TVerbrannte Äpfel: So reagiert ein Altländer Obstbauer auf die Hitze
Auch Äpfel bekommen Sonnenbrand, genauso wie Menschen. Foto: Palm
Bei über 30 Grad Celsius flüchten sich Menschen ins Freibad oder den Keller. Die Apfelbäume im Alten Land können das nicht, sie stehen in der prallen Sonne - mit fatalen Folgen.
Moorende. Äpfel brauchen Sonne, um zu wachsen und zu reifen. Aber: „Auch Äpfel bekommen Sonnenbrand, genau wie wir Menschen“, erklärt der Moorender Obstbauer Karsten Palm.
Sobald die Schattentemperatur auf über 30 Grad Celsius klettert, kann die Fruchthaut bereits Schaden nehmen. Sie verfärbt sich rot bis schwarz, verbrennt regelrecht, löst sich ab.
Mit der klimatisierenden Beregnung kühlt der Obstbauer die aufgeheizten Äpfel. Foto: Palm
Apfelbauern wie Karsten Palm behalten die Temperaturen im August besonders gut im Auge. Denn die Früchte stehen kurz vor der Reife, die Apfelsaison steht vor der Tür. Um die Schäden an den Äpfeln zu minimieren, setzt Palm seit gut zehn Jahren auf klimatisierende Beregnung.
10 Kilometer Rohrleitungen unter der Apfelplantage
Etwa zehn Kilometer Rohrleitungen hat Palm unter der 17 Hektar großen Apfelplantage verlegt. Zwischen den Apfelreihen ragen alle 18 Meter baumhohe Standrohre empor.
Insgesamt sechs dieselbetriebene Pumpen befördern erfrischendes Wasser durch die Rohre, das von den Standrohren drehend über die Apfelbäume im Umfeld verteilt wird. Pro Stunde und Hektar regnen 30.000 Liter Wasser, also etwa 200 gefüllte Badewannen, auf die Äpfel nieder.

Obstbauer Karsten Palm aus Moorende wirft an besonders heißen Tagen die Wasserpumpen an. Foto: Palm
An heißen Tagen mit über 30 Grad Celsius stellt Palm nachmittags die Beregnungsanlage an. Das machen nicht alle so, viele wässern ihre Anlagen nachts oder frühmorgens. Der Vorteil beim nächtlichen Gießen: Das Wasser dringt tief in den Marschboden ein, die Bäume können sich über die Wurzeln so selbst kühlen.
Gießen bei Hitze: Was ist mit dem Lupeneffekt?
Die Beregnung am Nachmittag hilft hingegen eher den Früchten, sich direkt mit Wasser zu kühlen. Tief an die Wurzeln kommt es nicht, vorher verdunstet es, sagt Palm. Die Technik hat der Obstbauer ursprünglich für die Frostschutzberegnung installiert, jetzt kommt sie ihm in heißen Sommern zugute.
Altländer Apfelwochen: Höfe locken mit Aktionsprogramm
Aber nehmen die Pflanzen dann nicht zusätzlichen Schaden, Stichwort: Lupeneffekt? „Das ist falsch“, sagt Palm. Er habe noch nicht erlebt, dass seine Apfelbäume durch in Wassertropfen gebündelte Sonnenstrahlen verbrennen.
Der Sonnenbrand sei nicht die einzige Gefahr für die Äpfel. „Sie werden von innen gegart, wie in einem Backofen“, sagt der Moorender. Das Tückische: Diesen Schaden könne man von außen nicht sehen. Bei Messungen habe er schon mal 48 bis 50 Grad Celsius im Fruchtfleisch gemessen.
Hitze verursacht unsichtbare Schäden
Die Folgen für die Ernte im September wären für Erzeuger wie Verbraucher fatal. „Die Äpfel werden weich und innen teilweise braun, schmecken nicht mehr und sind kürzer haltbar“, erklärt Palm. Um dem vorzubeugen, setze er auf die klimatisierende Beregnung. Auch die Ausrichtung der Baumreihen sei entscheidend. Die größten Schäden bei südlich ausgerichteten Bäumen entstünden am späten Nachmittag in der prallen Sonne.

Die Standrohre drehen sich im Kreis und versprühen Wasser im Umkreis von neun Metern auf die Bäume. Foto: Palm
Das Wasser für die Beregnung und Bewässerung der Apfelplantagen bezieht er wie die meisten Obstbauern über Kanäle und Teiche aus der Niederelbe. Aber nicht jedes Wasser ist geeignet. „Das Wasser muss sauber, salz- und möglichst eisenfrei sein“, sagt Palm.
Wasserqualität wichtig für Beregnung
Denn ist das Wasser zu eisenhaltig, bildet sich eine raue, braun-graue Schorfschicht - Berostung genannt. Zu viel Salz im Wasser lässt die Blätter verbrennen.
T Die Daniel Düsentriebs des Alten Landes: Wo der Erfindergeist zu Hause ist
Über die letzten Jahre sei es immer häufiger notwendig gewesen, dass Karsten Palm seine Apfelbäume beregnen musste. Neben dem Wasserverbrauch kostet das den Obstbauern rund 50 Liter Diesel pro Stunde, um die Pumpen zu betreiben. Bei den aktuellen Ölpreisen eine zusätzliche Belastung.
Personell muss der Altländer Obstbauer ebenfalls mehr investieren; denn alle zwei bis drei Stunden muss jemand die Pumpen kontrollieren, nachtanken und prüfen, dass sie nicht überhitzen. „Ich hoffe, dass es jetzt erst mal vorbei ist mit der Hitze“, sagt Palm. Im September steht nämlich die Ernte an.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.