TAnalyse: Gewinner und Verlierer der Stader Kreistagswahl
Die SPD-Unterbezirkschefin und Landtagsabgeordnete Corinna Lange gratuliert CDU-Landrat Kai Seefried zur Wiederwahl. Foto: Wisser
Die Kreistagswahl im Landkreis Stade bringt einen politischen Umbruch: Die AfD vervierfacht ihre Mandate. Die Wahlbeteiligung steigt deutlich.
Landkreis. Die härteste Kommunalwahl aller Zeiten: Noch nie mussten so viele Stimmen im Landkreis Stade ausgezählt werden wie bei dieser Kommunalwahl. Dafür gab es zwei Gründe. Erstens: die hohe Wahlbeteiligung. Zweitens: Noch nie wurden Landrat, alle hauptamtlichen Bürgermeister und alle Räte auf einmal gewählt. Entsprechend lange dauerte das Auszählen. Der Kreistag war erst gegen 2.48 Uhr vollständig. Die letzten Kreismitarbeiter konnten das Kreishaus erst um 6 Uhr am Montagmorgen verlassen. Auch in den Rathäusern dauerte das Warten auf die letzten Ergebnisse oft bis weit nach Mitternacht.
Die Gewinner: Erwartungsgemäß war die AfD die große Gewinnerin der Kreistagswahl. Sie vervierfachte ihre Zahl der Mandate fast. Statt wie bisher mit drei zieht sie nun mit elf Abgeordneten in den Kreistag ein. „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, hatten uns aber noch etwas mehr erhofft“, sagt AfD-Sprecher Helmut Wiegers. Trotzdem sagt er: „Ich kann mich an keinen vergleichbaren Umbruch bei einer einzigen Wahl erinnern.“
Die Sitzverteilung im Stader Kreistag. Foto: KDO
Zu den Gewinnern gehört auch die Linkspartei. Sie verdoppelte ihre Zahl der Sitze im Vergleich zur Kommunalwahl 2021 von zwei auf vier.
Mit Volt und dem BSW zogen zudem erstmals zwei Parteien mit jeweils einem Sitz in das höchste Entscheidungsgremium im Landkreis Stade ein.
Die CDU bleibt im Landkreis Stade die stärkste politische Kraft. Von 62 Sitzen im Stader Kreistag holten die Christdemokraten 18. Allerdings verlor die CDU zwei Sitze. „Die Parteien der Mitte haben verloren, die Ränder gewonnen“, fasste der CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Helmut Dammann-Tamke das Wahlergebnis zusammen.
Die Verlierer: Die SPD behauptete mit zwölf Mandaten zwar Platz zwei vor der AfD, verlor aber vier Sitze. Dem negativen Bundestrend konnten sich die Sozialdemokraten nicht entziehen. Es könnte ein Fehler gewesen sein, keinen eigenen Landratskandidaten aufzustellen. Im Vergleich zur CDU fehlt der SPD die Vielzahl an Kandidaten, die viele persönliche Stimmen bekommen.

Stader Ex-SPD-Bürgermeisterin Silvia Nieber bekam die meisten persönlichen Stimmen für ihre Partei. Helmut Dammann-Tamke, Fraktionsvorsitzender der CDU, lag in dieser Wertung aber noch besser. Foto: Wisser
Die meisten Stimmen erhielt Silvia Nieber. Sie ist seit sieben Jahren nicht mehr Bürgermeisterin von Stade. Trotzdem führt sie die SPD bei den persönlichen Stimmen deutlich an.
Zu den Verlierern gehört auch die FDP. Die Liberalen halbierten ihre Sitzzahl von vier auf zwei. Grüne (7 Sitze / minus 2) und Freie Wählergemeinschaft (6 Sitze / minus 1) überstanden die Wahl einigermaßen unbeschadet. „Unser Ergebnis hätte besser sein müssen, aber wir bleiben zweitstärkste Kraft“, kommentiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Björn Protze das Ergebnis.
Der Landrat: Mit fast 80 Prozent der Stimmen bekam Kai Seefried eine eindrucksvolle Bestätigung seiner Arbeit. Jetzt zeigt sich, dass das auch im Vergleich ein herausragender Wert ist. Kein Landrat mit einem Gegenkandidaten erhielt am Wahlsonntag in Niedersachsen einen höheren Stimmenanteil. Selbst Kandidaten ohne Gegenkandidaten erreichten kein solches Traumergebnis. Zum Vergleich: Der Rotenburger CDU-Landrat Marco Prietz erhielt ohne Mitbewerber 66 Prozent. Der Stader AfD-Gegenkandidat Werner Jacobs erhielt gut 20 Prozent der Stimmen.

AfD-Landratskandidat Werner Jacobs kam alleine in den Stader Kreistag. Foto: Wisser
Wo war die AfD? Der AfD-Landratskandidat Jacobs stand ganz allein im Kreishaus, um am Ende dem Sieger Seefried zu gratulieren. Seine Parteikollegen hatten sich allerdings nicht ohne ihren Spitzenmann auf eine Wahlparty zurückgezogen. Die gab es bei der AfD gar nicht. Viele waren großflächig ausgeschwärmt, um die Auszählung der Stimmen als Wahlbeobachter zu kontrollieren. Laut AfD konnten keine Unregelmäßigkeiten festgestellt werden.
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Die Wahlbeteiligung: Die Polarisierung nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die Wahlbeteiligung offenbar erheblich gesteigert. 65,26 Prozent der 172.500 Wahlberechtigten gingen wählen. Vor fünf Jahren waren es 57,02 Prozent. Das ist ein sattes Plus von über acht Prozent.
Die Eröffnung des Kreistags: Bisher hätte der älteste Abgeordnete den Beginn der konstituierenden Sitzung am 9. November so lange geleitet, bis der Kreistag einen neuen Vorsitzenden gewählt hätte. Das hat die niedersächsische Landesregierung in diesem Jahr geändert. Jetzt übernimmt diese Aufgabe der dienstälteste Abgeordnete. Das ist der Buxtehuder CDU-Kreistagsabgeordnete Robert Kamprad. Er gehört dem Kreistag seit 1991 an. Der älteste Abgeordnete ist übrigens ebenfalls ein Buxtehuder: der AfD-Kreistagsabgeordnete Helmut Wiegers (78). Die AfD stellt mit Helge Soltau (25) zudem den jüngsten Abgeordneten.
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Das sind die zwölf besten Wahlkämpfer im Landkreis Stade: Helmut Dammann-Tamke (CDU, 4527 Stimmen), Uwe Arndt (FWG, 4370), Birgit Butter (CDU, 3898), Sebastian Sieg (AfD, 3242), Sandra Lemmermann (CDU, 2919), Silvia Nieber (SPD, 2550), Susanne de Bruijn (FWG, 2490), Philipp Röndigs (CDU, 2417), Melanie Reinecke (CDU, 2276), Horst Wilkens (CDU, 2214), Katharina Mewes (FWG, 2196) und Matthias Wolff (CDU, 2189).
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