Mutter in Stade getötet: Mehr als 785.000 Euro für Waisen gespendet
Die Anteilnahme ist auch im Stader Stadtbild allgegenwärtig. Foto: Carsten Neff/dpa
Die Welle der Hilfsbereitschaft nach der Gewalttat in Stade ist enorm - nicht nur bei einem Spendenaufruf für zwei kleine Kinder. Ein Überblick.
Stade. Nach den tödlichen Schüssen in Stade nehmen zahlreiche Menschen Anteil am Schicksal der sechs Opfer - auf der Straße, in der Kirche oder in Trauerbekundungen im Internet, in Stade wie in der Region Hannover. Zehntausende drücken ihre Unterstützung auch in Form von Spenden aus. Für die beiden kleinen Kinder, drei und vier Jahre alt, deren Mutter getötet wurde und die bereits zuvor ihren Vater verloren hatten, kamen über die Spendenplattform Gofundme nach fünf Tagen mehr als 785.000 Euro zusammen.
„Es gibt Schicksale, für die es keine Worte gibt. Zwei kleine Herzen brauchen unsere Hilfe“, so emotional steht es in dem Spendenaufruf. Mehr als 29.500 Einzelspenden sind laut Plattform eingegangen. Der höchste Betrag beträgt 10.000 Euro.
Über die getötete 32-jährige Mutter heißt es: „Sie war eine außergewöhnliche Frau. Eine liebevolle Mutter, eine starke Persönlichkeit und ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen. Auch nach dem Verlust ihres Mannes blieb sie stark und kämpfte jeden Tag für ihre beiden Kinder.“
Vormund der Kinder soll Spenden erhalten
Mit dem Geld soll den Kindern ein möglichst sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden. Dabei gehe es um Versorgung, Betreuung, Bildung, mögliche therapeutische Unterstützung sowie Kosten rund um die Beerdigung. Wie der weitere Weg der Kinder aussehe, sei noch ungewiss.
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Initiatoren und Spender sind mit Klarnamen benannt. „Die allererste Auszahlung wird erst eingeleitet, nachdem das Bankkonto und die persönlichen Daten vollständig verifiziert wurden“, heißt es von Gofundme. Auch anschließend kann weiter gespendet werden.
Stader Kita-Kreiselternrat schafft Spendenkommission
Die Spendenaktion ist nicht die einzige von Privatpersonen auf der Plattform. Auch der Stader Kita-Kreiselternrat sammelt Geld für die Hinterbliebenen aller sechs Opfer. Es gehe um „Menschen, die ihren Beruf nicht gewählt haben, um reich zu werden oder Anerkennung zu erhalten“, schreibt Andreas Neumann im Namen des Elternrates. Sie hätten sich jeden Tag für diejenigen eingesetzt, die Hilfe am dringendsten brauchen: für Kinder, Mütter und Familien in schwierigen Lebenssituationen.
Rund 41.000 Euro sind mit Stand am Montagnachmittag (6. Juli) zusammengekommen. 45.000 Euro haben sich die Organisatoren als Ziel gesetzt. Es sei eine unabhängige Spendenkommission gebildet worden. Diese erarbeite Kriterien, die für eine „transparente und verantwortungsvolle“ Verteilung des Geldes an die Hinterbliebenen sorgen sollen.
Neben den Vorsitzenden des Kreiselternrates, Andreas Neumann und Katharina Brüggemann, gehören der Kommission Stadtrat Carsten Brokelmann, St.-Wilhadi-Pastorin Ann-Katrin Hamsch sowie TAGEBLATT-Chefreporterin Anping Richter an.
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Spendenaufruf für Schwester nach Schließung in Stade
Via Gofundme lassen sich weitere Spendenaufrufe mit Bezug zur Gewalttat in Stade finden. Darunter sind laut Plattform auch Stader Initiatoren. Ihre Aufrufe erhielten kaum nennenswerte Spendeneingänge (0 bis 10 Euro).
Seinen Spendenzweck hat dagegen der Aufruf von Danny Meyer mit zusammengekommenen 1.805 Euro bereits erfüllt. Sie sammele für ihre Schwester, die mit ihrem Sohn in der Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße lebte. Nach den tödlichen Schüssen habe ihre Schwester in eine Einrichtung nach Schleswig-Holstein umziehen müssen. Es entstünden Ausgaben des täglichen Lebens, „die sie in ihrer derzeitigen Situation vor große Herausforderungen stellen“, schreibt Danny Meyer.
Nun sei der Bedarf gedeckt, weitere Spenden seien zwar möglich, aber nicht mehr notwendig. „Dank eurer Hilfe ist inzwischen eine Summe zusammengekommen, die ausreicht, um den notwendigen Bedarf meiner Schwester zu decken. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ihr habt ihr nicht nur finanziell geholfen, sondern ihr auch das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein“, heißt es in einem weiteren Statement.
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Nach Stade: Kirchenkreis öffnet Spendenkonto für Betroffene
Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hannover richtete in Absprache mit der Region ein Spendenkonto für die Soforthilfe ein. Das Ziel sei es, die Betroffenen und ihre Familien schnell und unbürokratisch zu unterstützen, teilte der Kirchenkreis mit.
„Die Ereignisse haben uns alle tief getroffen. Jetzt ist es wichtig, zusammenzustehen und den Menschen zu helfen, die am stärksten betroffen sind“, sagt Jens Palandt (Grüne), Erster Regionsrat der Region Hannover. (dpa/st/gh)
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