TWarum die neue Grundschule in Jork auf mehr als 1400 Säulen ruht
Blick auf die Baustelle der Grundschule Jork: Mehr als 1400 Nassmörtelsäulen sollen für einen stabilen Baugrund sorgen. Foto: Vasel
Es geht voran auf der Baustelle der Grundschule Jork am Schulzentrum. Aktuell baut Goldbeck einen unterirdischen Säulentempel. Der Bauleiter erklärt das Prozedere.
Jork. Aktuell werden mehr als 1400 Nassmörtelsäulen hergestellt. Ein großer Endlosschneckenbohrer der Spezialtiefbaufirma Jacbo ist im Einsatz. Dieser bohrt sich erschütterungsfrei und geräuscharm um die 16 bis 18 Meter in die Tiefe. Das Bohrloch, dieses misst 30 Zentimeter im Durchmesser, wird beim Ziehen zeitgleich mit Beton verfüllt. Dadurch wird der Baugrund verbessert.
Goldbeck arbeitet im Untergrund
Der Altländer Marschboden allein ist nicht tragfähig. Goldbeck-Bauleiter Sergej Kemler erklärt das Verfahren anschaulich: „Wenn wir Zahnstocher in einen Schwamm stecken und einen schweren Topf daraufstellen, sackt dieser nicht mehr ein.“ Die Zahnstocher sind in diesem Fall die Nassmörtelsäulen. Der Kochtopf steht symbolisch für die fast 29 Millionen Euro teure Grundschule Jork mit der Turnhalle und dem Altländer Archiv.
Die Arbeiten hatten sich etwas verzögert. Bei der Bodensondierung waren unter anderem alte Bäume in verfüllten Gräben aufgetaucht. Diese waren bei der punktuellen Sondierung für das Gutachten noch nicht entdeckt worden. Trotz alledem werde der Generalübernehmer Goldbeck den Zeitplan aktuell einhalten können, so Verwaltungsvize Arne Krüger.
Eine Schule wie aus einem Lego-Bausatz
Die Gemeinde Jork ist gedanklich bereits beim Innenausbau. Bei einem Termin im Goldbeck-Hauptsitz in Bielefeld haben sich die Altländer unter anderem Fußböden, Türklinken, Wandfarben, Deckenverkleidungen in Augenschein genommen. Der Grundschulbetrieb soll im kommenden Jahr nach den Sommerferien pünktlich am 19. August 2027 starten.
Wenn das Fundament fertig ist, geht es mit dem Bau des Schulhauses weiter, gefolgt von Mensa/Aula und Foyer (Mittelbau) sowie Archiv und Sporthalle. Der Rohbau solle „im Spätherbst“ stehen.
Letztlich wird die Schule aus den in den Goldbeck-Werken vorgefertigten Stahl- und Betonfertigteilen, wie bei einem Lego-Bausatz, zusammengesetzt. Die Segmente werden in Jork nach der Montage gedämmt und verklinkert. Dafür wird ein Turmdrehkran aufgestellt.
Bauarbeiten lassen sich per Webcam verfolgen
Goldbeck lässt auch Außenstehende aus aller Welt hinter den Bauzaun gucken. Eine Webcam liefert alle zehn Minuten ein neues Bild. Mit Hilfe von KI werden Menschen gepixelt. Auf den Bildern sind im hinteren Bereich (Sandplatte) die Flächen für die Sportanlagen, vom Kunstrasenplatz bis zu den Beachhandballfeldern, sowie der Verkehrsübungsplatz zu sehen.

Der Baufortschritt lässt sich mit der Goldbeck-Webcam verfolgen. Foto: Goldbeck
Bei der Ratssitzung teilte Bürgermeister Matthias Riel mit, dass die Gemeinde Jork rund 3,7 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes erhält. Damit werde die Schulbau-Kreditaufnahme gesenkt. SPD, Grüne, BVJ und CDU sprachen sich für die teilgebundene Form der Ganztagsschule aus. Mindestens zwei Tage sind Pflicht.
Dafür hatten sich aus pädagogischen Gründen die Grundschulen Jork und Königreich ausgesprochen. Hauptargument: Chancengerechtigkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Den FDP-Chef Peter Rolker erinnerte das „an das DDR-Bildungssystem“. Ein Fünftel der Eltern sei gegen eine Pflicht. Doch FDP/Piraten scheiterten mit ihrem Vorstoß, das offene, sprich freiwillige, Modell durchzusetzen.
T Vorfahrt für Radler: Altländer setzen auf Fahrradstraßen und Tempo 30
Die Mensen in Jork und Königreich sollen mit eigenem Personal betrieben werden. Die Gemeinde will 180.000 Euro für den Betrieb beisteuern. Ein Caterer soll im Zuge einer EU-weiten Ausschreibung gesucht werden und das Essen liefern.
Die Altländer setzen auf das Cook-and-Freeze-Verfahren, bei dem frisch zubereitete Speisen schockgefroren werden. Das erhalte Nährstoffe und Vitamine. Vor Ort wird das Essen aufgetaut und erhitzt. Wie teuer das Essen wird, ist noch offen.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.