wirtschaftlich nicht zu betreiben“. Kurzum: Letztlich käme aufgrund der räumlichen Struktur der Wohn- und Gewerbegebiete in der Marsch und auf der Geest in der Zukunft dezentrale Wärmeversorgung, sprich Wärmepumpen, zum Tragen.

Damit die Haushalte auf Luft-Wärmepumpen umsteigen können, müsse der Netzausbau vorangetrieben werden. Der Strombedarf werde steigen.

Weitere Sanierungsgebiete ausweisen

Die Experten gehen davon aus, dass der Wärmebedarf durch Sanierungsmaßnahmen bis 2040 um etwa 15 Prozent gesenkt wird. Diese Quote könne durch die Ausweisung von Sanierungsgebieten deutlich gesteigert werden - verbunden mit der steuerlichen Förderung einer energetischen Sanierung. Dafür bringen die Hamburger von HIC in ihrem Maßnahmenkatalog die Quartiere Kirchenstieg und Blütenstraße (Grünendeich), Osterjork/Weidenstraße in Jork, Steinweg/Neue Straße in Estebrügge, Mühlenberg/Schulstraße in Bliedersdorf sowie Alter Schulweg in Hollern-Twielenfleth ins Gespräch.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel