Zähl Pixel
Ex-Handballerin

T250.000 Euro für Krebstherapie: Liv Süchtings Spendenaufruf geht viral

Nach der Krebsdiagnose rückten Süchtings sportlichen Erfolge in den Hintergrund.

Nach der Krebsdiagnose rückten Süchtings sportlichen Erfolge in den Hintergrund. Foto: Gofundme (nomo)

Ex-BSV-Kapitänin Liv Süchting kämpft gegen den Krebs und setzt ihre Hoffnung auf eine Behandlung im Ausland. In kurzer Zeit gehen Spenden in sechsstelliger Höhe ein.

author
Von Tim Scholz
24.07.2026, 11:30 Uhr

Landkreis. „Hey, mein Name ist Liv Süchting und ich bin 26 Jahre alt.“ So beginnt Liv Süchting ihre Videobotschaft, die sie am Donnerstagnachmittag auf Instagram veröffentlicht hat. Erst lächelt sie in die Kamera, dann wird sie ernst.

„Mit 22 wurde mir die Diagnose schwarzer Hautkrebs im Stadium IV - mit Metastasen in mehreren Organen - gestellt. Innerhalb von einem Moment hat sich mein Leben komplett auf den Kopf gestellt.“

Vor drei Jahren wird schwere Erkrankung bekannt

Süchting war Leistungssportlerin, führte den Buxtehuder SV als Kapitänin in der 1. Bundesliga an und gewann mit der deutschen Nationalmannschaft im Beachhandball alle großen Titel.

Im Juni 2023 machte der BSV ihre Krebserkrankung öffentlich, verbunden mit einer guten Nachricht: Ein bösartiger Gehirntumor war bereits komplett entfernt worden. Körperlich fühlte sie sich gut. Doch weitere Therapien sollten folgen.

„Ich kämpfe jetzt schlichtweg ums Überleben“

Süchting sagt, dass ihre sportlichen Erfolge nach der Diagnose an Bedeutung verloren hätten. „Denn jetzt kämpfe ich nicht mehr wie vorher um Tore, Punkte oder Medaillen, sondern um meine Zukunft und schlichtweg ums Überleben.“

Liv Süchting (Mitte) absolvierte 81 Partien für den Buxtehuder SV und erzielte 198 Tore.

Liv Süchting (Mitte) absolvierte 81 Partien für den Buxtehuder SV und erzielte 198 Tore. Foto: Jan Iso Jürgens

Seit der Diagnose habe sie zahlreiche Immuntherapien, Chemotherapien, Bestrahlungen sowie standardisierte und experimentelle Behandlungen durchlaufen und damit „alle Möglichkeiten“ ausgeschöpft, die in Deutschland und der EU derzeit zur Verfügung stünden, erklärt sie, „leider bisher ohne den erhofften Erfolg“.

Warum Süchting auf Unterstützung angewiesen ist

Ihre größte Hoffnung setzt Süchting jetzt in eine sogenannte TIL-Therapie (Tumorinfiltrierende Lymphozyten). Dabei werden körpereigene Immunzellen aus dem Tumor entnommen, im Labor vermehrt und wieder in den Körper zurückgegeben, um den Krebs gezielt zu bekämpfen.

Laut Süchting wird diese Therapie vereinzelt auch in der EU angeboten, jedoch erfüllt sie dafür nicht die Voraussetzungen. „Als einzige Alternative ist daher eine Behandlung im EU-Ausland realistisch“, sagt sie. Dafür gebe es bereits ein konkretes Angebot. Die Behandlung könne „zumindest in der Theorie“ morgen beginnen.

Liv Süchting spielte mit dem BSV 2022 beim Final Four in Stuttgart um den DHB-Pokal.

Liv Süchting spielte mit dem BSV 2022 beim Final Four in Stuttgart um den DHB-Pokal. Foto: Felix Schlikis/Lobeca.de

Die Kosten belaufen sich nach Süchtings Angaben auf rund 250.000 Euro. Da ihre gesetzliche Krankenkasse für die Behandlung nicht aufkomme, sei sie auf Unterstützung angewiesen.

Tausende Menschen folgen dem Aufruf

Der Spendenaufruf ging am Donnerstag innerhalb kurzer Zeit viral, besonders in der Handball-Community. Zahlreiche ehemalige Mitspielerinnen teilten den Beitrag in den Sozialen Netzwerken, genau wie der Deutsche Handballbund (DHB), die Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) und der BSV. „Lasst uns alles Menschenmögliche versuchen für Liv“, kommentierte die ehemalige BSV-Kapitänin Isabelle Axmann (ehemals Dölle). Zu den Spendern gehörte unter anderem der deutsche Nationalspieler Marko Grgic.

Liv Süchting (Nr. 2) war Kapitänin und Abwehrchefin des BSV.

Liv Süchting (Nr. 2) war Kapitänin und Abwehrchefin des BSV. Foto: Jan Iso Jürgens

Bereits wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Kampagne waren laut der Crowdfunding-Plattform Gofundme über 53.300 Euro von mehr als 1000 Menschen gespendet worden. Nach drei Stunden waren es schon 93.000 Euro. Um 23 Uhr wurde die Marke von 200.000 Euro überschritten - bis dahin sind knapp 5500 Menschen dem Spendenaufruf gefolgt.

Am Freitagmorgen war das Spendenziel von 250.000 Euro längst erreicht.

Was ist Gofundme?

Auf der Plattform Gofundme werden Spenden für unterschiedliche Zwecke gesammelt. Dahinter steckt die Idee des „Crowdfunding“, eine Art Gruppenfinanzierung. Über Einzelspenden soll dabei ein gewisses Spendenziel erreicht werden, manche sind aber auch nach oben offen. Jeder kann eine Spendenkampagne starten, entweder für sich selbst oder für andere. Das Unternehmen ist Weltmarktführer in Sachen Crowdfunding. In Deutschland gibt es vergleichbare, kleinere Anbieter wie betterplace.org.

Erst vor wenigen Wochen sorgte eine Gofundme-Kampagne in der Region für große Aufmerksamkeit. Damit wurde für zwei Kinder gesammelt, die bei der Gewalttat mit sechs Toten in Stade ihre Mutter und kurz zuvor bereits ihren Vater verloren hatten und nun Vollwaisen sind. Bei dieser Kampagne sind inzwischen mehr als 800.000 Euro zusammengekommen.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel