TWie die Erstarrungswärme des Eises die Altländer Apfelblüten schützt
Die Erstarrungswärme des Eises schützt die Apfelblüte vor dem Frost. Foto: Vasel
Um die Apfelernte zu sichern, setzen die Altländer auf die Frostschutzberegnung. Esteburg-Experte Dr. Dirk Köpcke erklärt, wie diese funktioniert.
Altes Land. Zum zweiten Mal haben viele Obstbauern an der Niederelbe ihre Frostschutzberegnung in diesem Frühjahr in Gang gesetzt. Aufgrund der hohen Erntemenge im letzten Jahr gehen die Betriebsleiter der knapp 500 Familienbetriebe auf Nummer sicher. Es wird mit weniger Blüten, sprich weniger Früchten, gerechnet. Deshalb sei jede Blüte wichtig. Bereits bei einer Feuchttemperatur von zwei Grad minus werfen sie ihre Pumpen und ihre Regner deshalb in diesem Jahr an“, erklärt Dr. Dirk Köpcke vom Obstbauzentrum Esteburg in Jork-Moorende.
Da die Temperaturbestimmung an der Oberfläche einer Pflanze schwierig ist, wird diese mit Hilfe eines Feuchtthermometers ermittelt. Während die Lufttemperatur noch in einem Plusbereich liegt, können einer Apfelblüte - aus physikalischen Gründen - bereits Frostschäden drohen. Kurzum: Die Feuchttemperatur zeigt, was die Blüte „spürt“.
Die Empfindlichkeitsschwelle liegt bei den Äpfeln im Entwicklungsstadium Grüne Knospe bei minus vier Grad Celsius (Feuchttemperatur), bei der Roten Knospe bei minus zwei Grad Celsius und bei der Vollblüte ab Mitte/Ende April bei null Grad. In den frühen Stadien, wie der Grünen Spitze, sind es noch minus sieben Grad.
Altländer nutzen Frühwarnsystem
Viele Obstbauern nutzen ein Frostwarnsystem - gefüttert mit Daten mehrerer Wetterstationen auf den Plantagen und Prognosemodellen. So haben Erzeuger eine Vorwarnzeit, auch die Esteburg gibt Tipps. Die Alarm-SMS landet auf Smartphone oder Tablet. Bei den Kirschen ist lediglich eine nicht so effektive Unterkronenberegnung möglich.

Frostschutzberegnung: 35 Kubikmeter pro Hektar und Stunde werden im Schnitt in einer Nacht benötigt. Foto: Vasel
Mit einem Druck von knapp fünf Bar wird Wasser über die auf Stangen sitzenden Regner verteilt. Um die 35 Kubikmeter pro Hektar und Stunde werden im Schnitt in einer Nacht benötigt. Das sind drei Millionen Kubikmeter Wasser im Gebiet von Francop bis Balje. Zur Einordnung: Damit könnte man drei Millionen Badewannen füllen. 75 Kubikmeter Wasser in der Sekunde werden versprüht. Zum Vergleich: 500 Kubikmeter pro Sekunde fließen nach starken Regenfällen die Elbe hinunter.

Auch am Wochenende liefen Frostschutzberegnungsanlagen auf den Apfelplantagen im Alten Land. Foto: Vasel
Der Großteil kommt aus der Elbe und wird in Wettern, Gräben und 1200 Beregnungsteichen bis zur Oberkante für mehrere Nächte gespeichert. Köpcke: „Damit unterstützen wird auch die Grundwasserneubildung in der Marsch.“ Aktuell gibt es keine Probleme mit zu salz- oder eisenhaltigem Elbwasser. Die Brackwasserzone hat sich mit der Elbvertiefung flussaufwärts verschoben.
Das Geheimnis ist das Prinzip der Erstarrungswärme
Das Geheimnis ist das Wärme-durch-Kälte-Prinzip. Durch das ununterbrochene Besprühen der Plantage mit den Regnern wächst in Risikonächten mit polarer Kaltluft oder mit Spätfrösten eine Eisschicht um die Knospen und die Blüten. Dadurch entsteht die schützende Erstarrungswärme.

Eis umhüllt die Blüte eines Apfelbaumes. Foto: Vasel
Warum müssen die Blüten geschützt werden? Aus diesen entwickeln sich nach der Befruchtung und dem Abfallen der Blütenblätter die Äpfel. Fruchtfleisch ist letztlich der verdickte Blütenboden der Ursprungsblüte. Die Frostschutzberegnung ist „dank der guten Wasserverfügbarkeit an der Elbe ein großer Standortvorteil“, betont der Bundesvorsitzende der Fachgruppe Obstbau, Claus Schliecker, immer wieder.
Im Zuge der letzten Elbvertiefung (2020/2021) hatten sich die Obstbauern in Kehdingen und im Alten Land gegen einen Klageverzicht das Recht auf salzarmes Wasser erkämpft und sich 20 Millionen Euro mit dem Wasserbereitstellungsverband Niederelbe für ein Paket von Maßnahmen gesichert. Dazu zählen: Beregnungsteiche, Salinitätsmessstellen und Verschlechterungsklausel. Zur Erklärung: Zu viel Salz verbrennt Blüte, Frucht oder Blätter. Der Salzgehalt darf im Frühjahr 1,0 Gramm/Liter, im Sommer 0,5 Gramm/Liter nicht übersteigen.
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