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Naturphänomene

T24 Zentimeter und laut wie ein Lkw: Aber dieser Vogel bleibt inkognito

Der Wachtelkönig ist meist gut getarnt.

Der Wachtelkönig ist meist gut getarnt. Foto: Paulin

Der Vogel ist laut. Von melodiösem Singen keine Spur. Sein Ruf lässt sich mit Knarren oder Knattern beschreiben. Und er ist vom Aussterben bedroht.

Von Wolfgang Kurtze 30.06.2026, 11:00 Uhr

Landkreis. Sein wissenschaftlicher Name „Crex crex“ zielt lautmalerisch auf seinen unverkennbaren Ruf ab. In unmittelbarer Nähe dieses Krachmachers ließen sich bemerkenswerte 100 Dezibel messen. Das kommt dem Schalldruck eines lauten Lkw oder der Discolautstärke sehr nahe.

Doch über diesen Vogel weiß man längst nicht alles. Was wir wissen: Er ist sehr, sehr selten. Im ganzen Land Niedersachsen mag es allenfalls noch 40 Brutpaare geben. Vielleicht sind es auch nur 30 Paare, denn nicht jedes rufende Männchen findet eine Partnerin.

Der Wachtelkönig ist vom Aussterben bedroht

Deshalb ist der Wachtelkönig in der höchsten Gefährdungsstufe der Roten Liste aufgenommen: „Rote Liste Kategorie 1, vom Aussterben bedroht“. Der Wachtelkönig ist sehr anspruchsvoll, braucht hoch aufwachsende, feuchte Wiesen. Er ist ein Indikator für ein intaktes Ökosystem.

Sind Wachtelkönige in einem Habitat nachgewiesen, versuchen Umweltverbände und Behörden dieses, wenn möglich, unter Schutz zu stellen. Im Landkreis Stade gibt es noch vielleicht zehn Wachtelkönig-Paare. Schwerpunkt des minikleinen Vorkommens: Kehdingen.

Doch ausgerechnet im Süden des Landkreises machte der Vogel Schlagzeilen: Bekanntermaßen auch wegen des Schutzstatus des Wachtelkönigs wurden in Buxtehude die Planungen für den A26-Zubringer vom Gericht gekippt. Neue Gutachten und Planung wurden nötig.

Im Gras ist der schlechte Flieger sehr agil und beweglich

Es ist merkwürdig: Er ist sehr gut und fast kilometerweit zu hören. Doch nähert man sich ihm - dann ist er still und scheinbar verschwunden. Er duckt sich weg und kurz darauf ruft er an ganz anderer Stelle. Doch weshalb ist er nicht aufgeflogen, weshalb ließ er sich beim plötzlichen Ortswechsel nicht entdecken?

Der Vogel ist auf kurzen Strecken ein schlechter Flieger, aber im Gras sehr agil und beweglich. Er windet sich unglaublich elegant um Grasbüschel herum und ist dabei blitzschnell. Auch hilft sein Gefieder in Tarnfarbe, dass er inkognito bleibt. Und sollte sein Kopf kurz aus dem Gras schauen, ist er bald darauf wieder irgendwo verschwunden. In seltenen Fällen fliegt er doch; fünf Meter vielleicht.

Immer noch rätselhaft: Wo ist er im Winter und wie verläuft sein Zug? Ornithologen wissen, dass er als Langstreckenzieher im Herbst nach Afrika fliegt und dort überwintert. Doch die spärlichen Funde zeigen, dass er wohl keine Vorlieben und keine ausgeprägten Routen hat.

Wachtelkönige wurden zum Beispiel im tropischen mittleren Afrika, im Süden und Osten Afrikas oder sogar auf Madagaskar gefunden. Dass er über Meere und Wüsten so weit in den Süden fliegt, überrascht. Denn er ist keineswegs ein eleganter Flieger.

Wachtelkönig und Wachtel sind nicht miteinander verwandt

Ob Wachtelkönige ortstreu sind, ist nicht sicher. Denn es gibt Hinweise, dass die Brutgebiete von unterschiedlichen Vögeln und nicht von Vorjährigen besetzt werden könnten. Er ist eben ein geheimnisvoller Vagabund. Und noch weitere Fragen bleiben bisher unbeantwortet: Welcher der Partner führt die Jungen? Werden die Männchen von mehreren Weibchen begleitet? Wie lange halten die Partner zusammen?

Sein merkwürdiger Name Wachtelkönig wäre noch zu klären: Als Wiesenvogel wurde er früher oft zusammen mit Wachteln gesehen. In seiner Größe überragt er eine Wachtel. Die Größe einer Wachtel ist etwa 17, die des Wachtelkönigs circa 24 Zentimeter. Verwandt sind Wachtel und Wachtelkönig nicht. Denn eine Wachtel zählt zu den Hühnervögeln, ein Wachtelkönig zu den Rallen, er ist also ein Verwandter des Blässhuhns.

Der Autor, die Serie und das Buch

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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