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Ende einer Ära

TAbschied von den Elbe Kliniken: Kai Holms Pläne für den Ruhestand

Kai Holm und ein Blick auf seinen Arbeitsplatz in den vergangenen vier Jahrzehnten.

Kai Holm und ein Blick auf seinen Arbeitsplatz in den vergangenen vier Jahrzehnten. Foto: Wisser

Der Betriebsratsvorsitzende Kai Holm verabschiedet sich. Ein Blick auf seine bewegte Amtszeit, geprägt von Höhen und Tiefen, Konflikten und Erfolgen.

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Von Karsten Wisser
Freitag, 17.04.2026, 23:19 Uhr

Landkreis. Bei Kai Holm deutet alles auf Abschied hin. Noch vor wenigen Tagen schmückten Fotos von Urlaubsreisen die Wände seines Büros im zweiten Stock von Haus 3 im Elbe Klinikum Stade. Jetzt sind sie abgehängt und in die Wohnung des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der Elbe Kliniken Stade und Buxtehude umgezogen.

So sah Kai Holm 1985 aus.

So sah Kai Holm 1985 aus. Foto: privat

Nach 30 Jahren als freigestellter Betriebsratsvorsitzender und 34 Jahren im Betriebsrat des größten Arbeitgebers im Landkreis Stade endet Holms Ära am kommenden Dienstag. Die rund 2100 Beschäftigten in Stade wählen derzeit einen neuen, 19-köpfigen Betriebsrat. Der 62-Jährige tritt nicht mehr an. Nach insgesamt 41 Jahren geht er in den Ruhestand. 1985 hatte er als Anästhesiepfleger angefangen.

Zeitpunkt des Abschieds selbst bestimmt

„Am Dienstag wird meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger für den Stader Betriebsratsvorsitz gewählt. Ich gebe meine Schlüssel ab, und dann ist Schluss“, beschreibt Holm seinen letzten Arbeitstag. Er hinterlasse ein gut bestelltes Feld und hoffe auf engagierte Nachfolger. „Es freut mich sehr, dass ich ohne Wahlniederlage oder Abwahl selbst den Zeitpunkt meines Rückzugs bestimmen konnte“, sagt er.

Auch der neue Gesamtbetriebsratsvorsitzende könnte am Dienstag feststehen. Die Betriebsratsvorsitzenden und ihre Stellvertreter aus Stade und Buxtehude wählen ihn gemeinsam. Insgesamt arbeiten an beiden Standorten der Elbe Kliniken über 3000 Beschäftigte.

„Meine Stimmung schwankt“, gibt Holm zu. Manche Projekte und Termine werde er vermissen. „Aber es gibt auch die australische Variante: Probleme, die wie ein Bumerang immer wieder auftauchen“, sagt er. Da sei es gut, wenn sich neue, jüngere Kollegen daran versuchen.

Bruch mit der Gewerkschaft zum Schluss

Holms letzte Amtsmonate verlaufen nicht konfliktfrei. Für die Betriebsratswahlen im Elbe Klinikum Stade treten drei konkurrierende Listen an. Erstmals seit Jahren gibt es wieder eine Gewerkschaftsliste. Holm hatte – abgesehen von seinen ersten beiden Amtszeiten – stets unabhängige Listen aufgestellt. Diesmal gab neben der Verdi-Liste zwei unabhängige Listen, die sich zur Wahl stellten. Gewonnen hat die Wahl die Holm-nahe Liste vom bisherigen zweiten Vorsitzenden Oliver Schulze. Sie holte zwölf Sitze, Verdi kam auf sechs Sitze und die zweite unabhängige Liste kam auf einen Sitz. Schulze hat damit gute Aussichten, Nachfolger von Holm zu werden.

Dass Verdi-Gewerkschaftssekretäre laut Holm ohne Absprache mit dem Betriebsrat für ihre eigene Liste im Klinikum geworben haben, führte Ende des vergangenen Jahres zum Bruch. Holm trat bei Verdi aus. „Mir hat es endgültig gereicht“, sagt Holm. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad liege in Stade bei unter fünf Prozent. Mit Verdi habe es ohnehin oft Streit gegeben: „Wir brauchen Lösungen, die vor Ort funktionieren und keine Vorgaben aus irgendwelchen Zentralen“, betont er.

1992 wurde Holm erstmals in den Betriebsrat gewählt, vier Jahre später übernahm er den Vorsitz. Damals hieß es noch Personalratsvorsitzender im Städtischen Krankenhaus Stade.

Beschäftigte wählen Holm sieben Mal wieder

In seiner Amtszeit erlebte er so manchen Sturm. „Trotzdem hat mich die Belegschaft sieben Mal wiedergewählt“, sagt Holm stolz. Die Gründung der Krankenhaus-GmbH und die Fusion mit dem Kreiskrankenhaus Buxtehude zu den Elbe Kliniken 1999 fielen in diese Zeit. „Ein Tiefpunkt war der Austritt aus dem Tarif des öffentlichen Dienstes 2006“, erinnert er sich. Inzwischen verdienen die Beschäftigten in vielen Bereichen wieder auf Tarifniveau.

Ein weiterer emotionaler Tiefpunkt: die Abgabe der Anteile der Stadt Stade an den Elbe Kliniken. Seit 2023 ist der Landkreis Stade alleiniger Träger der beiden Krankenhäuser. „Das war, als würde man ein Baby zur Adoption freigeben. Das hat wehgetan“, sagt Holm.

27 der 30 Jahre als Gesamtbetriebsratsvorsitzender war Siegfried Ristau als Geschäftsführer sein Verhandlungs- und Gesprächspartner. „Unser Verhältnis war von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt“, sagt Holm. Wichtig sei gewesen, dass die Zusammenarbeit auch bei Meinungsverschiedenheiten funktionierte. Kritik an seiner Nähe zur Geschäftsleitung stört ihn nicht: „Wir müssen aufpassen, dass die Fähigkeit zu Kompromissen in der Gesellschaft nicht völlig verloren geht.“

Das macht Kai Holm ab nächsten Dienstag

Bis zur Kommunalwahl 2026 bleibt Holm als SPD-Fraktionsvorsitzender im Stader Stadtrat und im Kreistag aktiv.

In seiner Wohnung warten zwei Räume darauf, aufgeräumt zu werden. Dort lagern 20.000 CDs, 3000 LPs und 10.000 Film-DVDs. In den Urlauben erkundet Holm mit seiner Frau Renate seit über 25 Jahren griechische Inseln per Motorrad. Dafür bleibt nun mehr Zeit. „Ab Mittwoch habe ich Zeit, aufzuräumen und zu reisen. Die Elbe Kliniken sind für die Zukunft gut aufgestellt. Es lief sicher nicht immer alles optimal, aber oft besser, als manche Schwarzmaler behaupten“, sagt er.

Einblick in Kai Holms Musik- und Filmzimmer

00:38 min
privat

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