TVorfahrt für Radler: Altländer setzen auf Fahrradstraßen und Tempo 30
Fahrradstraßen - wie in der Neubourgstraße in Stade - sollen für mehr Verkehrssicherheit in Jork, Borstel und Estebrügge sorgen. Foto: Vasel
Einstimmig hat der Rat der Gemeinde Jork das Radwegeverkehrskonzept auf den Weg gebracht. In der Schulstraße in Jork geht‘s 2026 los - mit Fahrradstraße und Tempo 30.
Jork. Das 104 Seiten starke Radwegeverkehrskonzept soll als strategische Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Fahrradverkehrs dienen. Bei der Abschlusspräsentation machte Alexander Gardyan von IKS Mobilitätsplanung aus Kassel deutlich, dass Land, Landkreis und Gemeinde in den kommenden Jahren viel Geld für Radwege ausgeben müssten.
Aktuell schätzt der Stadtplaner den Finanzbedarf auf 2,3 Millionen Euro, allein für die Herstellung ordentlicher Oberflächen. IKS legte den Altländern nahe, sich prioritär für die Sanierung von drei Radwegen einzusetzen: am Elbdeich zwischen Borstel und Lühe (K39), an der Yachthafenstraße (K38) in Jork/Neuenschleuse und an der Buxtehuder Straße (K39) in Estebrügge/Königreich. Dafür müsste der Landkreis Stade als Baulastträger 1,17 Millionen Euro bereitstellen.
Doch es geht den Altländern um mehr als Asphalt. Mit dem Maßnahmenkatalog, von Tempo 30 bis zu Fahrradstraßen, soll die Verkehrssicherheit erhöht werden. Das Umsteigen auf das Rad soll gefördert werden. Schlagworte: attraktive Pendler- und Freizeitrouten sowie sichere Schulwege.
Altländer kämpfen für Tempo 30 in Jork und Borstel
Das Planungsbüro wirbt für Tempo 30 auf den Hauptverkehrsstraßen. Auf der L140 wäre es in Wester- und Osterjork zwischen Kastanien- und Blütenweg rechtlich möglich. Das gelte auch für die Nord-Süd-Achse zwischen Borstel und Jorkerfelde auf den Straßen Große Seite, Borsteler Reihe, Am Fleet sowie Jorkerfelde. Im Gewerbegebiet Ostfeld (K26neu) käme der Bereich zwischen Elbe-Obst und Kreisel Osterjork infrage.

Hier wirbt das Büro IKS Mobilitätsplanung für Tempo 30 in Jork und Borstel. Foto: IKS Mobilitätsplanung
Der Verkehrsplaner verwies auf das neue Verkehrsrecht. Dieses ermöglicht Tempo 30 nicht nur vor Schulen, Kitas und Altenheimen, sondern auch an hochfrequentierten Schulwegen, vor Spielplätzen, 300 Meter vor/nach Zebrastreifen oder als Lückenschluss zwischen Tempo-30-Bereichen. Laut der Teamleiterin Bauen im Rathaus Jork, Ute Hilpert, laufen Gespräche mit der Kreis-Straßenverkehrsbehörde.
Verkehrssicherheit
T Sicherer Schulweg durch Fahrradstraße und Tempo 30 im Ortszentrum Jork
Rat und Verwaltung wollen mit Tempo 30 auf den Hauptverkehrsstraßen im Ortszentrum Jork auch die Forderung einer Bürgerinitiative umsetzen. Fast 11.700 Fahrzeuge sind tagtäglich auf der L140 in Jork unterwegs, darunter 600 Lkw.
Fahrradstraßen als Alternativrouten entwickeln
Aktuell teilen sich Fußgänger und Radfahrer im Ort den kombinierten Fuß- und Radweg. Häufig wird die erforderliche Mindestbreite von 2,50 Metern unterschritten. Das heißt: Insbesondere im Bereich Jorkerfelde, Wester- und Osterjork sowie an der Borsteler Reihe ist kaum Platz - weder auf den gemeinsamen Geh- und Radwegen im Zweirichtungsverkehr noch auf der Fahrbahn von L140 beziehungsweise K26.
Vorhandene Querschnitte lassen keine regelkonformen Schutz- oder Radfahrstreifen zu. Und die Grundstückszufahrten verstärken Konfliktpotenziale zwischen Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr.

Auf diesen Routen - parallel zu L140 und K26 - sind Fahrradstraßen in Jork und Borstel im Gespräch. Foto: IKS Mobilitätsplanung
Auch deshalb sollten Westerminnerweg und Osterminnerweg in Ost-West-Richtung sowie mehrere Straßenzüge am Schulzentrum Jork in Nord-Süd-Richtung zu Fahrradstraßen ausgebaut werden.
50.000 Euro werden 2026 im Bereich Schulstraße im ersten Schritt investiert. Das Umfeld der Schulen hat jeweils „Priorität“, war sich Bürgermeister Matthias Riel mit BVJ, CDU, FDP/Piraten, Grünen und SPD einig. Im Bereich Schulstraße/Am alten Landratsamt soll bis zur Fertigstellung der neuen Grundschule Jork im Sommer 2027 eine Fußgängerampel entstehen.
Zusätzlich zur Fahrradstraßen-Beschilderung und Piktogrammen, sollten die Einmündungsbereiche mit einer großflächigen Rotmarkierung versehen werden. Kosten: 990.000 Euro - verteilt auf die Abschnitte Nord, Ost, Süd und West. Es gibt Fördertöpfe.
Historische Straßenzüge vom Verkehr entlasten
Damit nicht genug. Die Straße Am Fleet, im Schatten der St.-Matthias-Kirche, soll verkehrsberuhigt werden. Dort schlägt IKS einen Verkehrsversuch und eine Planung mit Bürgerbeteiligung vor. Viele der Pkw-Fahrer sind weiter auf dieser Straße unterwegs, obwohl der Durchgangsverkehr eigentlich die Umgehung (K26neu) durch das Ostfeld nutzen soll.

Die Straße am Fleet (früher K26) könnte - ab Höhe Westerminnerweg - bis zum Kreisel Ortsmitte Jork zur Einbahnstraße werden. Foto: Vasel

Variante Einbahnstraße Am Fleet in Jork - mit Bestand (oben) und Planung (unten). Foto: IKS Mobilitätsplanung
Bei der Poller-Variante würde die Straße am südlichen Ende (Variante 2) oder an beiden Enden (Westerminnerweg plus Bürgerei, Variante 3) für den Kfz-Durchgangsverkehr dichtgemacht. Die Zufahrt für Anlieger würde über den Schützenhofweg erfolgen. Fußgänger und Radfahrer könnten die Verbindung uneingeschränkt nutzen. Das könne laut IKS die Aufenthaltsqualität am Fleet nach der Umgestaltung steigern und Geschäfte und das Zigarrenmacherhaus als Kulturort stärken.

Erste Ideen aus dem Radwegeverkehrskonzept der Gemeinde Jork für Estebrügge. Foto: IKS Mobilitätsplanung
Und an der Este? Die Estebrügger Straße in Estebrügge sollte laut IKS zur Einbahnstraße werden, mit Tempo 20 und Radverkehr auch in der Gegenrichtung (Kosten: 30.000 Euro).
Kreisel in Königreich steht im Konzept
Um den Radverkehr zu stärken, schlägt IKS einen Kreisel in Königreich an der Kreuzung von Obstmarschweg/Neuenfelder Straße (L140) und Buxtehuder Straße/ Königreicher Straße (K39) vor. Idee: Wartezeiten für die Radler verringern und Sicherheit erhöhen. Den Kreisel müssten Kreis und Land bauen.

IKS Mobilitätsplanung schlägt den Bau eines Kreisels in Königreich vor. Foto: IKS Mobilitätsplanung
Das Ziel sei ein lückenloses, sicheres und komfortables Radwegenetz, so Bürgermeister Riel. Das ganze Mehrjahreskonzept gibt es auf www.jork.de.
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