TAuf Auswärtsfahrt: Die Sorgen des BSV-Fans Hans-Hinrich Eckhoff
Hans-Hinrich Eckhoff ist seit knapp zehn Jahren Fanclub-Mitglied. Foto: Scholz
Hans-Hinrich Eckhoff fährt mit dem Fanbus nach Halle, tippt auf den ersten BSV-Sieg. Doch auf der Rückfahrt sagt er resigniert: „Es ist alles beim Alten.“ Eine Reportage.
Landkreis. Christine Haase, Vorsitzende des Fanclubs Has‘ und Igel, geht von Reihe zu Reihe, von vorne nach hinten, notiert die Tipps der Fans. Jeder gibt seinen Einsatz ab: einen Euro. „Bis jetzt haben alle auf Sieg Buxtehude gesetzt“, sagt sie.
Bei Hans-Hinrich Eckhoff ist es nicht anders. Sein Tipp: 31:27 für den BSV. „Ich tippe eigentlich schon realistisch, nach Möglichkeit aber auf Sieg Buxtehude“, erklärt er. Eckhoff, Jahrgang 1960, sitzt am Gang, Reihe zwölf, blaues Fanclub-Shirt, BSV-Schal um den Hals. Er ist einer von rund 140 Mitgliedern, heute fahren zwanzig mit zum Auswärtsspiel nach Halle in Sachsen-Anhalt.
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„Ich bin zuversichtlich und glaube, dass wir eine realistische Chance auf den ersten Sieg haben“, sagt er.
Trommeln, Kuchen und Bier an Bord
Die Hinfahrt: Mit Verspätung setzt sich der Bus um 12.17 Uhr an der alten Halle Nord in Bewegung, beladen mit sieben Trommeln und Kuchen in allen Variationen: Eierlikör, Haselnuss, Quark, Butterkuchen, leichte Wolke, gebacken von Mitgliedern des Fanclubs. Unten im Bauch des Busses klappern Bierflaschen. Eckhoff beißt in ein Käsebrötchen, plaudert mit seinem Vordermann ab und zu auf Platt.

Rund 20 der 140 Mitglieder begleiteten den BSV nach Sachsen-Anhalt. Foto: Scholz
Der Bus, ein weißer Scania, rollt vorbei an verschneiten Feldern, am Estering, hinaus aus dem Landkreis Stade. Eckhoff kommt aus der Landwirtschaft, übernahm schon früh den Hof der Eltern, ging später in den Einzelhandel, arbeitete im Kartoffellager der Stader Saatzucht. Seit einem halben Jahr ist er Rentner. In Wangersen lebt er allein auf einem großen Resthof, kümmert sich um seine Ponys und einen Oldtimer-Deutz, einen Trecker, Baujahr 1956.
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Seit knapp zehn Jahren ist er im BSV-Fanclub. „Die Bundesliga hat mich damals gereizt“, sagt er. Inzwischen blickt er auf zahlreiche Auswärtsfahrten zurück. „Das Sofa ist nichts für mich“, sagt er. „Wenn ich unter Leuten bin, fühle ich mich wohl.“
Diese Themen beschäftigen den BSV-Anhang
Busfahrer Klaus Ubert meldet sich zu Wort. „Die A7 ist dicht, wir fahren auf die A1.“ Eine Frau ruft von hinten: „Wir vertrauen dir, Klaus!“ Eckhoff: „Hauptsache, der Bus rollt.“ Wenig später ploppen die ersten Flaschen Flens auf. Eckhoff verteilt Schokoriegel. „Nehmt ruhig zwei.“

Busfahrer Klaus Ubert fährt die BSV-Fans zum Auswärtsspiel nach Halle. Foto: Scholz
Die Fans diskutieren Handballthemen: Jugendarbeit in Buxtehude, Steckdosenprobleme in der neuen Halle Nord, Frauenhandball im Fernsehen. Doch auch Sorgen um den BSV mischen sich ein. „Die Mannschaften von oben sind weit weg. In Buxtehude erleben wir ein schweres Jahr nach dem anderen, und als Fan macht man sich schon Gedanken“, sagt Eckhoff.
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Er befürchtet, dass am Saisonende viele Spielerinnen den Verein verlassen könnten. „Seien wir ehrlich, es wäre eine Überraschung, wenn Jolina Huhnstock und Levke Kretschmann bleiben.“ Der BSV müsse sich Gedanken machen, wie man Spielerinnen halten kann. Mehr als Verpflichtungen aus der zweiten Liga seien finanziell kaum drin.
„Nur der BSV!“ - Zuversicht im Bus
Auch die jungen Spielerinnen beschäftigen ihn. „Buxtehude ist eigentlich ein Ausbildungsverein, aber die Talente kommen in der Bundesliga kaum zum Einsatz“, sagt er. In der verkleinerten Liga sei es noch schwerer, eine Chance zu bekommen. Und über die Nationalmannschaft: „Wenn ich Emily Vogel, Katharina Filter oder Aimée von Pereira sehe, blutet mir das Herz. Wären die noch in Buxtehude, könnten wir oben mitspielen.“
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Eckhoff ist meinungsstark, hat auf jede Frage eine Antwort. Die Entlassung von Dirk Leun hält er für richtig, auch wenn er gute Arbeit geleistet habe. Sein Nachfolger Nicolaj Andersson bringe frischen Wind. „Aber was, wenn Andersson gute Arbeit macht? Er bleibt nur bis Sommer.“ Danach übernimmt Jonas Schlender.
Die Autobahn wird geräumt, der Bus schleppt sich hinter den Schneepflügen Richtung Halle. Um 14.55 Uhr stehen die Fans auf der Raststätte Allertal West im Schneematsch, essen Kuchen. „Es war gar nicht so leicht, heute die richtige Route zu finden“, erklärt Busfahrer Ubert. Noch 2:45 Stunden bis Halle.

Kuchenpause auf der Raststätte Allertal. Foto: Scholz
Kurz vor der Ankunft greift Haase, die Fanclub-Vorsitzende, zum Mikrofon: „Denkt an eure Trommeln!“, sagt sie. „Nur der BSV! Und für die zwei Punkte haben wir definitiv Platz im Bus!“ Applaus, letzte Schlucke Bier.
Fans ratlos: Wie konnte das passieren?
Die Rückfahrt: Zurück im Bus nach der 24:33-Niederlage gegen Halle. Hans-Hinrich Eckhoff sitzt wieder in Reihe zwölf. Es ist dunkel, still, einige scrollen auf ihren Handys. Die WhatsApp-Gruppe der Fans quillt über: „Ich weine gleich“, „Was für ein desaströses Spiel“.

Hans-Hinrich Eckhoff feuert den BSV in Halle an. Foto: Scholz
Spricht man Eckhoff an, sprudelt es aus ihm heraus: „Ich bin total enttäuscht. Vor vier Tagen haben wir gegen Bensheim noch so super gespielt. Heute habe ich die Mannschaft nicht wiedererkannt.“ Er fragt sich, wo die erfahrenen Kräfte waren, warum die Spielerinnen von der Bank erst spät kamen, wie man mit diesem Kader die Kurve noch kriegen soll und was sich jetzt die Verantwortlichen denken. „Ich verstehe nicht, wie das passieren konnte.“
Eckhoff schüttelt den Kopf. „Ich hatte durch den Trainerwechsel und das Spiel gegen Bensheim etwas Hoffnung gehabt. Aber jetzt denkt man wieder, es ist alles beim Alten. Es wäre jammerschade, wenn die Mannschaft absteigt“, sagt er. „Ach, Mensch!“
„Keine Spielerin verliert absichtlich“
Draußen zieht die Nacht vorbei. Eckhoff döst kurz. Weiter nördlich beginnt es wieder zu schneien. Um 23.16 Uhr passiert der Bus Braunschweig, noch 200 Kilometer.

Die BSV-Fans machten Stimmung in der ausverkauften Arena. Foto: Scholz
„Für uns Fans ist das hart“, sagt Eckhoff. „So eine Fahrt bei so einem Wetter nach Halle, dazu die Art und Weise, wie man das Spiel verloren hat.“ Doch er zeigt Einsicht: „Aber ich verstehe auch, dass keine Spielerin absichtlich verliert. Ich möchte fair bleiben.“
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0.18 Uhr, letzte Pause auf der Raststätte Allertal Ost. Klaus Ubert muss seine Lenkzeit einhalten, wird von einem Kollegen abgelöst und verabschiedet sich mit einer Durchsage: „Ich hoffe, dass ihr den BSV weiter unterstützt, damit er die Klasse hält.“ Applaus. „Genauso ist es, Klaus!“, ruft Eckhoff.
Kurz vor Buxtehude, 1.51 Uhr, löst Haase das Tippspiel auf: „Wie ihr euch denken könnt, gab es keine Überraschung.“ Niemand hat richtig getippt. Hans-Hinrich Eckhoff steigt aus, müde, nachdenklich. „Als Fan hat man mal gute Zeiten, mal schlechte. Aber ich mache das gerne“, sagt er, vor allem wegen der Gemeinschaft.