TAltholzkraftwerk-Pläne im Stader Industriepark: Airbus springt ab
Direkt neben den Anlagen der AOS mit ihrer roten Erde will Hansekraft das Holzkraftwerk betreiben. Foto: Hansekraft
Eigentlich sollte der Genehmigungsantrag für das Altholzkraftwerk bis Ende 2025 gestellt werden. Das verzögert sich - und Airbus ist als Fernwärme-Abnehmer abgesprungen. Was bedeutet das fürs Projekt?
1. Wie ist der aktuelle Projektstand?
Die Firma Hansekraft will im Industriepark an der Elbe das größte Altholzkraftwerk Deutschlands bauen. Mit der Ende 2025 angekündigten Abgabe der Genehmigungsunterlagen hat es nicht geklappt. Jetzt steht „Anfang 2026“ im Zeitplan.
Man arbeite noch an den Genehmigungsunterlagen, die „zeitnah“ finalisiert und eingereicht werden sollen, teilt ein Hansekraft-Sprecher mit. Es handele sich um „eine Anpassung gegenüber der ursprünglichen Planung aufgrund der Komplexität der Gutachten und der engen Abstimmung mit den Behörden“.
Die Eigentümer des Grundstücks hatten einst am gleichen Standort eine Müllverbrennungsanlage geplant, was aber scheiterte. Jetzt sind sie bei Hansekraft als Gesellschafter mit im Boot. Der Rückbau der alten Anlagen wurde laut Hansekraft schon Ende 2025 abgeschlossen.
2. Was bedeutet der Ausstieg von Airbus für die kommunale Wärmeplanung der Stadt Stade?
Anders als bisher läuft es auch bei der möglichen Fernwärme-Vermarktung: Bisher war immer die Rede davon, darüber nicht nur Stader Haushalte, sondern auch den Airbus-Standort zu versorgen. Die Stader Stadtwerke haben dazu mit Hansekraft bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet und eine kommunale Wärmeplanung erstellt, die dies einbezieht.
Dass Airbus bei diesen Planungen nun nicht mehr im Boot ist, scheint die Stadt nicht als Problem zu sehen. „Eine Fernwärmeversorgung in Bützfleth ist erst einmal unabhängig von einer Abnahme durch Airbus zu sehen und nach wie vor Gegenstand von Gesprächen zwischen den Stadtwerken Stade und der Firma Hansekraft Stade“, heißt es auf TAGEBLATT-Nachfrage.
Anbindung des Stader Südens mit Fernwärme wird geprüft
Doch Synergieeffekte in Form einer Leitung zu Airbus in Ottenbeck fallen dadurch offenbar weg. In verschiedenen Bereichen des Stadtgebiets (Wärmenetzeignungsgebieten) würde sich Fernwärme zwar anbieten, aber die Stadt kündigt jetzt an, sie wolle „sorgfältig prüfen“, ob es sich trotzdem lohnt, eine weitere Leitung in Richtung Süden der Stadt zu verlegen. Aufgrund großer Leitungslängen wären damit hohe Investitionskosten verbunden.
„Insbesondere aktuelle Anpassungen von Fördermöglichkeiten durch den Bund müssen geprüft werden, alle Beteiligten sind diesbezüglich im regen Austausch“, teilt ein Sprecher mit. Die Stadt Stade hat ihre kommunale Wärmeplanung ohnehin mit zwei Szenarios erstellt: mit und ohne Altholzkraftwerk.
3. Warum ist Airbus ausgestiegen?
Das hat das TAGEBLATT den Flugzeugbauer natürlich gefragt. Die Antwort von Airbus: „Wir möchten hierzu keinen Kommentar abgeben.“
4. Wie geht es mit dem Projekt weiter?
Laut Hansekraft ändert sich nichts an der inhaltlichen Planung. Das Altholzkraftwerk sei „passgenau auf die Bedürfnisse des Industrieparks Stade zugeschnitten“. 500.000 Tonnen Altholz, auch aus dem europäischen Ausland, sollen jährlich verbrannt werden und vor allem Prozesswärme für die Industrie liefern - in Form von 1,2 Millionen Megawattstunden Hochdruckdampf pro Jahr.
Außerdem sollen 300.000 Megawattstunden Strom und 150.000 Megawattstunden Wärme pro Jahr erzeugt werden. „Darüber hinaus bieten wir den Stadtwerken die Möglichkeit, nachhaltige Fernwärme über uns zu beziehen“, teilt die Hansekraft mit. Das Angebot steht also nach wie vor.
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Was den Airbus-Absprung angeht, hält sich Hansekraft auf Nachfrage bedeckt: „Die Wärmeplanung liegt in der Verantwortung der Stadtwerke Stade. Zu einzelnen Abnehmern können wir uns nicht äußern.“
Mit dem Genehmigungsantrag soll außerdem auch eine CO₂-Abscheideanlage für 10.000 Tonnen pro Jahr eingereicht werden. Abnehmer sollen sich vor Ort finden: CO₂ kommt in Produktionsprozessen der chemischen Industrie zum Einsatz. „Wenn wir den Absatz gesichert haben, soll die Abscheideanlage ab Inbetriebnahme der Anlage laufen“, teilt Hansekraft mit.
Außerdem soll die Anlage nach der Inbetriebnahme EMAS-zertifiziert werden. EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“ und meint eine freiwillige Umweltzertifizierung für Unternehmen auf Basis einer EU-Verordnung. In der Regel seien 6 bis 12 Monate Betriebszeit erforderlich, bis die nötigen Betriebsdaten vorliegen, um die Umsetzung des Umweltmanagementsystems nachzuweisen.
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