TArzttermin auf die Schnelle – via Bildschirm in Buxtehuder Apotheke
Apotheker Alexander Stüwe sitzt neben dem Telemedizin-Terminal. Foto: Sulzyc
Einen Arzttermin zu erhalten, gelingt selten schnell. Eine Apotheke in Buxtehude bietet eine Lösung an: eine Sprechstunde beim Telemediziner. Wie funktioniert das?
Buxtehude. Wer keinen Hausarzt hat oder ihn nicht erreicht, kann inzwischen in einigen Apotheken per Videosprechstunde ein Rezept oder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommen. Im Landkreis Stade ist die Brücken-Apotheke in Buxtehude einer der Pioniere in der sogenannten assistierten Telemedizin.
Früheres Büro mit Bildschirm wird zum Sprechzimmer
Zu den Sprechzeiten betritt der Patient einen speziellen Telemedizinraum. Eine vorherige Terminvereinbarung ist nicht erforderlich. Die etwa drei Quadratmeter kleine Kabine, früher als Büro genutzt, ist das Sprechzimmer. Ein Monitor, ein Stuhl - mehr enthält es nicht.
Die Gesundheitsdaten würden verschlüsselt an den behandelnden Arzt übermittelt, sagt Apotheker Alexander Stüwe. Die Telemedizin-Technik in der Brücken-Apotheke stammt vom niedersächsischen Unternehmen Symptox mit Sitz in Hannover. Laut Stüwe habe es 100 Apotheken in Deutschland mit seinen Telemedizingeräten ausgerüstet - eine davon ist seine in Buxtehude.

Dem Patienten begegnet zunächst ein Avatar in Gestalt einer Ärztin. Die grafische Figur mit niedlichen Kulleraugen hört sich die Ersteinschätzung des Patienten an und bereitet den Arztkontakt vor. Foto: Sulzyc
Patient und Telemediziner bleiben in der Sprechstunde unter sich. Auf Wunsch unterstützt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Apotheke den Patienten bei der Anmeldung und Anwendung der Technik.
Wie beim Besuch in der Arztpraxis auch, bringt der Patient seine Versichertenkarte mit. Zu Beginn steckt er sie in ein Kartenlesegerät.
Gesetzliche Krankenversicherung (GVK) oder private Krankenversicherung (PKV)? Dies will das Telemedizingerät zunächst wissen. Der Monitor lässt sich bedienen wie der Berührbildschirm eines Smartphones - also Entsprechendes mit dem Finger auf dem Touchscreen antippen. „Bei PKV oder Selbstzahler geht es nicht schneller“, sagt Stüwe.
Dem Patienten am Bildschirm begegnet zunächst ein Avatar in Gestalt einer Ärztin. Eine grafische Figur mit niedlichen Kulleraugen. Eine Frau vielleicht auch deshalb, weil der Anteil von Ärztinnen in der Fachrichtung Allgemeinmedizin mittlerweile mehr als die Hälfte ausmacht. 65 Prozent der Studierenden im Medizinstudium sind Frauen.
Patienten können unter 18 Sprachen auswählen
Der Patient macht wie bei einem Fragebogen in der Arztpraxis Angaben zu Beschwerden und Medikamenten, die er einnimmt. 18 unterschiedliche Sprachen sieht das Telemedizingerät vor - sogar Arabisch, Dänisch oder Farsi.
Fieber? Übelkeit? Mit dem Finger tippt der Patient auf dem Bildschirm auf vorgefertigte Antworten. 32 Körperpartien hat er zum Beispiel zur Auswahl, um den Ort der Beschwerden deutlich zu machen: vom Kopf bis zur Ferse.
Hinweis auf Herzinfarkt: Gerät schlägt Alarm
Sollte diese Ersteinschätzung zu dem Ergebnis gelangen, dass der Patient ein medizinischer Notfall ist, reagiert das Gerät. „Es gibt einen lauten Alarm“, sagt Apotheker Stüwe. „Wir würden dann anbieten, einen Rettungswagen zu rufen.“
Das dürfte die Ausnahme sein. In der Regel geht es in der Telesprechstunde um andere Fälle: zum Beispiel Erkältungsbeschwerden, Ohrenschmerzen oder Hautveränderungen.
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Der Avatar wirkt die ganze Zeit über trotz begrenzter Mimik verständnisvoll. Die Figur mit den Kulleraugen stellt über Mikrofon Fragen, die der Patient mündlich beantwortet. Am Ende der Ersteinschätzung fasst die namenlose Computerfigur das Ergebnis zusammen und bereitet den Arztkontakt vor.
Warteschleifenmusik erklingt. Etwa zehn Minuten wartet der Patient. Dann erhält der Patient per Video ein Gespräch mit einem Menschen, einem echten Hausarzt. Die Telemediziner am anderen Ende der Leitung sitzen irgendwo in Deutschland. Alles in allem dauert der Arzttermin in der Apotheke 20 bis 25 Minuten.
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Der Versorgungsgrad mit Hausärzten in Buxtehude und Umgebung liege bei 88,6 Prozent, sagt Apotheker Stüwe. Die Zahl beruhe auf der Kassenärztlichen Vereinigung. Die assistierte Telemedizin gilt als eine Antwort auf den Hausärztemangel.
Was hat die Apotheke davon?
Laut dem Unternehmen Symptox darf der Apotheker im ersten Jahr pro assistiertem telemedizinischem Vorgang 30 Euro abrechnen. Entsteht ein Rezept aus der hausärztlichen Videosprechstunde, hofft der Apotheker, dass die Leute es bei ihm einlösen.
Die aktuellen Telemedizin-Sprechzeiten in der Brücken-Apotheke in Buxtehude:
- Dienstag 10 bis 14 Uhr
- Mittwoch 10 bis 18 Uhr
- Donnerstag 10 bis 14 Uhr
- Freitag 10 bis 18 Uhr
- Sonnabend 9 bis 13 Uhr.
Eine vorherige Terminvereinbarung ist nicht erforderlich.
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